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Teilhabepaket erreicht nur wenige Kinder

Das Bildungs- und Teilhabepaket soll gewährleisten, dass Kinder aus Familien mit niedrigen Einkommen einen Sportverein besuchen, an der Schulspeisung teilnehmen oder zur Nachhilfe gehen können. Doch nach den Ergebnissen einer Studie des Paritätischen, kommen die Leistungen nur bei 15 Prozent der bedürftigen Schülerinnen und Schüler an. 

Vor acht Jahren hat die Bundesregierung das Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt, um das soziokulturelle Existenzminimum von Kindern und Jugendlichen in Haushalten, die Transferleistungen beziehen, abzusichern. Darin enthalten sind unter anderem Leistungen für Lernförderung, Schulspeisung, Schulmaterial und Kosten für Sport und Kultur.

Durch das sogenannte „Starke-Familien-Gesetz“ wurden zum August dieses Jahres einige der Leistungen erweitert. Seitdem gibt es jährlich beispielsweise 150 statt 100 Euro für Schulmaterial.

Hohe Ablehnungsquote bei Anträgen

Oft jedoch kommen diese Leistungen nicht bei den Bedürftigen an. Nach einer Studie des Paritätischen erhalten lediglich 15 Prozent der berechtigten Schülerinnen und Schüler Mittel aus dem Paket. Insgesamt sei die Quote bewilligter Anträge „niederschmetternd gering“.

„Das Bildungs- und Teilhabepaket geht komplett an der Lebensrealität Heranwachsender und den Strukturen vor Ort vorbei“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. 

SoVD für gezielte Maßnahmen

Auch der SoVD warnt, dass die Leistungen aufgrund bürokratischer Hürden nicht bei den bedürftigen Kindern ankommen. Der Verband plädiert dafür, die Leistungen für Bildung und Teilhabe den Familien schnell und unbürokratisch zur Verfügung zu stellen. Das Ziel, Kinderarmut mit zielgenauen Maßnahmen zu bekämpfen, begrüßt der SoVD ausdrücklich. 

Der SoVD fordert, sämtliche Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets als Geldleistung zu gewähren. Denn die Gutscheinregelung gestaltet sich als bürokratisch sehr aufwändig und kann zu Stigmatisierungen und Diskriminierungen führen. 

Die Bekämpfung von Kinderarmut ist für den Verband eine wichtige Aufgabe, die nicht allein durch materielle Unterstützung zu bewältigen ist. Notwendig sind gezielte und miteinander vernetzte Maßnahmen im Rahmen einer konzertierten Aktion, die sich als eigenständige Kinder- und Jugendpolitik versteht.