SoVD-Umfrage zu hohen Wohnkosten und deren Folgen
Immer weiter steigende Mieten sind ein gesellschaftliches Aufregerthema, das mittlerweile sogar Wahlkämpfe entscheiden kann. Wie stark Menschen von hohen Wohnkosten betroffen sind, und welche Auswirkungen sie für viele Lebensentscheidungen haben, zeigt die neueste Civey-Umfrage im Auftrag des SoVD.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen ihre Mieten vielerorts als zu hoch empfinden. Vor allem junge Menschen fühlen sich dadurch in ihren persönlichen Möglichkeiten eingeschränkt. Etwa indem sie länger als gewünscht im Elternhaus bleiben, die Familiengründung aufschieben oder sich gegen weitere Kinder entscheiden, weil es keine bezahlbaren Angeboten für Familien gibt.
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier stellt zu den Umfrageergebnissen fest:
Wohnen wird zu einem immer größeren Armutsrisiko. Wir brauchen mehr dauerhaft bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum, wirksamen Mieterschutz und ein starkes Wohngeld.“
Hier gibt es einen detaillierten Überblick zu den Antworten.
1. Inwieweit müssen Sie sich aktuell in anderen Lebensbereichen finanziell einschränken, um Ihre Miete und Nebenkosten (Heizen, Strom etc.) bezahlen zu können?
Mehr als die Hälfte der befragten Mieter*innen (53 Prozent) muss sich stark oder eher stark in anderen Lebensbereichen einschränken, um Miete und Nebenkosten bezahlen zu können. 45 Prozent berichten von geringen Einschränkungen, zwei Prozent sind unentschieden.
Besonders stark betroffen sind jüngere Mieter*innen: Bei den 18- bis 29-Jährigen müssen sich 67 Prozent stark oder eher stark einschränken, bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 60 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil. Bei den über 65-Jährigen liegt er noch bei 40 Prozent.
In Regionen mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte müssen sich 68 Prozent der Mieter*innen stark oder eher stark einschränken, um ihre Wohnkosten bezahlen zu können. In Gebieten mit niedriger und mittlerer Bevölkerungsdichte sind es jeweils 56 Prozent. In dicht und sehr dicht besiedelten Regionen liegt der Anteil dagegen bei jeweils 48 Prozent.
Mit Blick auf diese Zahlen kritisiert Michaela Engelmeier:
„Wenn sich mehr als die Hälfte der Mieterinnen und Mieter stark einschränken muss, nur um Miete und Nebenkosten bezahlen zu können, läuft bei der Bezahlbarkeit des Wohnens etwas grundlegend schief.”
2. Haben hohe Wohnkosten Sie bereits dazu veranlasst, konkrete Pläne in einem oder mehreren der folgenden Bereiche aufzugeben oder zu ändern?
Hohe Wohnkosten beeinflussen die Lebensplanung vieler Menschen. 27 Prozent der Befragten haben deshalb bereits ihre Wohnungswahl geändert oder entsprechende Pläne aufgegeben, 19 Prozent die Wahl ihres Wohnortes. Bei zehn Prozent war die Familienplanung betroffen, bei sieben Prozent der Auszug aus dem Elternhaus. 53 Prozent berichten von keinen solchen Einschränkungen.
Besonders häufig müssen jüngere Menschen ihre Lebensplanung aufgrund hoher Wohnkosten ändern. Bei den 30- bis 39-Jährigen betrifft dies 44 Prozent bei der Wohnungswahl und 24 Prozent bei der Familienplanung. Von den 18- bis 29-Jährigen mussten 20 Prozent ihre Pläne für den Auszug aus dem Elternhaus ändern oder aufgeben. Bei den über 65-Jährigen berichten dagegen 82 Prozent von keinen entsprechenden Einschränkungen.
Die Auswertung nach Alter und Geschlecht zeigt, dass hohe Wohnkosten besonders bei jüngeren Frauen und Männern Auswirkungen auf die Lebensplanung haben. Betroffen sind vor allem die Wohnungs- und Wohnortwahl sowie die Familienplanung. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Menschen ab, die ihre Pläne wegen hoher Wohnkosten ändern oder aufgeben mussten.
