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Steigende Altersarmut droht – Studie belegt Handlungsbedarf

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat in einer Studie untersucht, wie sich die Altersarmut entwickelt und wie sie bekämpft werden kann. Altersarmut könnte zukünftig zu einem noch größeren Problem werden. Der SoVD fordert daher, die Grundrente rasch einzuführen. 

Selbst bei einer weiterhin guten wirtschaftlichen Entwicklung dürfte in 20 Jahren mehr als jeder fünfte Rentner von Armut betroffen sein. Das ist eine der alarmierenden Zahlen aus der Studie, die das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt hat. Die Autoren prognostizieren einen Anstieg der armutsgefährdeten Rentner von derzeit 16,8 auf dann 21,6 Prozent. 

Auch die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind, wird von neun auf dann etwa 12 Prozent steigen. Zu den größten Risikogruppen gehören vor allem Geringqualifizierte und Alleinstehende. Bei ihnen ist das Grundsicherungsrisiko im Alter nahezu doppelt so hoch wie im Durchschnitt. 

Mehr Altersarmut im Osten

Außerdem gehen die Wissenschaftler von einem drastischen Anstieg der Altersarmut in Ostdeutschland aus. Derzeit liegt sie mit 6,5 Prozent deutlich unter dem Westniveau. In den nächsten beiden Jahrzehnten wird sie sich an das Westniveau von knapp 12 Prozent angleichen. 

Die Studie hat zudem untersucht, wie sich verschiedene Rentenreformen auswirken würden. Die Variante der Grundrente aus dem Koalitionsvertrag, die für Grundsicherungsempfänger mit 35 Versicherungsjahren eine Erhöhung des Grundsicherungsbedarfs um zehn Prozent vorsieht, kann den Anstieg der Altersarmut kaum bremsen. Das Armutsrisiko würde bis 2039 um lediglich 0,4 Prozent sinken. Hauptursache dafür ist, dass nur ein Drittel der Personen mit Grundsicherungsanspruch die geforderten 35 Versicherungsjahre vorweisen kann. 

SoVD für schnelle Einführung der Grundrente 

Deutlich effektiver wäre laut der Studie das Modell einer Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung, wie es Arbeitsminister Hubertus Heil vorgeschlagen hat. Diese würde die Armutsrisikoquote um mehr als drei auf 18,4 Prozent senken. 

Allerdings wäre dieses Konzept mit höheren Kosten verbunden, da es auch viele begünstigt, die oberhalb der Grundsicherung liegen. 

SoVD-Präsident Adolf Bauer sagte zu den Ergebnissen: „Arme Rentnerinnen und Rentner sind eine Schande für unser Land. Denn es ist möglich, Altersarmut zu verhindern.“ Er forderte eine schnelle Einführung der Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung. Von dieser würden vor allem Frauen profitieren, die insgesamt stärker von Altersarmut betroffen seien als Männer. Da gut bezahlte, sozialversicherungspflichtige Arbeit nach wie vor die beste Absicherung gegen Altersarmut ist, machte er sich außerdem für „wirksame Beschäftigungsmaßnahmen“ für Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderung stark.