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Familiäre Pflege belastet vor allem Frauen

Wer neben der Arbeit noch Kinderbetreuung übernimmt oder sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, ist oft zu erschöpft für private oder familiäre Dinge. Besonders betroffen sind davon Frauen in Vollzeitbeschäftigung. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschaft- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. 

Viele Menschen sind nach dem Arbeitstag zu ausgelaugt, um sich um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern. Das gilt im besonderen Maße für Beschäftigte, die für ihre Angehörigen sorgen. Fast zwei Drittel aller befragten vollzeitbeschäftigten Frauen mit Pflegeverantwortung gaben in der Studie an, sich nach der Arbeit oft oder sehr oft zu erschöpft dafür zu fühlen. Ebenso fühlen etwas mehr als die Hälfte der Frauen in Teilzeit und knapp die Hälfte der in Vollzeit arbeitenden Männer. 

Doch auch die Kinderbetreuung kostet viel Energie. Mehr als die Hälfte der vollzeitbeschäftigten Frauen und 40 Prozent der Männer, die Kinder betreuen, bezeichneten sich als oft oder sehr oft erschöpft nach der Arbeit. 

Frauen pflegen häufiger und mehr als Männer

Die Autoren der Studie, die aus Daten von 2017 basiert, kritisieren die ungleiche Aufteilung der familialen Care-Arbeit – also von Kinderbetreuungs- und Pflegeverantwortung – zwischen den Geschlechtern. Frauen übernehmen immer noch den Hauptanteil an unbezahlter Arbeit in den Familien. Hinzu kommt, dass Frauen häufiger und früher im Lebensverlauf als Männer Pflegeaufgaben in der Familie übernehmen. Zugleich pflegen Frauen verstärkt mit höherem Zeitaufwand von fünf oder mehr Stunden pro Woche.

Erschwerend wirkt, dass Frauen häufiger in Berufsbereichen arbeiten, in denen überdurchschnittlich viele Beschäftigte von einer Überforderung durch ihre berufliche Tätigkeit berichten. Dazu gehören zum Beispiel Sozial- und Erziehungsberufe, Berufe im Gesundheitswesen und weitere Dienstleistungen. 

Pflegebedingte Teilzeit führt zu Altersarmut

Oft sind es Frauen, die wegen der Doppelbelastung beruflich kürzertreten und in Teilzeit arbeiten. Das wirkt sich später auf die ihre Altersvorsorge auf und kann zu Altersarmut führen. 

Auf die schlechte Bezahlung von Berufen, in denen viele Frauen arbeiten hat der SoVD unter anderem im Rahmen des Equal Pay Day hingewiesen und sich zugleich für eine faire Aufteilung von Tätigkeiten wie Haushalt, aber auch Pflege, eingesetzt. 

SoVD beleuchtet Situaion in Gutachten

Dass insbesondere pflegende Angehörige unter einem großen psychischen, aber auch finanziellen Druck stehen, hat die Politik mittlerweile erkannt und will darauf mit dem Pflege-Entlastungsgesetz reagieren.

Um einen genaueren Überblick über die Situation Pflegender zu bekommen, hat der SoVD ein Gutachten beauftragt. Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen.