Direkt zu den Inhalten springen

Weniger als die Hälfte der Beschäftigten bekommt Urlaubsgeld

47 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben Anspruch auf Urlaubsgeld. Große Unterschiede gibt es dabei zwischen Betrieben mit und ohne Tarifbindung, Beschäftigten in Ost und West, sowie Männern und Frauen. 

Bald beginnt die Ferienzeit. Je nach Arbeitgeber können sich Beschäftige dann über Urlaubsgeld freuen. Doch das kriegt längst nicht jeder, und zwischen den verschiedenen Beschäftigungsgruppen gibt es große Unterschiede. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Online-Befragung des Internet-Portals www.lohnspiegel.de, das vom Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird.

Ein maßgeblicher Faktor, der über den Bezug von Urlaubsgeld entscheidet, ist die Tarifbindung. Während mehr als zwei Drittel der Befragten, die in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, Urlaubsgeld bekommen, sind es in Unternehmen ohne Tarifbindung nur 36 Prozent. 

„Beschäftigte in Unternehmen ohne Tarifbindung sind somit gleich doppelt im Nachteil: In aller Regel liegen schon die Grundgehälter unter dem entsprechenden Tarifniveau und zusätzlich fehlt ihnen ein tariflich verbriefter Anspruch auf Urlaubsgeld“, so Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. 

Schere zwischen Ost und West

Durch die niedrigere Tarifbindung in den neuen Bundesländern gibt es auch geografische Unterschiede. Während in den alten Bundesländern fast die Hälfte der Beschäftigten einen Zuschuss zur Urlaubskasse erhält, können in den neuen Bundesländern gerade einmal 35 Prozent der Beschäftigten mit der Zusatzzahlung rechnen. 

Ein weiterer Faktor ist die Betriebsgröße. In größeren Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten ist die Quote mit 61 Prozent deutlich höher, als in kleinen Betrieben mit weniger als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dort bekommen nur 37 Prozent Urlaubsgeld. 

Mehr Urlaubsgeld in technischen Berufen

Insgesamt erhalten Männer deutlich häufiger Urlaubsgeld (50 Prozent) als Frauen (41 Prozent). „Hier kommt zum Tragen, dass in den Berufen mit einem hohen Männeranteil überdurchschnittlich häufig Urlaubsgeld gezahlt wird“, so Schulten. Hierzu zählen die Ingenieurberufe und andere technische Berufe. In den privaten Dienstleistungen, die einen hohen Frauenanteil aufweisen, wird hingegen deutlich seltener Urlaubsgeld gezahlt. Schlusslicht sind Callcenter, wo nur jeder vierte Beschäftigte Urlaubsgeld bekommt.

Im Vergleich zum letzten Jahr ist der Anteil der Beschäftigten mit Anspruch auf Urlaubsgeld leicht gesunken. Der SoVD setzt sich für fair bezahlte Arbeit und Tarifverträge ein, damit Menschen dauerhaft von ihrer Arbeit leben können.