Menschen mit Kindern im Haushalt sind besonders häufig von Einschränkungen ihrer Lebensplanung betroffen. Unter den Frauen mit Kindern mussten 24 Prozent ihre Familienplanung wegen hoher Wohnkosten ändern oder aufgeben, bei Männern mit Kindern sind es 13 Prozent. Von keinen Einschränkungen berichten 21 Prozent der Frauen und 37 Prozent der Männer mit Kindern. Bei Befragten ohne Kinder im Haushalt liegen diese Anteile mit 56 beziehungsweise 67 Prozent deutlich höher.
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier ordnet die Ergebnisse folgendermaßen ein:
„Wenn der Auszug aus dem Elternhaus verschoben wird, Menschen nicht dort wohnen können, wo sie leben möchten, oder sogar ihre Familienplanung ändern, dann entscheidet am Ende der Quadratmeterpreis darüber, wie Menschen ihr Leben gestalten können. Wohnen ist damit längst nicht mehr nur eine Frage der Bezahlbarkeit, sondern auch der sozialen Sicherheit und der Freiheit, das eigene Leben planen zu können.“
3. Wie beurteilen Sie die Höhe Ihrer aktuellen Miete im Verhältnis zur Wohnung, die Sie dafür bewohnen?
Fast die Hälfte der befragten Mieter*innen (48 Prozent) empfindet ihre aktuelle Miete im Verhältnis zur bewohnten Wohnung als zu hoch. 47 Prozent halten ihre Miete für angemessen, lediglich fünf Prozent für zu niedrig.
Besonders jüngere Menschen empfinden ihre Miete als zu hoch. Unter den 18- bis 29-Jährigen sowie den 30- bis 39-Jährigen sind es jeweils 59 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil. Bei den über 65-Jährigen halten noch 36 Prozent ihre Miete für zu hoch, während 59 Prozent sie als angemessen einschätzen.
Die Wahrnehmung der Miethöhe unterscheidet sich je nach Bevölkerungsdichte. In sehr dünn besiedelten Regionen empfinden 62 Prozent der Befragten ihre Miete als zu hoch. In Gebieten mit niedriger Bevölkerungsdichte sind es dagegen nur 41 Prozent. In sehr dicht besiedelten Regionen liegt der Anteil bei 52 Prozent.
Die Einschätzung der Miethöhe unterscheidet sich deutlich zwischen den Bundesländern. Besonders häufig wird die Miete im Saarland (57 Prozent), in Bremen (57 Prozent) und in Hessen (55 Prozent) als zu hoch empfunden. In Schleswig-Holstein (38 Prozent) und Hamburg (40 Prozent) sind die Anteile am niedrigsten. In Hamburg halten 60 Prozent der Befragten ihre Miete für angemessen.
Michaela Engelmeier hält dazu fest:
„Fast die Hälfte der Mieterinnen und Mieter hält ihre Miete für unangemessen hoch – gemessen an dem, was ihre Wohnung bietet. Bei den unter 40-Jährigen sind es sogar rund 60 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich, dass hohe Mieten längst kein reines Großstadtproblem sind: In sehr dünn besiedelten Regionen empfinden ebenfalls sechs von zehn Mietenden ihre Miete als zu hoch. Staatliche Unterstützung allein kann die Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht lösen. Wir brauchen wirksame mietrechtliche Regeln gegen überzogene Mieten und deutlich mehr dauerhaft bezahlbare Wohnungen.”
4. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Mieten und Wohnkosten (Heizen, Strom etc.) in Zukunft allgemein bezahlbarer werden?
Eine deutliche Mehrheit der befragten Mieter*innen blickt pessimistisch auf die Entwicklung der Wohnkosten. 61 Prozent sind nicht oder eher nicht zuversichtlich, dass Mieten und Nebenkosten künftig allgemein bezahlbarer werden. Nur 19 Prozent zeigen sich optimistisch, weitere 20 Prozent sind unentschieden.
Michaela Engelmeier ordnet die Zahlen ein:
„61 Prozent der Mieterinnen und Mieter erwarten nicht, dass Mieten und Wohnkosten künftig allgemein bezahlbarer werden. Besonders groß ist die Skepsis bei älteren Menschen: Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es knapp 80 Prozent, bei den über 65-Jährigen rund 70 Prozent. Wer ein Zuhause gefunden hat, muss darauf vertrauen können, es auch morgen noch bezahlen zu können."
