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Mehr als ein Fünftel in atypischer Beschäftigung

Über 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Teilzeit, in Leiharbeit oder mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Große Unterschiede gibt es dabei zwischen Männern und Frauen sowie den alten und neuen Bundesländern. 

Trotz guter Konjunktur und geringer Arbeitslosigkeit sind viele Beschäftigte in Deutschland atypisch beschäftigt. Das heißt, sie arbeiten in Teilzeit maximal 20 Stunden pro Woche, haben einen befristeten Arbeitsvertrag oder sind einem Leiharbeitsverhältnis beschäftigt. 

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat die atypische Beschäftigung in Deutschland genauer analysiert. Große Unterschiede treten dabei zwischen den Geschlechtern und den verschiedenen Bundesländern auf. 

Besonders stark betroffen sind nach wie vor Frauen in Westdeutschland, die aus familiären Gründen oft in Teilzeit oder Minijobs arbeiten, zudem jüngere Beschäftigte, geringer Qualifizierte und Beschäftigte ohne deutschen Pass.

Frauen in Teilzeit, Männer in Leiharbeit

Zwei Drittel des Zuwachses der atypischen Beschäftigung seit der Wiedervereinigung von 13 auf jetzt 20,8 Prozent, geht auf die Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung unter Frauen in Westdeutschland zurück. Dementsprechend sind bundesweit 30,5 Prozent aller erwerbstätigen Frauen atypisch beschäftigt, wobei Minijobs und Teilzeitarbeit dominieren. 

Besonders hoch ist Quote bei Frauen während der von den Forschern so bezeichneten „Phase der Familiengründung“ zwischen 35 und 44 Jahren. 

Unter den Männern haben 12,2 Prozent einen atypischen Job. Bei ihnen spielen Leiharbeit und befristete Beschäftigung eine vergleichsweise große Rolle. 

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Die höchste Quote atypischer Beschäftigung gibt es in Bremen. Hier ist mehr als ein Viertel der Erwerbstätigen auf diese Art beschäftigt. Es folgen das Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit Quoten zwischen knapp 23 und 24 Prozent. 

Generell deutlich niedriger sind die Quoten in Ostdeutschland. Die Autoren der Studie, Eric Seils und Helge Baumann, begründen das damit, dass Frauen in den neuen Bundesländern seit Langem weitaus häufiger in Vollzeit arbeiten und die öffentliche Kinderbetreuung stärker ausgebaut sei.

Den bundesweit niedrigsten Wert atypischer Beschäftigung weist Brandenburg mit 14 Prozent auf. Zudem ist sie zuletzt im Osten spürbar gesunken, während sich im Westen nur wenig verändert hat. 

Befristete Berufseinsteiger

Besonders hoch ist der Anteil atypischer Beschäftigung mit 30,9 Prozent bei jüngeren Beschäftigten zwischen 15 und 24 Jahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Berufsanfänger bei ihrem Einstieg erst einmal nur einen befristeten Vertrag erhalten.

Dass die atypische Beschäftigung im gesamtdeutschen Durchschnitt in den letzten Jahren zumindest leicht zurückgegangen ist, führen die WSI-Wissenschaftler auf die vergleichsweise gute Konjunktur zurück, die wieder vermehrt Normalarbeitsverhältnisse entstehen ließ. Zudem gehen Frauen in jüngster Zeit etwas seltener Teilzeitbeschäftigungen mit sehr geringer Stundenzahl nach. 2007 lag die Quote atypischer Beschäftigung noch bei 22,6 Prozent. 

Autoren fordern politische Konzepte

Dennoch raten die Autoren zu weiteren politischen Maßnahmen. Dazu zählen den Ausbau der Kinderbetreuung, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen. Das sorge für eine größere finanzielle Unabhängigkeit von Frauen im Alter und könne den erwarteten Fachkräftemangel bekämpfen. 

Auch der SoVD setzt sich gegen prekäre Beschäftigung wie befristete Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit ein. Oft sind gerade dies Arbeiten, von denen die Beschäftigten nicht würdevoll leben können.