Der Start in ein selbstständiges Leben darf nicht am Geld scheitern. Gemeinsam mit 60 weiteren Organisationen hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) deshalb den Appell „Nicht an der Zukunft sparen: Jugendarmut bekämpfen, Teilhabe sichern“ unterzeichnet. Darin fordert der Ratschlag Kinderarmut, junge Menschen bei den Beratungen über den Bundeshaushalt 2027 stärker in den Blick zu nehmen. Einsparungen dürfen ihre soziale Sicherheit und ihre Zukunftschancen nicht gefährden.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, verdeutlichen die im Appell genannten Zahlen des Statistischen Bundesamts: 2025 waren 16 Prozent der unter 18-Jährigen und 24,8 Prozent der 18- bis unter 25-Jährigen armutsgefährdet. Fehlendes Geld erschwert den Zugang zu Bildung, Mobilität, digitaler Ausstattung und Freizeitangeboten. Das kann den weiteren Lebensweg nachhaltig prägen.
Existenz sichern und Leistungen leichter zugänglich machen
Mit seiner Unterzeichnung unterstützt der SoVD die Forderung, das Existenzminimum junger Menschen realitätsgerecht zu ermitteln. Neben dem täglichen Lebensunterhalt müssen auch Ausgaben für digitale Ausstattung, Mobilität, Bildung und soziale Teilhabe berücksichtigt werden. Hinzu kommen besondere Bedarfe von Jugendlichen, deren Eltern getrennt leben. Bis zu einer Neuermittlung soll der Kindersofortzuschlag erhalten bleiben – auch im Kinderzuschlag.
Ebenso wichtig ist eine verlässliche Unterstützung beim Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium und Beruf sowie beim Einzug in die erste eigene Wohnung. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum und Sozialleistungen, die junge Menschen möglichst automatisch erreichen. Besonders benachteiligte junge Menschen, etwa nach dem Verlassen einer Pflegefamilie oder Jugendhilfeeinrichtung, brauchen eigene Auszahlungsansprüche. Kürzungen beim Wohngeld und beim Unterhaltsvorschuss lehnen die Unterzeichnenden ab.
Beratungsangebote stärken und Mitbestimmung ermöglichen
Der Appell fordert außerdem eine dauerhaft ausreichende Finanzierung der sozialen Infrastruktur. Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Familienberatung, Jugendwohnen und bezahlbare Mobilität dürfen nicht von der Finanzkraft einzelner Kommunen abhängen. Die im Koalitionsvertrag angekündigte Dynamisierung des Kinder- und Jugendplans müsse umgesetzt werden. Kürzungen bei den Trägern der Familienpolitik seien zurückzunehmen.
Junge Menschen sollen zudem verbindlich an politischen Entscheidungen beteiligt werden, die ihre Lebensbedingungen betreffen. Die Beteiligungsangebote müssen ausdrücklich auch Jugendliche und junge Erwachsene erreichen, die in Armut leben.
Der SoVD setzt sich mit dem gemeinsamen Appell dafür ein, soziale Absicherung und Teilhabe bei den Haushaltsentscheidungen zu sichern. Die Unterzeichnenden bringen ihre Forderung auf den Punkt: „An jungen Menschen zu sparen, heißt, an unserer gemeinsamen Zukunft zu sparen!“