Zur Methodik: Civey hat für Sozialverband Deutschland vom 24.09.2026 bis 01.10.2026 online 2.500 Mietende und 5.000 Bundesbürger:innen ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,6 bis 4,0 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.
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Frühere Umfragen
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Im Sommer befragte der SoVD Menschen nach ihrer Einschätzung zur Situation von arbeitenden Eltern. Herausgekommen ist dabei ein umfangreiches Bild zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Rolle der Arbeitgeber und der Frage nach Verfügbarkeit von Kita-Plätzen und Betreuungsangeboten für Schulkinder nach Unterrichtsende. Hier finden Sie einige der Umfrageergebnisse in Grafiken aufbereitet.
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier stellt mit Blick auf die Ergebnisse fest:
„Wir müssen mehr familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen - Familienfreundlichkeit sollte ein Qualitätsmerkmal von Arbeitgebern werden. Dazu braucht es flexible Arbeitszeitmodelle, die auch in der Praxis nutzbar sind und den Beschäftigten helfen. Was die Bundesregierung derzeit diskutiert, nützt vor allem den Arbeitgebern. Nur gute Vereinbarkeit stärkt Chancengleichheit und verhindert insbesondere die Benachteiligung von Frauen".
Verfügbarkeit von Kita-Plätzen und Betreuungsangeboten
55,1 Prozent der befragten Eltern halten die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen und Betreuungsangeboten für Schulkinder nach Unterrichtsende in Deutschland für unzureichend. 31,1 Prozent bewerten das Angebot als ausreichend, 13,8 Prozent sind unentschieden.
In allen Bundesländern hält rund die Hälfte oder mehr der befragten Eltern das Betreuungsangebot in Deutschland für unzureichend. Im Saarland liegt dieser Anteil bei 60,9 Prozent, in Baden-Württemberg bei 58,7 Prozent und in Bayern bei 58,1 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 48,5 Prozent, in Hamburg 49,2 Prozent.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
42,8 Prozent der befragten Eltern finden, dass sich Familie und Beruf in Deutschland derzeit eher oder sehr schlecht vereinbaren lassen. 36 Prozent beurteilen die Vereinbarkeit als gut, 21,2 Prozent sind unentschieden.
Mütter bewerten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf häufiger negativ als Väter: 47,9 Prozent der Frauen halten sie für eher oder sehr schlecht, gegenüber 37,7 Prozent der Männer. Eine positive Bewertung geben 34,2 Prozent der Mütter und 37,7 Prozent der Väter ab.
Anpassung von Arbeitszeiten an familiäre Bedürfnisse
40,2 Prozent der befragten Eltern finden, dass Arbeitgeber in Deutschland ausreichend Möglichkeiten bieten, Arbeitszeiten an familiäre Bedürfnisse anzupassen. 37,1 Prozent halten die Möglichkeiten für unzureichend, 22,7 Prozent sind unentschieden.
40,4 Prozent der Mütter halten die Möglichkeiten zur Anpassung der Arbeitszeiten an familiäre Bedürfnisse für unzureichend. Bei den Vätern sind es 33,9 Prozent. Als ausreichend bewerten die Möglichkeiten 37,7 Prozent der Mütter und 42,6 Prozent der Väter.
Unterstützung durch staatliche Leistungen
44 Prozent der befragten Eltern fühlen sich und ihre Familie durch staatliche Leistungen wie Kindergeld und Elterngeld nicht ausreichend unterstützt. 42,2 Prozent empfinden die Unterstützung als ausreichend, 13,8 Prozent sind unentschieden.
Im Osten fühlen sich 53,6 Prozent der befragten Eltern durch staatliche Familienleistungen nicht ausreichend unterstützt, im Westen sind es 41,4 Prozent. Als ausreichend bewerten die Unterstützung 33,5 Prozent der Eltern im Osten und 44,6 Prozent im Westen.
Statistische Angaben bei Veröffentlichungen
Civey hat für den SoVD vom 18.06. bis 06.07.2026 online 2.000 Erwerbstätige Eltern von Kindern bis 18 Jahren im Haushalt befragt. Die Ergebnisse auf Ebene der Bundesländer sind repräsentativ auf Basis einer modellbasierten, statistischen Methode für kleine Datenräume. Der statistische Fehler auf Ebene derBundesländer liegt bei 4,1 - 4,2 Prozentpunkten. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.