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Altersrente ist auch eine Frage von Respekt

Rente SoVD-Zeitung - Artikel

SoVD-Vorstandsvorsitzende einig mit Vorsitzendem des Ausschusses für Arbeit und Soziales.

Drei Personen stehen vor einer Büro-Wand im Bundestag. Es sind der Abgeordnete und Ausschussvorsitzende Bernd Rützel mit Michaela Engelmeier und Henriette Wunderlich vom SoVD.
V. li.: Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier, MdB Bernd Rützel, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, und SoVD-Referentin Henriette Wunderlich.

Am 8. September traf sich die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier mit Bernd Rützel, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, zum Gespräch über die Zukunft der Rente. Beide waren sich einig: Die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Beitragsjahren muss erhalten bleiben. „Wer jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge eingezahlt hat, verdient Verlässlichkeit und Respekt – und die Gewissheit, im Alter gut abgesichert zu sein“, machte die SoVD-Vorstandsvorsitzende deutlich. Für den SoVD stehe fest: Beim Renteneintritt darf sich nichts zum Nachteil der Menschen ändern.

Vor der Sommerpause hatte die Rentenkommission der Bundesregierung einen Katalog mit insgesamt 33 Empfehlungen vorgelegt – darunter auch die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren („Rente mit 63“).Dazu gab es Kritik und erheblichen Widerstand, aus der SPD, aber auch aus der CDU und den Oppositionsparteien, die an der alten Regelung festhalten wollen. 

Der SoVD fordert, die gesetzliche Rente zu stärken. Gute Löhne und eine bessere rentenrechtliche Absicherung von Zeiten der Kindererziehung, Pflege und Arbeitslosigkeit sind dabei wesentlich. Angesichts des zuletzt von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ausgewiesenen durchschnittlichen Renteneintrittsalters von 64,7 Jahren weist der SoVD zudem die Forderungen nach einem noch höheren Rentenalter zurück. 

Der Verband bekräftigt stattdessen seine Forderung nach guten Arbeitsbedingungen, damit Menschen möglichst lange gesund arbeiten können. Nach Angaben der DRV lag die durchschnittliche Altersrente Ende 2025 bei 1.195 Euro im Monat. Frauen erhielten im Schnitt 994 Euro, Männer 1.449 Euro. Für den SoVD zeigen diese Zahlen, dass bei der Alterssicherung weiterhin großer Handlungsbedarf besteht. „Eine durchschnittliche Altersrente von weniger als 1.200 Euro ist zu wenig“, so Engelmeier. Besonders alarmierend: Frauen erhalten im Schnitt nicht einmal 1.000 Euro. „Hier zeigt sich, wie sich niedrigere Löhne, Teilzeit und die Übernahme von Sorgearbeit über das gesamte Erwerbsleben bis in die Rente auswirken.“ 

Bei ihrem Treffen betonte die SoVD-Vorstandsvorsitzende, es sei „gut zu wissen, Bernd Rützel bei diesem wichtigen Thema an unserer Seite zu haben“. Man bleibe im Austausch und setze sich weiterhin gemeinsam für eine gerechte und verlässliche Rente ein, sagte Engelmeier. 

Wenn die Rentenreform noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden soll, muss es allerdings seitens des Ministeriums baldmöglichst ein Referentenentwurf geben, ohne den kein Kabinettsbeschluss möglich ist. Erst dann kann der Bundestag weiter beraten.

Interview mit Bernd Rützel„Rente ist mitnichten ein Fass ohne Boden“

Wie bewerten Sie das Blockmodell als beliebte Regelung der Altersteilzeit und die Rente für besonders langjährig Versicherte?

Ich stehe voll und ganz hinter Vorruhestandsmodellen wie dem Blockmodell. Das ist eine Sache der Tarifpartner – gewünscht von Gewerkschaften genauso wie von Arbeitgeber*innen. Für viele Menschen ist das ein absolut notwendiger Weg, und das muss auch in Zukunft so bleiben. Am Ende ist das eine Frage des Respekts vor der Lebensleistung der Beschäftigten. Das Gleiche gilt für die Rente nach mindestens 45 Beitragsjahren. Direkt nach Veröffentlichung der Empfehlungen der Rentenkommission habe ich mich zu Wort gemeldet, dass Menschen, die 45 und oft noch mehr Jahre gearbeitet haben, genug geleistet haben und auch in Zukunft zwei Jahre früher ohne Abschläge in Rente gehen können sollen.

