Das Recht auf gutes Wohnen

Wohnungsfrage wird zur sozialen Frage - SoVD fordert Politik zum Handeln auf

Bezahlbarer Wohnraum ist in deutschen Metropolen nicht erst seit heute knapp. Auch in mittelgroßen Städten sind die Angebote rar. Vor allem für Geringverdienende, aber längst auch für Haushalte mit mittlerem Einkommen wird die Wohnungssuche zum Problem. Mit einem Impulspapier fordert der SoVD deshalb jetzt „Gutes Wohnen – überall! Für alle!“ Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen begleiten den Forderungskatalog.

In allen großen Städten des Landes fehlen sie zuhauf: bezahlbare Wohnungen, die sich auch finanzschwächere Mieterinnen und Mieter leisten können. Studierende, Alleinerziehende, Menschen mit schlecht bezahltem Job, Rentnerinnen und Rentner, Menschen mit Behinderung und Geflüchtete streiten sich um die spärlichen Bestände.

Auch kleinere Städte, darunter viele Universitätsstädte, erleben einen Ansturm, auf den der deutsche Wohnungsmarkt – trotz Mietpreisbremse – nicht vorbereitet ist.

Wohnungsfrage wird zur sozialen Frage

Im Kontrast dazu zeichnet sich eine ebenso alarmierende Entwicklung ab: Während in den Ballungszentren die Wohnungsnot zunimmt, stehen in strukturschwächeren, oft ländlichen Regionen fast zwei Millionen Wohnungen leer.

Zwischen den beiden Problemfeldern des gespaltenen Wohnungsmarktes besteht ein Zusammenhang. Denn dort, wo ausreichend günstiger Wohnraum zur Verfügung stünde, mangelt es häufig an Strukturen, um eine gesicherte Existenz aufbauen zu können. Es fehlt der Zugang zu guter Arbeit, zu ausreichender medizinischer Versorgung, zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Kitas und Schulen. Wer wenig Geld hat, muss somit weiter hinausziehen und viel pendeln, sich bei der Raumgröße über das zumutbare Maß hinaus bescheiden oder aber so viel Einkommen für das Wohnen aufwenden, dass zu wenig Geld zum Leben übrig bleibt.

So wird die Wohnungsfrage zunehmend zur sozialen Frage. Insbesondere dann, wenn veränderte Lebensumstände einen Wechsel notwendig machen, wird es für Betroffene schwieriger, überhaupt ein neues Zuhause zu finden. Eine fatale Abwärtsspirale nimmt für immer mehr Menschen ihren Lauf.

SoVD ruft mit Impulspapier zum Handeln auf

Als eine der größten und traditionsreichsten Interessenvertretungen für sozial benachteiligte Menschen hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) das wichtige Thema auf die Agenda gesetzt. Mit dem Impulspapier „Gutes Wohnen – überall! Für alle!“, fordert der Verband die Politik zum zügigen Handeln auf.

„Sorgen um bezahlbaren Wohnraum verursachen erhebliche Existenzängste!“, stellt SoVD-Präsident Adolf Bauer dazu fest. Der SoVD drängt deshalb unter anderem darauf, die Verwirklichung des Rechts auf angemessenen und bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen als Staatsziel in die Verfassung aufzunehmen. Dabei beruft sich der Verband darauf, dass das Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse überall im Bundesgebiet zu schaffen, in Artikel 72 des Grundgesetzes angelegt ist.

Wohnungsfrage wird Thema des Parlamentarischen Abends

Der Zugang zu Leistungen der Daseinsvorsorge, der diese Gleichwertigkeit ausmache, sei aktuell in vielen ländlichen Regionen und benachteiligten Stadtquartieren gefährdet, kritisiert Bauer. „Politik und Verwaltung sind aber verpflichtet, allen Bürgerinnen und Bürgern die Leistungen zur Verfügung zu stellen, die für eine menschenwürdige Existenz unabdingbar sind, und dies in guter Qualität, zu erschwinglichen Preisen und in zumutbarer Entfernung.“

So zielen alle SoVD-Forderungen darauf, gleichwertige und gute Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen. Weitere Maßnahmen flankieren das Impulspapier, das in Kürze unter www.sovd.de heruntergeladen werden kann. Auch der Parlamentarische Abend des Verbandes im September steht unter dem gleichen Thema. 

Info

Wie sind Ihre Erfahrungen mit steigenden Mieten in der Stadt? Oder wohnen Sie auf dem Land und leiden unter mangelndem Zugang zu Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Arztpraxen? Schreiben Sie uns Ihre Erfahungen an: SoVD-Redaktion, Stralauer Straße 63, 10179 Berlin, E-Mail: redaktion(at)sovd.de, Stichwort: „Gutes Wohnen“.

Zur Ausgabe Juli/August 2018 der SoVD-Zeitung