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SoVD-Umfrage: Viele fürchten sozialen Abstieg

Aktuelles

Vor allem Jüngere, Familien, Arbeiter*innen und Menschen in Ostdeutschland sorgen sich um ihre Lebensumstände, zeigt eine Umfrage im Auftrag des SoVD.

Eine junge Frau blickt besorgt in die Kamera, im Hintergrund reden weitere junge Menschen miteinander.
Rund die Hälfte der jungen Menschen fürchtet, einen sozialen Abstieg zu erleben. Foto: freepik.com

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des SoVD zeigt weit verbreitete Ängste vor dem sozialen Abstieg in der Bevölkerung. Fast 40 Prozent der Befragten blicken mit Sorge auf das Jahr 2026 und befürchten finanzielle Einbußen sowie Einschränkungen bei sozialer Teilhabe.

Aufgeteilt nach Personengruppen sind die Sorgen bei Jüngeren, Frauen, Arbeiter*innen und Menschen in Ostdeutschland besonders ausgeprägt. Bei den 16- bis 39-Jährigen fürchtet rund die Hälfte, im Jahr 2026 einen sozialen Abstieg zu erleben – etwa durch finanzielle Einbußen, weniger Infrastruktur im Wohnumfeld oder zunehmende Einsamkeit. 

Große Sorgen bei Haushalten mit Kindern

Während bei den befragten Männern 35 Prozent große oder sehr große Sorge äußern, sind es bei Frauen knapp 43 Prozent. Der SoVD sieht als eine Ursache dafür, dass Frauen nach wie vor erheblich mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten als Männer. Diese massive Sorgelücke verstärkt die Lohnlücke und treibt Frauen in finanzielle Abhängigkeit und Altersarmut. Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier stellt dazu fest: „Der SoVD fordert daher eine Entgeltersatzleistung für pflegende Angehörige, staatliche Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen und eine zweiwöchige bezahlte Vaterschaftsfreistellung rund um die Geburt.“

Weiterhin artikulieren Eltern deutlich häufiger Abstiegsängste als Kinderlose. In Haushalten mit Kindern liegt der Anteil der Besorgten bei rund 47 Prozent, in Haushalten ohne Kinder sind es 36 Prozent. Das zeigt den großen Unterstützungsbedarf von Familien im Land. Aus Sicht des SoVD kann eine gebündelte Förderung Armut von Kindern und Jugendlichen bekämpfen und Chancengleichheit fördern. Die Zusammenfassung verschiedener Leistungen wie Kindergeld, Kinderfreibetrag, Teile aus dem Bildungs- und Teilhabepaket und ein automatisierter Auszahlungsweg sind entscheidend, um verdeckter Armut zu begegnen. 

Beamte am zuversichtlichsten 

Auch die Art der Anstellung und die berufliche Tätigkeit beeinflussen, wie sehr Menschen sich vor der Zukunft fürchten. Besonders hoch ist die Sorge bei Arbeiter*innen. Rund 56 Prozent von ihnen geben an, sich vor dem sozialen Abstieg zu fürchten; unter Beamt*innen sind es dagegen nur etwas mehr als ein Viertel. Michaela Engelmeier ordnet die Ergebnisse entsprechend ein: „Es ist besorgniserregend, wenn gerade diejenigen, die unser Land tagtäglich am Laufen halten, überdurchschnittlich häufig Abstiegsängste haben. Die Politik muss darauf mit konkreten Maßnahmen reagieren. Weil sich Arbeit auch lohnen muss, gehören dazu ein angemessener Mindestlohn, eine armutsfeste Rente am Ende eines Erwerbslebens und Rahmenbedingungen, die alle lange gesund arbeiten lassen.“

Nicht zuletzt zeigen die Umfrageergebnisse auch regionale Unterschiede. In Ostdeutschland liegt der Anteil der stark Besorgten bei rund 42 Prozent, im Westen bei rund 38 Prozent. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt die Quote gar bei über 48 Prozent. Nach Einschätzung des SoVD liegen die Gründe dafür auch in den Unterschieden bei Löhnen und Vermögen, die in den alten Bundesländern deutlich höher ausfallen als im Osten. Der SoVD leitet daraus eine klare Forderung ab: „Die Politik muss endlich für gleichwertige Lebensverhältnisse sorgen, dies ist nicht umsonst als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Denn nur in einer Gesellschaft, die gleich und gerecht ist, ist auch der Zusammenhalt stark. Und das macht resilient sowohl gegen Krisen als auch gegen populistische Menschenfänger.“

SoVD: Politik muss gegen Verunsicherung vorgehen

Für den Verband ist klar, dass die Politik diese Ängste der Bevölkerung nicht ignorieren darf. „Die Umfrage unterstreicht die Eindrücke, die uns täglich von unseren Mitgliedern in den SoVD-Sozialberatungsstellen deutschlandweit geschildert werden, und verdeutlicht das Ausmaß sozialer Verunsicherung in unserem Land“, so die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. 

Es gilt nun, diese Sorge durch politische Maßnahmen zu adressieren. Dazu gehören ein höherer Mindestlohn, mehr und gezieltere Investitionen in Bildung sowie verlässliche Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ebenso braucht es eine konsequente Förderung von Frauen und endlich gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.