Hat die gesetzliche Rente ein Imageproblem?

Die Rente ist tausendmal besser als ihr Ruf. Das Rentensystem wird von vielen Seiten schlechtgeschrieben. Es ist aber beileibe kein Intensivpatient. Trotz des demografischen Wandels und steigender Rentner*innenzahlen sind die Bundeszuschüsse im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt in den letzten Jahrzehnten gesunken. 

Während 2004 die Bundeszuschüsse 3,37 Prozent des BIP entsprachen, sank der Anteil kontinuierlich und lag 2024 bei nur noch 2,66 Prozent des BIP.  Die Rente ist also mitnichten das Fass ohne Boden, als welches sie oft beschrieben wird.

Werden die Rentenbeiträge in Zukunft steigen? 

Es ist richtig, wenn die Rentenkommission die Rentenhöhe jetzt über die 1. Säule nachsteuern will. Denn das nutzt allen Versicherten, nicht nur denen, die sich eine zusätzliche Absicherung leisten können. Steigende Beiträge sind bei einer paritätischen Verteilung dabei kein Hinderungsgrund. 

Wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass ein Großteil der Versicherten unabhängig von der Altersgruppe bereit ist, höhere Beiträge zu zahlen, wenn dafür am Ende eines langen Arbeitslebens eine auskömmliche Rente steht. Und wir müssen auch bedenken, dass der jetzige Beitragssatz historisch niedrig ist. Viele Rentner*innen haben über lange Zeit höhere Rentenversicherungsbeiträge gezahlt.

Wo sollte Ihres Erachtens die politische Zielgröße für die „Nettoersatzquote“ liegen, also den Prozentsatz des letzten Nettoeinkommens, der im Ruhestand durch die Rente und weitere Alterseinkünfte nach Steuern und Abgaben ersetzt wird?

Die Kommission empfiehlt, dass man im Alter mindestens 70 Prozent seines früheren Nettoeinkommens herausbekommen soll. Das ist eine gute Nachricht. Dieses Geld soll aus verschiedenen Quellen kommen, der gesetzlichen Rente, aber auch privater und betrieblicher Vorsorge. Noch besser wäre es, wenn wir diese 70 Prozent nach Steuern allein durch die gesetzliche Rente erreichen würden.

Was sind weitere positive Aspekte der Empfehlungen der Alterssicherungskommission?

Richtig finde ich die Empfehlung der Kommission, die Anrechnungsregeln in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung so zu gestalten, dass Personen, die in die gesetzliche Rente eingezahlt haben, im Alter mehr verfügbares Einkommen haben als Personen, die keine oder geringe Beiträge geleistet haben. Das gilt auch für den endgültigen Abschied von der Regelung, nach der langzeitarbeitslose Menschen durch das Jobcenter dazu verpflichtet werden können, vorzeitig mit Abschlägen in Rente zu gehen.


Es heißt: Gute Arbeit, gute Renten?

Gute Renten fallen nicht vom Himmel, sie werden mit guten Löhnen erarbeitet. Die gesetzliche Rente ist der Spiegel des Erwerbslebens. Und dafür brauchen wir endlich wieder mehr Tarifbindung. Betriebe mit Tarifvertrag bieten nicht nur sicherere Arbeitsplätze, sie zahlen im Schnitt auch bessere Löhne. Wer die Rente sichern will, muss dafür sorgen, dass Arbeit fair bezahlt wird.

Was wurde in der Vergangenheit an Gutem erreicht? 

Die SPD hat in den letzten Regierungen – teils gegen massive Widerstände – in der Rentenpolitik wichtige Verbesserungen für die Menschen erkämpft, die mit ihrer Arbeit unser Land am Laufen halten. In der Erwerbsminderungsrente haben wir mehrfach die Anrechnungszeiten verbessert, so dass Neurentner*innen jetzt behandelt werden, als hätten sie bis zum regulären Rentenbeginn gearbeitet. 

Die Grundrente sichert Menschen, die mindestens 33 Jahre oder länger gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, aber wegen schlechter Löhne nur eine kleine Rente erhalten haben, einen spürbaren Aufschlag.

Interview: Veronica Sina