Direkt zu den Inhalten springen

Viele bekommen weniger als den Mindestlohn

Seit 2015 gibt es in Deutschland den Mindestlohn. Doch er erreicht längst nicht alle, die einen Anspruch darauf hätten. Wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, erhielten im Jahr 2017 mindesten 1,3 Millionen Menschen in Deutschland nicht die ihnen zustehende Bezahlung.

Auf der Basis des Sozio-oekönomischen Panels (SOEP) hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erforscht, wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern trotz ihres Anspruchs weniger als den Mindestlohn verdienen. Dabei beziehen sich die Wissenschaftler auf das Jahr 2017 – das aktuellste, für das die entsprechenden Daten vorliegen. 

Erstmals wurden dabei die SOEP-Befragten direkt gefragt, wie hoch ihr Stundenlohn war. Demzufolge erhielten mindestens 1,3 Millionen Beschäftige, denen der Mindestlohn zugestanden hätte, in ihrer Haupttätigkeit weniger als den Mindestlohn in Höhe von damals 8,84 Euro pro Stunde. Hinzu kamen rund eine halbe Million Beschäftigte, die in einer Nebentätigkeit weniger als den Mindestlohn verdienten.

Verstöße oft im Servicebereich

Besonders häufig wird der Mindestlohn im Gastgewerbe, im Einzelhandel, bei persönlichen Dienstleistungen sowie in der Leih- und Zeitarbeit unterlaufen. Frauen werden häufiger trotz Anspruchs unterhalb des Mindestlohns bezahlt als Männer, ausländische Beschäftigte häufiger als inländische, junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis 24 Jahre häufiger als ältere, Beschäftigte in Ostdeutschland häufiger als in Westdeutschland und solche in Klein- und Kleinstbetrieben häufiger als in größeren Betrieben.

Der SoVD hat sich für den Mindestlohn stark gemacht und kämpft für dessen Einhaltung. Denn nur gut bezahlte Arbeit sorgt für ein gesichertes Auskommen und trägt zur Altersvorsorge bei. Allerdings fehlen die Kapazitäten, die Einhaltung des Mindestlohnes zu überwachen. „Der Handlungsbedarf ist enorm, denn flächendeckende und intensive Kontrollen des Zolls, der die Einhaltung des Mindestlohns kontrollieren soll, gibt es mangels Personal bisher praktisch nicht“, so Studienautor Carsten Schröder. 

Stärkere Kontrollen und Anreize gefordert

Die Autoren der Studie regen neben stärkeren Kontrollen auch an, eine „Fair-Pay-Plakette“ an, mit der zum Beispiel Gastronomen nachweisen könnten, dass sie die gesetzlichen Bestimmungen einhalten. Damit würde auch die Sensibilität der Konsumenten erhöht. 

Die Einhaltung des Mindestlohns überwacht in Deutschland der Zoll. Verstöße dagegen können auf dessen Internetseite gemeldet werden.