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„Die Menschen brauchen Vertrauen in die Zukunft“

Hier die Beschreibung des Bildes

Michael Löher ist seit 2007 Vorsitzender des Deutschen Vereins. Foto: Hoffotografen

Auch in diesem Jahr hat der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge wichtige Impulse für die Weiterentwicklung in der Sozialpolitik gesetzt. Im Interview spricht Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins, über aktuelle und kommende Schwerpunkte.

Jedes Jahr setzen Sie wichtige Impulse für die Weiterentwicklung in der Sozialpolitik, des Sozialrechts und der sozialen Arbeit. Welches war aus Ihrer Sicht einer der wichtigsten Impulse in 2017?

2017 haben wir uns unter anderem intensiv mit dem Bundesteilhabegesetz und seiner Umsetzung und der Reform der Kinder- und Jugendhilfe befasst. Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende haben wir uns für eine mutige Weiterentwicklung des SGB II ausgesprochen, um künftigen Anforderungen wie beispielsweise der zunehmenden Digitalisierung der Arbeit, der Langzeitarbeitslosigkeit und dem Langzeitbezug sowie der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund adäquat zu begegnen.

Inwieweit wirkt sich das Ergebnis der Bundestagswahlen auf die künftige Arbeit des Deutschen Vereins aus?

Die Arbeit des Deutschen Vereins wird sicherlich auch von den sozialpolitischen Schwerpunkten der zukünftigen Regierung geprägt sein. Wie diese konkret aussehen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Es ist ja auch noch völlig offen, wer dann unsere Verhandlungspartner sein werden. Das wird uns aber nicht davon abhalten, aus unserer Sicht wichtige soziale Herausforderungen aufzugreifen und Impulse zur Weiterentwicklung zu setzen.

Wo sehen Sie besonderen Handlungsbedarf?

Eine übergeordnete sozialpolitische Herausforderung wird die verantwortungsvolle Gestaltung der Digitalisierung sein. Technische Neuerungen verändern unsere Arbeitswelt und können neue Möglichkeiten der Teilhabe schaffen. Es muss aber auch dafür Sorge getragen werden, dass dabei nicht neue Personengruppen entstehen, die ins Abseits geraten. Auch die Integration von geflüchteten Menschen ist eine wichtige und gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für deren Bewältigung wir gute Konzepte brauchen. Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und die Weiterentwicklung des SGB VIII, aber auch die Vermeidung von Altersarmut sind nur einige weitere Themen, die zu diskutieren sind.

Der SoVD ist in zahlreichen Gremien des Deutschen Vereins vertreten. Was zeichnet die Zusammenarbeit mit dem Verband aus?

Als Forum aller Akteure aus Sozialpolitik, Sozialrecht und der sozialen Arbeit bringt der Deutsche Verein in seinen Gremien Theorie und Praxis zusammen und erarbeitet konsensual tragfähige Konzepte für die vielfältigen sozialen Herausforderungen. Das gelingt insbesondere, weil unsere Mitglieder ihre Expertise einbringen und gemeinsam intensiv an Lösungen arbeiten.
Der SoVD steht mit seinen über 570 000 Mitgliedern für die Stärkung der sozialen Rechte der einzelnen Bürgerinnen und Bürger. Damit bringt der SoVD die wichtige Perspektive der unmittelbar Betroffenen – und wie ich finde, immer konstruktiv – in unsere gemeinsame Arbeit ein.

Wo liegen Ihrer Einschätzung nach aktuell die besonderen Herausforderungen für die öffentliche und private Fürsorge?

Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, der gesellschaftlichen und politischen Verunsicherung. Viele Menschen haben Ängste – trotz eigentlich guter wirtschaftlicher Lage und vergleichbar guter sozialstaatlicher Strukturen und Sicherungssysteme.
Die Menschen brauchen Vertrauen in die Zukunft, brauchen Antworten, Handlungsfähigkeit. Sich schnell verändernde Gesellschaften sind in besonderer Weise auf sozialen Zusammenhalt und Solidarität angewiesen. Hier kann die öffentliche und private Fürsorge einen wichtigen Beitrag leisten. Auch durch Intensivierung ihrer Zusammenarbeit. Wie Antworten aussehen könnten, wollen wir im Übrigen auf unserem 81. Deutschen Fürsorgetag vom 15. bis 17. Mai 2018 in Stuttgart diskutieren.

Zur Ausgabe Dezember 2017 der SoVD-Zeitung




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