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Frauen- und Familienpolitik - Familienreport 2012: Leistungen, Wirkungen, Trends

Familienreport 2012: Leistungen, Wirkungen, Trends

Wie Familien in Deutschland leben

(Stand: 03/2013)

Am 16. Januar 2013 hat Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, den Familienreport 2012 vorgestellt. Er wird jährlich herausgegeben und liefert umfassende Daten und Trends rund um Familie und Familienpolitik.

Zentrale Ergebnisse: Immer häufiger holen Frauen aufgeschobene Kinderwünsche im Alter von über 30 Jahren nach, der Anstieg der Kinderlosigkeit insbesondere bei Akademikerinnen ist gestoppt. Weiterhin hat für die meisten Menschen in Deutschland die Familie nach wie vor eine zentrale Bedeutung für das Wohlbefinden in ihrem Leben. Immer weniger Deutsche wählen jedoch die Ehe, um ihr Familienleben zu gestalten.

 

Wichtige Punkte des Familienreports 2012 im Überblick:

  • Akademikerinnen bekommen wieder Kinder: Junge Frauen und Männer wünschen sich heute mindestens zwei Kinder. Nur jeder Vierte sieht Kinder noch als Hindernis für die eigene berufliche Entwicklung. Frauen, die nach 1970 geboren wurden, bekommen wieder mehr Kinder als die Frauen vor ihnen. Damit ist auch der jahrelange Anstieg der Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen gestoppt.
  • Geburtenrate: Für 2011 beträgt die Geburtenrate 1,36 Kinder je Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. 2010 lag sie bei 1,39. Insgesamt gab es 662 685 Geburten. Dies war ein Rückgang von etwa 2,2 Prozent gegenüber 2010. Von den 662 685 Neugeborenen 2011 waren knapp 50 Prozent Erstgeborene, 34 Prozent Zweitgeborene und 16 Prozent dritte und weitere Kinder. Dabei waren Mütter bei der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt 29,1 Jahre alt. In den alten Bundesländern waren Mütter mit 29,3 Jahren etwas älter als Mütter in den neuen Bundesländern mit 27,7 Jahren.
  • Ehe: Die Ehe ist mit einem Anteil von 71 Prozent an allen Familienformen nach wie vor die häufigste Konstellation in Deutschland. Seit 1996 hat sich ihr Anteil jedoch um ein Drittel reduziert. Weiter angestiegen sind vor allem die nichtehelichen Lebensgemeinschaften, die sich in den letzten 15 Jahren in ihrer Anzahl fast verdoppelt haben und 2011 neun Prozent an allen Familien mit minderjährigen Kindern ausmachen.
  • Familienstrukturen: Fast die Hälfte der Kinder hat eine Schwester oder einen Bruder, jedes fünfte Kind hat zwei Geschwister. Nur ein Viertel der Kinder sind (noch) Einzelkinder. Der Anteil der Mehrkindfamilien in Deutschland ist seit der Wiedervereinigung nahezu unverändert geblieben.
  • Nichteheliche Kinder: 62 Prozent der in Ostdeutschland geborenen Kinder stammen aus einer Beziehung unverheirateter Eltern. Damit gehören die neuen Länder bei den nichtehelichen Geburten im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern. Nur in Island liegt die Zahl mit 65 Prozent noch höher.
  • Arbeitende Mütter: Immer mehr Mütter mit Kindern zwischen einem und drei Jahren gehen einem regelmäßigen Job nach. Die Erwerbstätigkeitszahlen der Mütter mit Kindern unter einem Jahr sind hingegen konstant niedrig. Eine bemerkenswerte Entwicklung der letzten 20 Jahre ist die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung. Im Jahr 2011 waren fast doppelt so viele Frauen teilzeitbeschäftigt wie 1991.
  • Betreuung von Kindern unter drei Jahren: In Deutschland wird fast ein Viertel der unter Dreijährigen (517 000 Kinder) in einer Kindertageseinrichtung oder einer öffentlich geförderten Kindertagespflege betreut, gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um rund 55 000 Kinder. Nach wie vor unterscheidet sich die Betreuungsquote zwischen alten und neuen Bundesländern erheblich: Sie liegt in den neuen Bundesländern bei 49 Prozent, in den alten Bundesländern bei 20 Prozent.
  • Nachfrage nach Kita-Plätzen: Die Bundesregierung rechnet weiterhin mit einer geringeren Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder als die Städte und Gemeinden. Dem Bericht zufolge suchen 40 Prozent der Eltern in Ballungsräumen einen Platz für ihr ein- oder zweijähriges Kind. Auf dem Land sind es 32 Prozent. Die Städte und Gemeinden rechnen demgegenüber damit, dass in den Ballungsgebieten 50 bis 60 Prozent der Eltern einen Platz brauchen.
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Immer noch 78 Prozent der Eltern wünschen sich Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 73 Prozent der Väter beurteilen die Vereinbarkeit als schlecht. Nicht nur Eltern von Kleinkindern, sondern auch 56 Prozent der Eltern von Schulkindern äußern hier Probleme. Außerdem wünscht sich jeder zweite Vater seine Arbeitszeit zugunsten der Familie zu reduzieren. Fast jeder fünfte Vater würde sogar Teilzeit arbeiten, um seiner Familie mehr Zeit zu widmen ? und damit auch der Mutter Gelegenheit zu geben, mehr oder wieder zu arbeiten. Aber auch die Eltern, die Teilzeit arbeiten, sind nicht rundum zufrieden. 34 Prozent der Teilzeitbeschäftigten mit schulpflichtigen Kindern würden gerne länger arbeiten, 37 Prozent der nichtberufstätigen Mütter und 54 Prozent der nichtberufstätigen Alleinerziehenden wäre gerne erwerbstätig.

