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Weiter viele Barrieren im Personennahverkehr

Aktuelles Behinderung

Eine Untersuchung des ADAC zeigt Mängel bei der Barrierefreiheit von Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Der SoVD fordert bundesweit verbindliche Standards.

Eine Person im Rollstuhl wartet an einer geöffneten Bustür. Der Einstieg in den Buis ist deutlich höher als die Haltestelle.
Der Spalt zwischen Haltestelle und Bus oder Bahn ist an vielen Stopps sehr groß. Ohne Begleitperson oder Unterstützung durch eine Rampe können Menschen mit Behinderungen so nicht einsteigen. Foto: romaset / Adobe Stock

Für Menschen mit Behinderungen ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln vielerorts mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Defekte Aufzüge, nicht barrierefreie Haltestellen und fehlende Informationen führen zu Umwegen und längeren Reisezeiten.

„Problemloses Reisen ist für Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Nahverkehr noch immer nicht möglich“, erklärt die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. „Dabei ist Mobilität eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Gerade Menschen mit Behinderungen sind auf ein barrierefreies Verkehrsnetz angewiesen, weil öffentliche Verkehrsmittel für sie häufig die einzige Möglichkeit zur selbstständigen Mobilität darstellen.“

ADAC-Test zeigt große Lücken

Für einen aktuellen Test des ADAC wurden knapp 150 Haltepunkte in zehn deutschen Städten untersucht. Im Mittelpunkt stand der gesamte Weg vom Gehsteig über die Haltestelle bis zum Einstieg in Bus oder Straßenbahn.

Grundlegende Elemente der Barrierefreiheit sind an vielen Haltestellen vorhanden. So verfügten 93 Prozent der untersuchten Haltesteige über Leitstreifen entlang der Bordsteinkante. Ausreichend breite Warteflächen gab es bei 87 Prozent, gut begehbare Haltesteige bei 83 Prozent der Stationen.

Die größten Probleme bestehen beim Einstieg. Nach den geltenden Empfehlungen sollten sowohl der Spalt als auch der Höhenunterschied zwischen Haltestelle und Fahrzeug höchstens fünf Zentimeter betragen. Diesen Wert erreichten lediglich 20 Prozent der Straßenbahnen und drei Prozent der Busse. Viele Fahrgäste bleiben deshalb auf Rampen oder Unterstützung angewiesen.

Barrieren beginnen vor der Haltestelle

Aus Sicht des SoVD darf Barrierefreiheit nicht erst am Bahnsteig beginnen. Häufig seien bereits die Wege zu den Haltestellen nicht zugänglich. Hinzu kämen defekte Aufzüge und unzuverlässige Informationen.

„Vorhandene Apps mit Informationen über Aufzüge sind häufig nicht auf dem aktuellen Stand. Wer auf einen Aufzug angewiesen ist, erfährt dann unter Umständen erst vor Ort, dass der geplante Weg nicht nutzbar ist“, kritisiert Engelmeier.

Auch für blinde Menschen bestehen erhebliche Hürden. Quer über den Gehweg verlaufende Auffindestreifen, die das Finden einer Haltestelle ermöglichen, gab es nur bei 58 Prozent der untersuchten Haltesteige. Radwege in Zugangs- und Einstiegsbereichen waren lediglich in 16 Prozent der Fälle durch Bodenindikatoren abgesichert.

SoVD fordert einheitliche Standards

Der SoVD erkennt Fortschritte durch Niederflurfahrzeuge, mobile Rampen und Blindenleitsysteme an. Die Maßnahmen seien jedoch häufig lückenhaft. „Blindenleitsysteme hören nicht selten dort auf, wo das eigentliche Ziel noch gar nicht sicher erreicht ist“, erklärt Engelmeier.

Der Verband fordert deshalb bundesweit einheitliche und verbindliche Vorgaben, etwa im Personenbeförderungsgesetz. Barrierefreiheit dürfe nicht vom Wohnort abhängen. Auch Menschen mit Behinderungen müssten frühzeitig in die Planung neuer Haltestellen und Umbauten einbezogen werden.

„Die 13 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland und ihre Angehörigen warten seit Langem auf mehr Barrierefreiheit“, so Engelmeier. „Gleichberechtigte Teilhabe darf nicht als wirtschaftliche Belastung betrachtet werden.“