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100 Jahre Frauen im SoVD

100 Jahre Frauen im SoVD: Gleichberechtigung – nicht gleich, sondern sofort!

2019 begehen die Frauen im Sozialverband Deutschland ein besonderes Jubiläum: Ihr Engagement für die Interessen und Rechte von Frauen währt dann bereits 100 Jahre. Der runde Geburtstag der Frauen zwei Jahre nach dem großen Verbandsjubiläum ist Anlass für eine große Zahl an Veranstaltungen, die über das ganze Jahr hinweg stattfinden. Höhepunkt ist ein Festakt am 6. September in Berlin, in dessen Rahmen eine entsprechende Festschrift der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Den Auftakt der Festlichkeiten bildet am 15. Januar ein Jubiläumsempfang des SoVD-Landesverbandes Niedersachsen in Hannover. Er hat den Titel: „Gleiches Recht für alle: 100 Jahre Frauen im SoVD“.

Auf der Homepage des SoVD wird das besondere Jahr der Frauen in Form von Berichten über die zahlreichen Aktivitäten, Initiativen und Festveranstaltungen fortlaufend begleitet. Ein Überblick über die Geschichte der Frauen im Verband und ihr breit gefächertes Engagement über die Jahrzehnte erscheint auf dieser Seite. 

Zum Start des Jubiläumsjahrs am 15. Januar hat der SoVD eine Pressemitteilung veröffentlicht. 
 

Der Beginn  - Aus der Not geboren

Die ersten Frauen im damaligen Reichsbund waren durch ihr hartes Schicksal zur Selbstbehauptung gezwungen. Ihre Verselbstständigung wurde vor allem aus bitterer Not geboren.

Durch den Ersten Weltkrieg waren viele unter ihnen zur Witwe geworden. Wenn sie ihren Mann nicht ganz verloren hatten, so war er häufig kriegsversehrt und konnte die Familie nicht mehr ernähren. So mussten Millionen Frauen plötzlich den für sie ungewohnten und harten Schritt wagen, für die wirtschaftliche und soziale Sicherung ihrer Familie zu kämpfen, wenn sie nicht vor Hunger sterben wollten.

Engagement der Frauen kam einer Revolution gleich

Ob freiwillig oder gezwungenermaßen – der Beginn des organisierten Engagements der Frauen im SoVD kam einer Revolution gleich. Denn die Verbandsmitgliedschaft im 1917 gegründeten „Bund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer“ war Männern vorbehalten.

Bereits eineinhalb Jahre nach der Gründung bezeugt jedoch ein Bericht in der Mitgliederzeitung, damals „Mitteilungen“ genannt, den starken Willen der Frauen, sich mit Tatkraft für die Wahrnehmung ihrer Rechte und für mehr soziale Gerechtigkeit einzubringen. Wörtlich heißt es in der Notiz vom 13. Dezember 1918: „Am 4. Dezember berief die Ortsgruppe Frankfurt am Main eine öffentliche Versammlung der Kriegshinterbliebenen ein, um sie zu organisieren. Die Versammlung nahm einen imposanten Verlauf und zeigte, dass die Frauen mit ganzem Herzen bereit sind, an der Verbesserung der Lage mitzuarbeiten ...“

Wenige Wochen später, am 15. Januar 1919, rief der Bundesvorstand die Ortsgruppen zur Gründung von Hinterbliebenensektionen nach dem Frankfurter Vorbild auf. Das Rundschreiben wird deshalb gern als „Geburtsurkunde“ der engagierten Frauenarbeit im Sozialverband Deutschland bezeichnet.


 


Altersarmut und Gender Pay Gap

In den nachfolgenden Jahrzehnten kämpften die Frauen unermüdlich gegen eine ungerechte Politik, unter deren Folgen ihre Geschlechtsgenossinnen, insbesondere auch Frauen mit Behinderung, zu leiden hatten. Ein Schwerpunkt ihres Protests war und ist dabei das Thema Alterssicherung. Denn auch heute ist die Gefahr von Altersarmut längst nicht gebannt. „Altersarmut ist weiblich“, stellen die Frauen im SoVD dabei leider immer wieder fest.

Millionen Frauen in Deutschland kämpfen in Bezug auf ihre soziale Sicherung nach wie vor mit den Auswirkungen von Strukturen und Rollenzuweisungen sowie mit der geschlechtsspezifischen Verteilung von Arbeitsmarktchancen, Arbeitszeiten, Vermögen, Einkommen und Rente. Nachdrücklich fordern die Frauen im SoVD deshalb eine echte Durchsetzung des Gleichheitsgebots des Grundgesetzes auch bei der Alterssicherung.