Was sagt der SoVD zum Familienreport?

Der SoVD begrüßt, dass wieder mehr Akademikerinnen Kinder bekommen. Doch von dem Niveau von Ländern wie Frankreich, das eine Vorreiterstellung in der Familienpolitik einnimmt, bleibt Deutschland wohl auch künftig weit entfernt. In Frankreich gibt es zum einen weniger Kinderlose und zum anderen weit mehr Großfamilien. Zu bedenken ist, dass der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erwähnte positive Effekt durch später doch noch realisierte Kinderwünsche auch in anderen Industrieländern auftritt. Der Trend zur späten Geburt ist somit keineswegs ein deutsches Phänomen.

Im Familienreport wird weiterhin angeführt, dass ein großes Problem von Familien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. Der SoVD teilt die Ansicht, dass weiterhin hoher Druck auf erwerbstätigen Eltern liegt, den Spagat zwischen Familie und Beruf zu bewältigen. Die Arbeitszeiten sind ein entscheidender Taktgeber für das Familienleben. Hier ist vor allem die Wirtschaft gefordert, um mehr Flexibilität für Familien zu ermöglichen.

Nach wie vor ist es für den SoVD der falsche Weg, dass zum 1. August 2013 das Betreuungsgeld eingeführt wird[1] . Das ist familienpolitisch für den SoVD nicht nachzuvollziehen, denn Eltern wollen mehr Betreuungsplätze, wie nicht nur im Familienreport 2012, sondern auch im Familienreport 2011 erklärt wurde. Das ist aber nicht möglich, denn es gibt zu wenig Betreuungsplätze in Kitas, Schulen und bei Tagesmüttern bzw. Tagesvätern.

Der Familienreport zeigt zwar auf, dass es in Deutschland 148 familienbezogene Maßnahmen, die Eltern und Kindern zugutekommen, gibt. Der SoVD kritisiert, dass ein Überblick, welche Leistungen wie wirken, trotz mehrfacher Ankündigung immer noch fehlt. Laut Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sollen die Ergebnisse einer zentralen Studie nun vor der Bundestagswahl im September vorgelegt werden. Der SoVD wird sein Augenmerk darauf richten.

Bei Einzelfragen wenden Sie sich bitte an Ihre SoVD-Beratungsstelle. Die Anschriften der SoVD-Landes- und Kreisverbände erfahren Sie auch auf unserer Internetseite unter www.sovd.de.

[1] Vgl. Sozial-Info: SoVD fordert: Betreuungsgeld stoppen ? Kindertagesstätten ausbauen, 9/2012, www.sovd.de/2090.0.html

 

 

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