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Deutsche haben die geringste Lebenserwartung in Westeuropa

Neugeborene in Deutschland haben heute im Schnitt eine um mehr als ein Jahr geringere Lebenserwartung als im westeuropäischen Durchschnitt. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Gesundheitsstudie. In Deutschland sind dabei außerdem die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten besonders ausgeprägt.

In der Global Burden of Disease Study wurden mehr als 8200 Daten aus 195 Ländern zusammengetragen und ausgewertet. Danach ist die Lebenserwartung weltweit zwischen 1950 und 2017 um fast 50 Prozent gestiegen. 

In Deutschland liegt die Lebenserwartung für Neugeborene bei 78,2 (männlich) und 83 Jahren (weiblich). Sie liegt damit mehr als ein Jahr unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 79,5 und 84,2 Jahren. Bei den Männern ist Deutschland damit sogar Schlusslicht. 

Ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung

Laut Pavel Grigoriev vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung liege das vor allem am ungesunden Lebensstil der Deutschen. Hierzulande gebe es deutlich mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen als in Mittelmeerländern wie Spanien oder Frankreich. Das sagte er dem Tagesspiegel. 

Das hat wohl auch mit der Ernährung zu tun. Die maritime Küche enthält mehr Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte und Obst, während in Deutschland kalorienreiche, fetthaltige Gerichte dominieren. Als weitere Faktoren kommen Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht hinzu. 

Auch psychische Belastungen wie Hektik, Alltagsstress und ein belastendes Arbeitsleben können laut Experten die Lebenserwartung verringern.

Wer arm ist, lebt kürzer

Die Lebenserwartung in Deutschland unterscheidet sich stark zwischen den sozialen Schichten. Männer, die in prekären Verhältnissen leben, haben eine Lebenserwartung von 70,1 Jahren. Ihre wohlhabenden Geschlechtsgenossen hingegen 80,9 Jahre. Bei Frauen liegt die Differenz bei etwa acht Jahren. Arme kommen auf 76,9 Jahre, Wohlhabende auf 85,3 Jahre. Das geht aus einer Studie des Robert Koch-Instituts hervor. 

Fachleute begründen das damit, dass Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, sowie Alkohol- und höheren Tabakkonsum bei sozial schwächeren stärker auftreten. 

Zu wenig Vorsorge

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, nennt noch einen weiteren Grund für die vergleichsweise geringere Lebenserwartung der Deutschen: Das Gesundheitssystem. Es gebe große Unterschiede in der Versorgung zwischen Stadt und Land. Darüber hinaus sei die Vorsorgemedizin nur schlecht entwickelt und gerade im Kinderalter würden Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und Zuckerkonsum kaum bekämpft. 

In diesem Zusammenhang außerdem bemerkenswert: Deutschland ist europaweit das einzige Land, in dem Außenwerbung für Tabakkonsum erlaubt ist.