Direkt zu den Inhalten springen

27 Beitragsjahre für Rente in Höhe der Grundsicherung nötig

Um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erhalten, muss ein Durchschnittsverdiener mehr als 27 Jahre lang Rentenbeiträge einzahlen. Im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 23 Jahren. Für Geringverdienende in Ballungsräumen ist die Lage besonders angespannt.

Diese Zahlen gehen aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Berechnungen des Instituts für die Jahre bis 2045 zeigen, dass diese sogenannte Mindestbeitragszeit weiter zunehmen könnte. Die tatsächliche Entwicklung hängt insbesondere von den Wohnkosten ab, die bei der Berechnung der Grundsicherung und damit für den Abstand zur gesetzlichen Rente eine große Rolle spielen. Dort, wo die Wohnkosten schon hoch sind und noch weiter steigen dürften, etwa in wird die Mindestbeitragszeit zur Vermeidung von Grundsicherung im Alter wohl stärker steigen als andernorts.

Mindestbeitragszeit steigt ab 2025

Johannes Geyer, Buslei, Anna Hammerschmid und Mia Teschner aus der Abteilung Staat des DIW Berlin haben die Mindestbeitragszeiten einer durchschnittlich verdienenden Person für eine Rente auf dem durchschnittlichen Grundsicherungsniveau berechnet. Mit einem Modell kalkulierten sie – auf Basis des heutigen Rechtsstandes – die Entwicklung der Rente für die nächsten 25 Jahre.

Demnach würde die Mindestbeitragszeit zunächst bis 2025 um knapp ein Jahr fallen. Neben Lohnsteigerungen, die sich auch in höheren Rentensteigerungen niederschlagen, ist dafür vor allem die sogenannte Haltelinie verantwortlich. Diese sorgt dafür, dass das Rentenniveau bis Mitte dieses Jahrzehnts nicht unter 48 Prozent fällt. Mit dem Wegfall der Haltelinie wird der Rentenwert ab 2025 unter den getroffenen Annahmen aber langsamer steigen als der Grundsicherungsbedarf. Folglich steigt die Mindestbeitragszeit – bis zum Jahr 2038 auf mehr als 28 Jahre.

SoVD für höheres Rentenniveau

Im aktuellen Bericht der Rentenkommission, die sich mit der Weiterentwicklung des Rentensystems nach 2025 beschäftigt, sind Pläne enthalten, neue Haltelinie einzuziehen. Diese würde ein Rentenniveau von 44 bis 49 Prozent garantieren. Der SoVD hält diesen Wert für zu niedrig und setzt sich für ein Rentenniveau von 53 Prozent ein.

Vieles wird von den Wohnkosten abhängen, deren Entwicklung unsicher und vor allem regional sehr unterschiedlich ist. Gerade in Städten und Ballungszentren dürfte sich die Lage daher wohl stärker zuspitzen. Auch hier hat der SoVD darauf hingewiesen und mit einem Gutachten belegt, dass vor allem Geringverdienende in Städten einen großen Teil ihres monatlich verfügbaren Einkommens für Mietkosten ausgeben müssen.

Drohender Legitimationsverlust

Studienautor Johannes Geyer warnt: „Wenn die Politik nicht sicherstellt, dass Menschen, die viele Jahre erwerbstätig waren und Beiträge geleistet haben, eine Rente deutlich über dem Existenzminimum erhalten, könnte die Rentenversicherung ein Legitimationsproblem bekommen.“

Das DIW schlägt vor, Geringverdienenden bis zu einer bestimmten Einkommensschwelle mehr Rentenpunkte zuzusprechen oder Rentenansprüche über steuerfinanzierte Beiträge entstehen zu lassen. Die Grundrente würde das Problem nicht lösen, da Menschen, die weniger als 33 Jahre eingezahlt haben, keinen Anspruch darauf haben.