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Wenn die Rente nicht für den Einkauf reicht

Tafel hat ein Zehntel mehr Kunden als 2018 – Rentner und Alleinerziehende größte Gruppen

Die Tafeln leisten eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Doch wenn immer mehr auf sie angewiesen sind, um sich zu versorgen, ist das ein Symptom weitverbreiteter Armut. Die Tafeln gaben jetzt bekannt, dass zuletzt deutlich mehr Rentnerinnen und Rentner zu ihnen kamen.

Innerhalb eines Jahres gab es einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Menschen, die regelmäßig bei der Tafel essen. Zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr griffen 2019 auf das Angebot zurück. Damit unterstützen die 947 Tafeln in Deutschland aktuell insgesamt 1,65 Millionen Bedürftige.

Die Tafeln sind gemeinnützige, ehrenamtlich betriebene Einrichtungen, die überschüssige Lebensmittel vor der Vernichtung retten und sie zu niedrigen Preisen an Menschen mit geringem Haushaltseinkommen weitergeben. Alle Kundinnen und Kunden müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen.

Besonders stark stieg die Nutzung bei älteren Menschen. Im Vergleich zu 2018 besuchten 20 Prozent mehr Rentner oder Empfangende von Grundsicherung im Alter die Einrichtungen der Tafel. Niedrige Renten sind damit nach Langzeitarbeitslosigkeit der zweithäufigste Grund, eine Tafel aufzusuchen. „Diese Entwicklung ist alarmierend – und sie ist erst der Anfang. Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wucht überrollen“, warnt der Vorsitzende der Tafel Deutschland, Jochen Brühl.

Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Sabine Werth, Mitbegründerin der „Berliner Tafel“, dass mittlerweile viele Menschen zur Tafel gingen, die das bisher vermieden hätten. Nach ihrer Wahrnehmung hätten die Hartz-IV-Gesetze wesentlich zur Armut beigetragen. Seitdem gebe es bei der Tafel „konstant ein Drittel Senioren sowie ein Drittel Alleinerziehende.“

Viele Studien belegen, dass Altersarmut in den nächsten Jahren zu einem noch größeren Problem wird. So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert, dass der Anteil der armutsgefährdeten Rentnerinnen und Rentner in den nächsten 20 Jahren von jetzt 16,8 auf über 21 Prozent steigen wird. Die Forschenden rechnen auch mit einem starken Anstieg der Rentnerinnen und Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sein werden.

Der SoVD sieht darin eine große Gefahr und fordert ein verlässliches und dauerhaftes Rentenniveau von 52 Prozent. Außerdem setzt er sich für die Einführung einer Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung ein. Denn diese würde verhindern, dass Rentnerinnen und Rentner nach einem langen Erwerbsleben auf die Grundsicherung zurückfallen.