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Kluft zwischen armen und reichen Familien wird größer

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat erforscht, wie viel Geld Familien zur Verfügung haben. Während der Konsum der obersten zehn Prozent während der untersuchten zehn Jahre deutlich zugenommen hat, steht armen Familien real weniger Geld zur Verfügung. SoVD-Präsident Adolf Bauer bezeichnet Kinderarmut als ein „ungelöstes Problem in Deutschland“. 

Die Studie behandelt den Zeitraum zwischen 2003 und 2013. Die Entwicklung innerhalb dieser zehn Jahre spricht eine deutliche Sprache. Die Schere zwischen den Haushaltseinkommen der ärmsten und reichsten Familien ist weiter auseinander gegangen. 

Während der Konsum im Durchschnitt moderat und beim obersten Zehntel spürbar zugenommen hat, mussten sich die ärmeren Kinder über die Jahre weiter einschränken: Arme Familien hatten real weniger Geld als noch zehn Jahre zuvor zur Verfügung, um ihren Kindern mehr als das physisch Notwendige zu finanzieren

Sie konnten im Monat im Schnitt 364 Euro für ihre Kinder ausgeben, während Spitzenverdiener 1200 Euro in ihren Nachwuchs investierten. Im Durchschnitt aller Einkommensschichten lag bei 659 Euro. 

Von Teilhabe ausgeschlossen

Bei Familien mit geringem Einkommen steht vor allem weniger Geld für Freizeit, Unterhaltung und Kultur zur Verfügung. Sie können dafür monatlich lediglich 44 Euro ausgeben. Damit werden ihre Kinder von Teilhabe ausgeschlossen.

„Während die breite Mehrheit sich immer mehr leisten kann, sind arme Kinder zunehmend außen vor. Das Gefühl nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt zu sein und abseits stehen zu müssen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland. Frust, Resignation, weniger Bildungserfolg und höhere Krankheitsanfälligkeit sind schließlich sehr häufig die Folgen der Einkommensarmut der Familien“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. 

Adolf Bauer: Maßnahmen sind unzureichend

Die Tageszeitung „Die Welt“ befragte SoVD-Präsident Adolf Bauer nach dessen Einschätzung der Studie. Bauer sagte: „Zweifellos ist Kinderarmut in Deutschland bisher ein ungelöstes Problem. Die Politik hat das durchaus erkannt und inzwischen erste Maßnahmen auf den Weg gebracht. Jedoch sind diese unzureichend“. Damit bezieht er sich unter anderem auf das sogenannte „Starke-Familien-Gesetz",  das seit diesem Monat in Kraft ist, und arme Familien entlasten soll. 

Seiner Ansicht nach müsse Kinderarmut als Familienarmut verstanden werden. Nötig seien deshalb Hilfsangebote für die ganze Familie. 

Plädoyer für Kindergrundsicherung

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert, das Bildungs- und Teilhabepaket durch einen Rechtsanspruch auf Teilhabe zu ersetzen. Dieser solle im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgeschrieben werden. Zudem plädiert er für die Einführung einer einkommens- und bedarfsorientierten Kindergrundsicherug. 

Die gesamte Studie gibt es auf der Website des Verbandes.