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Gleichberechtigung – nicht gleich, sondern sofort! Festakt „100 Jahre frauenpolitisches Engagement im SoVD“

Seit 1919 konnten Frauen im Reichsbund Mitglied werden und Positionen bekleiden. In diesem Jahr feiert der SoVD deshalb 100 Jahre frauenpolitisches Engagement. Dazu fand am 6. September ein Festakt in Berlin statt.

Die Veranstaltung sollte nicht nur einen Blick in die Vergangenheit werfen und Erreichtes feiern, sondern auch aktuelle Forderungen artikulieren. Denn trotz der formellen Gleichberechtigung gibt es viele Felder, auf denen Frauen nach wie vor benachteiligt sind. 

Die Begrüßung der 170 Gästen in der Katholischen Akademie übernahmen SoVD-Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack und SoVD-Präsident Adolf Bauer. Er würdigte die Frauenarbeit in der Verbandsgeschichte und verwies auf die ersten sozialpolitischen Forderungen, die die Frauen im Reichsbund formuliert hatten. Sie machten sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges unter anderem für eine Mindestrente und die Hinterbliebenenversorgung stark. 

Und auch heute haben die Frauen im SoVD wichtige Themen auf der Agenda. Adolf Bauer stellte ihren Einsatz am Frauentag oder die jährlichen Aktionen zum Equal Pay Day heraus. 

Gesetze statt Quote

Anschließend sprach Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend, ein Grußwort. Darin dankte sie dem SoVD für sein Engagement. Der Verband sei ein „starker und beharrlicher Partner“, der sich „für Menschen einsetzt, die eine starke Stimme brauchen.“ Außerdem verwies sie auf Projekte, die für Gleichstellung im Berufsleben sorgen sollen. Dabei stellte sie fest, dass festgeschriebene Quoten und Gesetze deutlich wirkungsvoller seien als freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft. 

Danach erinnerte die Soziologin Jeanette Toussaint an die „Mütter des Reichsbundes“, deren Geschichte sie erforscht hat. Sie schilderte den Einsatz von Martha Harnoß, Sophie Goetzke, Eilsabeth Schott und weiteren. Sie wünschte sich für diese engagierten Frauen mehr Sichtbarkeit innerhalb und außerhalb des Verbandes. 

Gleichberechtigung bei Job und Beziehung

Ute Meier-Gräwe, bis 2018 Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienforschung in Gießen legte im Anschluss mit ihrem wissenschaftlichen Referat dar, dass es noch ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung ist. In der modernen Arbeitswelt sind es die Frauen, die viel unbezahlte Pflegearbeit erledigen oder sich um den Haushalt kümmern und es sind häufiger Frauen, die befristet beschäftigt sind oder nicht genug für eine ausreichende Absicherung im Alter verdienen. Sie forderte deshalb eine Politik, die eine Vereinbarkeit von gutem Leben mit Sorge- und Erwerbsarbeit für alle Geschlechter zulässt. 

Nach der Mittagspause stand die Autorin, Moderatorin und Poetry-Slammerin Ninia La Grande auf der Bühne. Sie berichtete darüber, dass in der Kindererziehung nur selten eine faire Aufgabenverteilung vorliegt und dass die Erziehungsarbeit quasi selbstverständlich als weibliche Aufgabe betrachtet wird. Sie schloss ihren Auftritt mit der Aussage: „Ich bin so müde von der Erwartung, dass sich nur Frauen um Frauenrechte bemühen müssen. Wir sprechen hier über Umwandlungen, die uns gesamtgesellschaftlich guttun würden. Von der alle Geschlechter profitieren würden. Was wir brauchen, sind so engagierte Menschen, wie die Frauen und Männer im Sozialverband Deutschland.“

Abschließende Podiumsdiskussion

In einer Podiumsdiskussion ging es danach um die letzten zehn Jahre Frauenpolitik und die weiteren Perspektiven. Darüber diskutierten Ursula Engelen-Kefer, Landesvorsitzende des SoVD Berlin-Brandenburg, Martin Rosowski, ehemaliger 1. Vorsitzender des Bundesforums Männer, Katja Grieger, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, Anja Weusthoff, Leiterin der Abteilung Frauen, Gleichstellungs- und Familienpolitik beim DGB-Bundesvorstand, und SoVD-Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack. 

Mit einem Auftritt des Chores „Rotkehlchen“ und einem Ausblick von Adolf Bauer ging die Veranstaltung zu Ende.