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90 Jahre frauenpolitisches Engagement im SoVD

Die Frauen im SoVD begehen am 26. Oktober 2009 ein Jubiläum: seit 90 Jahren engagieren sich Frauen im Sozialverband Deutschland für die Interessen von Frauen. Das Jubiläum ist der Anlass für eine Veranstaltung, bei der auch über die frauenpolitischen Perspektiven nach der Bundestagswahl diskutiert wird. 

Hier ein kurzer Rückblick auf 90 Jahre frauenpolitisches Engagement in Reichsbund und Sozialverband Deutschland.

Die ersten Frauen im damaligen Reichsbund waren durch ihr hartes Schicksal zur Emanzipation gezwungen. Ihr Engagement wurde vor allem aus der bitteren Not geboren: Der Erste Weltkrieg hatte vielen den Mann genommen oder er war verwundet worden. Sie mussten den Schritt vor die Tür wagen und für die wirtschaftliche und soziale Sicherung kämpfen, wenn sie nicht verhungern wollten.

Die Frauen im Reichsbund lernten ihre Interessen selbst zu vertreten und ihre Rechte als Staatsbürgerinnen zu gebrauchen. Das kam damals einer "Revolution" gleich.  

Der Reichsbund wurde 1917 in Berlin als ?Bund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer? zunächst als reiner Männerverein gegründet. Schon einige Monate später findet sich am 13. Dezember 1918 in den ?Mitteilungen?, wie die Mitgliederzeitschrift des Verbandes damals noch hieß, die folgende Notiz: ?Am 4. Dezember berief die Ortsgruppe Frankfurt am Main eine öffentliche Versammlung der Kriegshinterbliebenen ein, um sie zu organisieren. Die Versammlung nahm einen imposanten Verlauf und zeigte, dass die Frauen mit ganzem Herzen bereit sind, an der Verbesserung der Lage mitzuarbeiten. Der Vorsitzende Eichinger beleuchtete eingehend die Notwendigkeit der Organisation der Kriegshinterbliebenen, sein Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen... Nachdem der offizielle Teil der Versammlung erledigt war, gingen wir zur Gründung der Sektion Kriegshinterbliebene, die bei einer Besucherzahl von zirka 600 die stattliche Zahl von 350 Aufnahmen erwies...?

Dann ging alles ganz schnell, denn am 15. Januar 1919 rief der Bundesvorstand die Ortsgruppen zur Gründung von Hinterbliebenensektionen nach dem Frankfurter Vorbild auf. Dieses Rundschreiben ist sozusagen die Geburtsurkunde der Frauenarbeit im Sozialverband Deutschland. Im Laufe der Jahre haben die Frauen im Sozialverband Deutschland immer wieder ihren Protest gegen eine ungerechte Politik in die Öffentlichkeit getragen, unter deren Folgen die Frauen zu leiden hatten, besonders die Frauen mit Behinderungen.

Die Frauen im SoVD haben viel erreicht. Ein Beispiel ist die Durchsetzung der Anrechnung von Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung für die älteren, vor 1921 geborenen Mütter. Ab Oktober 1987 erhielten stufenweise auch die vor 1921 geborenen Mütter die Kindererziehungsleistung. Auch für gleiche Versicherungstarife für Frauen und Männer, die sogenannten Unisex-Tarife bei der Riester-Rente haben sich die Frauen im SoVD erfolgreich eingesetzt.  Ein Schwerpunkt der Frauenarbeit im Jahr 2009 wird der Kampf für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sein.