Sie befinden sich hier: Sozialverband Deutschland e.V. > Informieren > SoVD-Zeitung > Neues aus der SoVD-Zeitung > Faire Chance auf einen Job


SoVD - Sozialverband Deutschland e.V. - Startseite

Faire Chance auf einen Job

Hier die Beschreibung des Bildes

Adolf Bauer (SoVD-Präsident, Mitte) und Ulrich Wittwer (Vorsitzender des SoVD-Arbeitskreises "Politik für Menschen mit Behinderung, re.) stellten gemeinsam mit Pressesprecher Benedikt Dederichs Forderungen für eine umfassende Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben vor. (Foto: Herbert Schlemmer)

Die Zahlen sind alarmierend, die sozialen Folgen für die Betroffenen tiefgreifend: Trotz immer noch günstiger Konjunkturlage werden Menschen mit Behinderung zunehmend an den Rand des Arbeitsmarktes gedrängt. Behinderte Menschen sind länger arbeitslos und finden seltener den Weg zurück in einen regulären Job. Obwohl viel über die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention geredet wird, ist die Quote arbeitsloser schwerbehinderter Menschen inzwischen doppelt so hoch wie die Erwerbsloser ohne Behinderung.  Von einer gleichberechtigten beruflichen Teilhabe sind Menschen mit Behinderung somit weiter entfernt denn je. In einer Pressekonferenz hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) seine Forderungen für eine umfassende Teilhabe vorgestellt.

"Die stark angestiegene Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen darf nicht länger unter den Tisch gekehrt werden. Das zeigen die Zahlen unmissverständlich", stellte SoVD-Präsident Adolf Bauer gleich zu Beginn fest.

In dem 10-Punkte-Plan, den der SoVD-Präsident gemeinsam mit Ulrich Wittwer, dem  Vorsitzenden des Arbeitskreises "Politik für Menschen mit Behinderung" im Verband, der Öffentlichkeit präsentierte, wird vor allem eine weitreichende Informationskampagne für gleichberechtige Teilhabe gefordert.

Informationskampagne für ein stärkeres Bewusstsein

"Um die Situation behinderter und schwerbehinderter Menschen am Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern, muss ein größeres Bewusstsein für gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft geschaffen werden", erläuterte Ulrich Wittwer die Forderung. "Die mit der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention geschaffene Debatte muss mit einer solchen Maßnahme verstärkt werden."

Da die gesellschaftliche Seite mit der beruflichen eng verzahnt ist, kommt es aus Sicht des SoVD entscheidend darauf an, staatliche und nicht-staatliche Akteure zu erreichen. Vor allem die Arbeitgeberseite sieht der SoVD dabei in einer besonderen Verpflichtung.

Beschäftigungspflicht mit Nachdruck einfordern

Leider wird jedoch in Deutschland die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungspflicht seit vielen Jahren kaum oder nicht erfüllt. Nur 25 Prozent von 137 000 beschäftigungspflichtigen Unternehmen kommen ihrer Pflicht im vollen Umfang nach; 37 Prozent der Unternehmen erfüllt diese Pflicht in keiner Weise, benannte Adolf Bauer die Zahlen. Als eine zweite Maßnahme verlangt der SoVD deshalb, die Beschäftigungspflicht mit mehr Nachdruck einzufordern. "Anreize dafür kann eine höhere Ausgleichsabgabe für Unternehmen setzen, die trotz ihrer gesetzlichen Verpflichtung keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigten", so Bauer.

Unterstützung bei der Umsetzung

Gleichzeitig sei Unterstützung für Betriebe gefragt, damit die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen gelinge, erläuterte Ulrich Wittwer einen  weiteren Punkt des Forderungspapieres. "Es gibt vielfältige finanzielle und organisatorische Hilfen. Diese müssen bekannt gemacht und genutzt werden."

Auch auf die Rolle der  Schwerbehindertenvertretungen in Unternehmen richtet der Verband seinen Blick. "Schwerbehindertenvertretungen in Betrieben können Türöffner für einen inklusiven Arbeitsmarkt sein", stellte Wittwer fest. "Deshalb müssen Schwerbehindertenvertretungen geschützt und gestärkt sowie die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente verbessert werden."

Des Weiteren fordert der SoVD umfassende Arbeitsmarktprogramme auf der Bundes- und Landesebene. Insbesondere ältere Menschen mit Behinderung müssen nach Überzeugung des Verbandes in den Blick genommen werden, um die berufliche Teilhabe schwerbehinderter Menschen voranzubringen.

Qualifizierte Beratung und Vermittlung unerlässlich

Unerlässlich für die Verbesserung der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung ist eine qualifizierte Beratung und Vermittlung. Diese ist derzeit kaum gegeben, obwohl inzwischen über 60 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen in den Jobcentern betreut werden. Folgerichtig ist es somit aus Sicht des Verbandes notwendig, für die Jobcenter eine Rechtspflicht zu schaffen, spezielle Beratung und Vermittlung für schwerbehinderte Menschen zu gewährleisten.

Zugang zu hochwertigen Reha-Angeboten verbessern

Unter Bezugnahme auf hervorragende Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation in Deutschland forderte Adolf Bauer als eine weitere Position, den Zugang zu hochwertigen Angeboten der Rehabilitation zu verbessern. Dies gelte insbesondere für ältere Menschen. "Die Reha-Bedarfe steigen ständig. Deshalb müssen Reha-Leistungen der Rentenversicherung bedarfsgerecht zur Verfügung stehen." Auch der Sozialverband Deutschland unterhält als Tochtergesellschaften zwei Berufsbildungswerke und eine Werkstatt für behinderte Menschen.

Die Arbeitslosigkeit behinderter Jugendlicher hat der Verband ebenfalls im Blick. Handlungsbedarf besteht insbesondere im Hinblick auf deren Ausbildungsmöglichkeiten. Der SoVD schlägt vor, die gesetzliche Pflicht, Ausbildungsplätze auch an behinderte junge Menschen zu vergeben, verbindlicher auszugestalten.

Lage behinderter Menschen sichtbar machen

Eine zunehmend wichtige Rolle bei der beruflichen Teilhabe spielen Integrationsunternehmen ? etwa Gaststätten, in denen Menschen mit Behinderung Arbeit finden. Ihre Zahl steigt, die Fördermittel aus der Ausgleichsabgabe sind begrenzt. Deshalb ist es aus SoVD-Sicht notwendig, Förderungen auch aus Haushaltsmitteln zu ermöglichen. Als letzten Punkt des Positionspapieres fordert der SoVD, die Lage behinderter Menschen am Arbeitsplatz mithilfe der Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung statistischer Daten sichtbar zu machen. Nur so könnten tragfähige  politische Konzepte entwickelt werden.

Zur Ausgabe 2013 der SoVD-Zeitung




>> Zum Seitenanfang