Die SoVD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Mitte trägt den Namen „Erich-Kuttner-Haus“. Erich Kuttner war Sozialdemokrat und 1917 Mitbegründer des Reichsbundes, heute SoVD. Er setzte sich für soziale Gerechtigkeit, die Rechte von Menschen mit Behinderungen und von versehrten Kriegsteilnehmern ein. Damit prägte er die Grundlage der heutigen Verbandsarbeit des SoVD. Zur Umbenennung anlässlich seines 138. Geburtstages am 27. Mai 2025 veranstaltete der SoVD einen großen Festakt und enthüllte eine Plakette zu Ehren des Verbandsgründers.
Mit der Namensgebung würdigt der SoVD Kuttners Lebenswerk und setzt ein öffentlich sichtbares Zeichen der Dankbarkeit sowie Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit.
Für demokratisches und solidarisches Miteinander
Im Vorfeld seines diesjährigen Geburtstages griff die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier zu Lappen und Putzmaterialien, um der Plakette neuen Glanz zu verleihen. Die Erinnerung an Kuttner ist dem SoVD wichtig, Michaela Engelmeier betont anlässlich seines Geburtstags: „Erich Kuttner steht wie kaum ein anderer für den untrennbaren Zusammenhang von sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Verantwortung. Sein Leben und sein Schicksal mahnen uns, wachsam zu bleiben und jeder Form von Antisemitismus, Hass und Demokratiefeindlichkeit entschieden entgegenzutreten“
Genau dafür steht Erich Kuttner. Er wird 1887 in Berlin geboren und wächst in einer jüdischen Familie auf. Früh entwickelt er ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit. Er studiert Jura in Berlin und München und arbeitet ab 1909 als Referendar am Kammergericht. Nebenbei engagiert er sich politisch, ist journalistisch tätig und tritt 1912 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei.
Impulse für Sozialpolitik nach dem Ersten Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg wird Erich Kuttner verwundet und erlebt die Not vieler Kriegsgeschädigter und Hinterbliebener aus nächster Nähe. 1917 gründet er den Reichsbund der Kriegsteilnehmer und Kriegsgeschädigten und ist bis 1919 dessen Vorsitzender. Er setzt sich besonders für die Rechte und soziale Absicherung von Kriegsopfern, bessere Arbeitschancen für Schwerbeschädigte sowie eine Reform des Militärrentenwesens ein.
Bei der Umbenennung des Hauses im vergangenen Jahr würdigte Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, das Wirken von Erich Kuttner. Er sagte: „Als jüdischer Sozialdemokrat kämpfte er mit großem persönlichen Einsatz für die Rechte von Kriegsversehrten, von Menschen am Rande der Gesellschaft.“
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerät Erich Kuttner ins Visier des Regimes. Am 5. März 1933 verhaftet ihn die SA. Kurz darauf kommt er wieder frei, doch bereits im Mai wird er ein zweites Mal arrestiert. Daraufhin flieht Kuttner mit seiner Frau in die Niederlande. Dort schreibt er weiter für sozialdemokratische Exilzeitungen.
Im Mai 1940 überfällt die Wehrmacht die Niederlande. Im April 1942 spürt ihn die Gestapo auf. Kuttner wird ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert und dort am 6. Oktober ermordet.
Name Erich Kuttners ist in Berlin mehrfach sichtbar
An Erich Kuttner erinnern heute in Berlin ein Straßenname in Lichtenberg sowie ein Stolperstein vor seinem früheren Wohnhaus in Tempelhof.Seit einem Jahr trägt nun die SoVD-Bundesgeschäftsstelle seinen Namen. Auch der Ort verkörpert die Verbandsgeschichte, denn von Juli 1925 bis zur Selbstauflösung des Verbandes im Mai 1933 hatte der Reichsbund auf diesem Grundstück seine Zentrale.
Das Erich-Kuttner-Haus verweist auf den Mann, der den SoVD entscheidend prägte und dessen Wirken der Verband sich verpflichtet fühlt.
