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Unsichtbare Arbeitslosigkeit bei Älteren

Auf dem Papier hat sich die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren gut entwickelt. 2019 waren 2,27 Millionen Menschen jobsuchend gemeldet. Doch bei dieser Zahl gibt es eine bedeutende Leerstelle. Wie das Arbeitsministerium auf eine Anfrage eingestand, fehlen viele Arbeitslose, die älter als 58 Jahre sind, in der Statistik. 

Nach einer Sonderregelung im Sozialgesetzbuch II gelten Erwerbsfähige nach Vollendung des 58. Lebensjahres nicht als arbeitslos, wenn sie zuvor mindestens zwölf Monate Grundsicherung für Arbeitssuchende (Arbeitslosengeld II / „Hartz IV“) erhalten haben und in diesem Zeitraum kein Jobangebot bekamen. Über die Anfrage der Linkspartei hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. 

Im vergangenen Jahr fielen 171.276 Hartz-IV-Beziehende unter diese Regelung und tauchten nicht in der Statistik auf, teilte das Arbeitsministerium auf eine Anfrage der Linkspartei mit, über die das Redaktionsnetzwerk berichtete. Diese Zahl entspricht fast acht Prozent der arbeitssuchend Gemeldeten. 

Marginalisierung älterer Arbeitsloser

Das hat zur Folge, dass die Arbeitslosenstatistik gut aussieht und sich die Erzählung vom deutschen Jobwunder hält. Ältere Langzeitarbeitslose werden dadurch marginalisiert und ihnen wird der Eindruck vermittelt, auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle mehr zu spielen. Bei den Behörden kann diese Praxis dazu führen, für ältere Arbeitslose weniger Vermittlungsversuche zu unternehmen, da sie nicht mehr in der Statistik geführt werden. 

Der SoVD hat sich mit der Situation älterer Arbeitsloser beschäftigt und einige Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lage entwickelt. Der Verband fordert eine Ausweitung Leistungsbezugs von Arbeitslosengeld I für über 55-Jährige auf 24 Monate. Bisher gibt es für sie eine auf 18 Monate verlängerte Bezugsdauer. 58-Jährige erhalten es für zwei Jahre, sofern sie zuvor für 48 Monate Beiträge in der Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. 

SoVD gegen Zwangsverrentung

Außerdem setzt sich der Verband für ein ALG II Plus für Arbeitslose ein, die einen Anspruch auf ALG I erworben haben. Dieses kann einen drastischen Abfall in das Fürsorgesystem Hartz IV verhindern und diejenigen auffangen, die jahrelang Pflichtbeitrage gezahlt haben. Das ALG II Plus würde sich finanziell an dem zuvor bezogenen Arbeitslosengeld I orientieren.

Der SoVD kämpft weiterhin gegen die Praxis der Zwangsverrentung beim ALG II für Menschen beim Eintritt in das 63. Lebensjahr. Für Betroffene geht diese Praxis mit Abschlägen in der gesetzlichen Rente einher und ist damit nicht selten ein Grund für Altersarmut.