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Stromzählerstände nicht verraten

Bundesweit gibt es mehr als 1400 Stromlieferanten und über 1000 Gasanbieter. Pro Kilowattstunde Strom können Verbraucher derzeit zwischen 27 und 41 Cent zahlen, informiert das gemeinnützige Ratgeberportal Finanztip. Mit dem möglichen Sparpotenzial hausieren auch Betrüger.

Bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein meldeten sich wiederholt Verbraucherinnen und Verbraucher, die im Briefkasten einen neuen Stromversorgervertrag fanden, obwohl sie keinen abgeschlossen hatten. Ihr bestehender Vertrag war auch nicht gekündigt. Unseriöse Vertriebsmitarbeiter nutzen den sogenannten „Stadtwerke-Trick“. Entweder am Telefon oder an der Haustür erfragen die Betrüger Stromzählernummer und -stand. Begründet wird dies meist mit einem technischen Fehler, weswegen man die Daten abgleichen müsse. Es sei auch vorgekommen, dass Unbefugte in den Hauskellern direkt Zähler ablasen. Mit den erbeuteten Angaben schlossen sie neue Verträge ab, um Provisionen zu kassieren. Geschädigte hatten weder etwas unterschrieben noch bekamen sie von dem Vorgehen etwas mit.

Unerlaubte Werbeanrufe und Haustürgeschäfte

Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kennt solche Fälle und hat 1500 solcher untergeschobener Verträge ausgewertet. Dabei kristallisierten sich unerlaubte Werbeanrufe und Haustürgeschäfte als Hauptursachen heraus. Bei den Anrufen versprach man deutliche Geldeinsparungen.  Bereits das Einverständnis, Informationsmaterial eines Energieanbieters zugeschickt zu bekommen, deuteten die Betrüger als „Ja“ zu einem neuen Vertrag. Andere Geschädigte wurden mit einem vermeintlichen Gewinnspiel gelockt, an dem sie nicht teilgenommen hatten. Ein anderes Vorgehen beginnt mit dem Klingeln an der Haus- oder Wohnungstür. Die Argumente ähneln denen der unbestellten Werbeanrufe.

Die Verbraucherzentrale NRW hat inzwischen vier namentlich bekannte Unternehmen abgemahnt und teilweise sogar Klage wegen unverlangter Telefonwerbung, untergeschobener Verträge und anderer Verstöße erhoben.

Bundesweite Umfrage von Marktwächter Energie

Experten des Marktwächters Energie der Verbraucherzentralen und des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) haben im Februar 2018 eine bundesweite Kundenumfrage zu untergeschobenen Verträgen für Strom- und Gaslieferungen gestartet. Das Projekt möchte analysieren, wie die Vermittler vorgehen und welche Strategien und Methoden sie konkret anwenden. Die Verbraucher sollen so künftig besser geschützt werden. Eine mögliche Vorbeugungsmaßnahme könnte beispielsweise sein, dass Verträge in Zukunft generell unterschrieben werden müssen.

Das rät die Polizeiliche Kriminalprävention

Warnen Sie Bekannte und Familienangehörige vor den verschiedenen Strategien der Betrüger. Geben Sie keine persönlichen Informationen über finanzielle oder familiäre Verhältnisse heraus. Lassen Sie nur von der Hausverwaltung angekündigte oder selbst bestellte Handwerker ins Haus. Überprüfen Sie Dienstausweise und rufen Sie im Zweifelsfall die angeblich beauftragende Behörde an. Beenden Sie sonderbare Telefonate und verständigen Sie die Polizei unter 110. Sollten Sie geschädigt sein, schweigen Sie nicht.