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Das Vermögen wächst, die Ungleichheit bleibt

Zwischen 2012 und 2017 ist das durchschnittliche Vermögen der Deutschen um etwa ein Fünftel gestiegen. Doch davon profitieren nicht alle. Vor allem die reichsten zehn Prozent konnten ihr Vermögen stark vergrößern. Sie besitzen mittlerweile mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens. 

Die Bevölkerung ab 17 Jahren verfügte im Jahr 2017 über durchschnittlich knapp 103.000 Euro. Dieser Wert liegt um 22 Prozent höher als noch vor fünf Jahren. Was sich nach sehr viel Reichtum anhört, ist bei einem genaueren Blick allerdings problematisch. Das ergibt eine neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). 

So liegt der Median der Vermögensverteilung – der Wert, der die reichsten 50 Prozent der Bevölkerung von der ärmeren Hälfte trennt – bei 26.000 Euro und damit deutlich unter dem Durchschnittswert. Dies weist auf eine sehr ungleiche Verteilung des Vermögens hin. 

Vermögenszuwachs durch Immobilien

Die reichsten zehn Prozent besitzen den aktuellen Zahlen zufolge mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent), während die ärmere Hälfte der Bevölkerung über 17 Jahren nur 1,3 Prozent des Gesamtvermögens hält. Das oberste eine Prozent besitzt 18 Prozent des Gesamtnettovermögens – so viel wie die unteren 75 Prozent zusammen. Immerhin 15 Prozent der Bevölkerung verfügt dagegen über gar kein Vermögen. 

„Die Vermögensungleichheit ist zwar in Deutschland – auch im internationalen Vergleich – sehr hoch, sie verharrt aber in den letzten zehn Jahren auf diesem Niveau“, fasst Studienautor Markus Grabka das Ergebnis zusammen. Dass vor allem die obersten zehn Prozent ihr Vermögen stark erhöhen konnten, liegt am Wertgewinn von Immobilien und Betriebsvermögen in den letzten Jahren 

So ist überhaupt der Immobilienbesitz ein entscheidender Faktor. Wer in der eigenen Immobilie lebt, hat mit 225.000 Euro im Schnitt zehnmal ein fast zehnmal höheres Vermögen, als Mieterinnen und Mieter (24.000 Euro). 

Höheres Vermögen in Westdeutschland

Und auch regional gibt es große Unterschiede: Das Nettovermögen der Erwachsenen in Westdeutschland ist im Schnitt mit gut 120.000 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Ostdeutschland mit 55.000 Euro.

Die Wissenschaftler des DIW sehen als Gegenmaßnahmen eine effizientere Förderung von Immobilienbesitz und Veränderungen bei der privaten Altersvorsorge. Nach Ansicht des SoVD sind diese Strategien allerdings gerade für Menschen mit sehr niedrigem Vermögen kaum Hilfen. 

Der Verband kämpft für einen verteilungsgerechten Sozialstaat und setzt sich unter anderem für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ein. Außerdem fordert der Verband mehr Anstrengungen beim Bau bezahlbarer Wohnungen. Denn durch steigende Mieten müssen immer mehr Menschen einen großen Teil ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Vermögen lässt sich so nicht aufbauen.