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„Niemand will über Stufen in Züge klettern“

Ob für den Weg zur Arbeit oder, um in den Urlaub zu fahren: Die Bahn wird als Transportmittel immer beliebter. Doch für Menschen im Rollstuhl ist die Fahrt mit dem Zug nicht immer komfortabel. Kay Macquarrie ist Mitglied im SoVD und engagiert sich in vielen Bereichen. Der SoVD hat den 43-Jährigen über den Deutschen Behindertenrat als Mitglied für ein Gremium der Deutschen Bahn (DB) benannt, das sich mit dem Thema Barrierefreiheit beschäftigt. Als freier Journalist und Rollstuhlfahrer ist Macquarrie selbst auf die Bahn angewiesen. Hier spricht er über seine Erfahrungen und über seine Pläne als Mitglied im Beirat der Deutschen Bahn.

___Sie nutzen regelmäßig die Deutsche Bahn – fahren Sie gerne mit dem Zug?

Mir persönlich ist es einfach wichtig, ein Verkehrsmittel zu nutzen, das klimafreundlicher ist als etwa das Auto oder das Flugzeug.

___Wie bewerten Sie denn als Zugreisender allgemein das Thema Barrierefreiheit?

Die Probleme fangen da an, wo ich als Rollstuhlfahrer gar nicht erst in den Zug einsteigen kann. Das betrifft vor allem den Fernverkehr. Wenn ich ein Flugticket kaufe, kann ich ein Häkchen setzen, dass ich Hilfe bei Ein- und Ausstieg benötige. Beim Kauf einer Bahnfahrkarte ist das komplizierter. Da muss ich separat ein umfangreiches Formular ausfüllen.

___Fehlt es also bei der Bahn allgemein an Unterstützung?

Ich möchte gar nicht erst all die Probleme aufzählen. Mein Fokus ist: Die Stufen müssen weg! Wir brauchen endlich einen nachvollziehbaren Plan, der aufzeigt, wie die Bahn stufenlos erreichbar ist. Alles andere ist letztlich ein Umweg.

___Die Mobilitätshilfen sind also aus Ihrer Sicht nur eine Kompromisslösung?

Ja. Und letztlich ergeben sich daraus wieder neue Barrieren. Die Deutsche Bahn ändert nichts an der Situation, dass man nur über Stufen in die Züge kommt, sondern versucht den Ausgleich über Hebebühnen oder Rampen. Das kann aber nicht unser Ziel sein. Und das möchte letztlich niemand – auch Reisende mit Koffern oder Familien mit Kindern wollen nicht auch noch die nächsten Jahrzehnte über Stufen in den Zug klettern.

___Für Ihre Mitwirkung im Beirat haben Sie dann ja eine klar definierte Agenda.

Ich sehe die Bahn ganz stark in der Verantwortung – und natürlich auch die Politik. Dort hat bisher offensichtlich niemand ein Konzept, wie die Züge im Fernverkehr langfristig stufenlos nutzbar sind. Das ist skandalös und hat mit Inklusion nichts zu tun. Es muss für jeden Menschen möglich sein, spontan und selbstbestimmt mit der Bahn zu reisen.

___Welche Hilfen können Reisende mit eingeschränkter Mobilität denn aktuell nutzen?

Sehr empfehlen kann ich „Hilfeleistung als Service“ oder kurz „Hase“. Wer Unterstützung benötigt, kann online unter www.hilfeleistung-als-service.de die nötigen Angaben über sein Ticket importieren und muss nicht erst langwierig das komplizierte und umfangreiche Formular der Deutschen Bahn ausfüllen.

Info: Schlichtungsstelle soll Konflikte lösen

Wer durch eine öffentliche Stelle des Bundes aufgrund einer Behinderung in seinem Recht auf Barrierefreiheit verletzt oder an der gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft gehindert wird, kann einen Schlichtungsantrag stellen. Zuständig ist hierfür die Schlichtungsstelle nach § 16 des Gesetzes zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG). Ziel ist es, gemeinsam eine außergerichtliche Lösung zu finden. Das Schlichtungsverfahren ist kostenlos.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.behindertenbeauftragter.de. Dort können Sie über ein Onlineformular auch einen Antrag zur Einleitung eines Schlichtungsverfahrens stellen. Auf dem Postweg ist dies möglich unter: Schlichtungsstelle BGG bei dem Beauftragten der Bundesregierung  für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Mauerstraße 53, 10117 Berlin.

Haben Sie Diskriminierung durch öffentliche Stellen erfahren oder wollen Sie die Schlichtungsstelle einschalten? Dann schreiben Sie uns per E-Mail unter: redaktion(at)sovd.de.