So hat etwa die 21-Prozent-Lohnlücke, die für viele Frauen auch jetzt noch Realität ist, Folgen für die soziale Absicherung bis hin zur Rente. Gemeinsam mit steuerlichen Fehlanreizen führt sie dazu, dass Frauen im Lebensverlauf deutlich schlechtergestellt sind als Männer.

Teilzeit wird zur Armutsfalle

Mehr als zehn Jahre sind die Frauen im SoVD – unterstützt von vielen Männern – gegen diese Ungerechtigkeit auf die Straße gegangen.  Über 100 Aktionen fanden hierzu jedes Jahr in den Gliederungen statt sowie eine abschließende Großdemo vor dem Brandenburger Tor am Tag der Entgeltgleichheit.

In kaum einem anderen europäischen Land arbeiten außerdem so viele Frauen in Teilzeit und in Minijobs. Was zunächst wie eine funktionierende Maßnahme für die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Pflege von Angehörigen mit dem Beruf wirken mag, wird langfristig zur Armutsfalle – dann nämlich, wenn für Betroffene keine Möglichkeit besteht, die Arbeitszeiten wieder zu erhöhen und wirtschaftlich unabhängig zu werden.

"Brückenteilzeit" als erster Schritt

Mit der „Brückenteilzeit“ soll das grundsätzlich möglich werden. Doch nur Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 45 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern können einen Antrag stellen. Und bis zu einer Unternehmensgröße von 200 Beschäftigten soll dies für höchstens einen oder eine von 15 Beschäftigten gelten.


 


Dazu auch: Kein Interesse am gleichen Lohn?

Im Juli 2017 ist das Entgelttransparenzgesetz in Kraft getreten; im Januar 2018 dessen Kernstück des individuellen Auskunftsanspruchs. Lohngerechtigkeit für vergleichbare Arbeit von Frauen und Männern war das Ziel. Doch die Bilanz nach einem Jahr fällt negativ aus: Laut einer Studie, über die in den Medien berichtet wurde, bestand in deutschen Betrieben kaum Interesse an mehr Transparenz in den Gehaltsstrukturen. Der SoVD sieht in dem Ergebnis kein Desinteresse der Betroffenen, sondern seine zuvor geäußerten Befürchtungen bestätigt. Mehr

 


Immer noch viel zu tun – Der Kampf um die Mütterrente

Auch die Mütterrente ist nur ein Teilerfolg. Die jahrelange Ungleichbehandlung bei den Rentenleistungen für die Erziehung von vor und nach 1992 geborenen Kindern wurde zu Recht als willkürlich und ungerecht empfunden; ebenso wie die Unterscheidung, ob die Erziehung in den alten oder neuen Bundesländern stattgefunden hat. Mit der Verabschiedung des Rentenpaketes ist nun ein Schritt in die richtige Richtung getan: Alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, sollen zusätzliche Rentenansprüche erhalten. Statt des geplanten einen Rentenpunkts soll es aber nur einen halben Punkt geben.

Vollständige Gleichstellung ist noch nicht erreicht

Die genannten frauenpolitischen Bereiche sind nur einige der Felder, in denen die Frauen seit vielen Jahrzehnten für Verbesserungen kämpfen. Auch für künftige Generationen machen sie sich stark, wie etwa beim Mädchen-Zukunftstag.

Bei ihren Aktionen haben die Frauen im SoVD oftmals starke Verbündete an ihrer Seite. So wird die jährlich stattfindende Frauenalterssicherungskonferenz gemeinsam mit ver.di organisiert. Auch andere Protestaktionen und Veranstaltungen finden im Schulterschluss mit befreundeten Organisationen und Verbänden statt.

Anerkennung für bezahlte und unbezahlte Arbeit

In den fast 100 Jahren ihres Bestehens haben die im Verband organisierten Frauen somit viele Verbesserungen erzielen können. Eine vollständige Gleichstellung ist jedoch noch nicht erreicht. So gilt es auch künftig, eine Ausweitung partnerschaftlicher, familienpolitischer Leistungen sowie eine spürbarere Aufwertung personenbezogener Dienstleistungsberufe herzustellen, die überwiegend Frauen ausüben. An erster Stelle bleibt das Ziel einer gerechten und nachhaltigen Anerkennung der Leistung von Frauen – ihrer bezahlten und unbezahlten Arbeit.