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Bei Sepsis-Verdacht schnell reagieren

Eine Sepsis, umgangssprachlich auch „Blutvergiftung“ genannt, ist sehr gefährlich. Zur Risikogruppe gehören vor allem ältere Menschen und Kinder. Die Erkrankung ist schwer zu erkennen und zu muss im Krankenhaus behandelt werden. Wer Symptome rechtzeitig identifiziert, hat gute Chancen, dass die Infektion geheilt wird.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken weltweit pro Jahr rund 30 Millionen Menschen an einer Sepsis. Damit ist sie die häufigste Todesursache bei Infektionen. In Deutschland gab es 2015 mehr als 320 000 Fälle. 75 000 der Erkrankten verstarben. 

Wie genau es zu einer Blutvergiftung kommt, ist noch nicht geklärt. Eine Sepsis beginnt mit einer Infektion. Diese kann nicht nur bei Wunden auf der Haut entstehen, sondern auch durch Infektionsherde im Körper, beispielsweise bei einer Lungenentzündung. Das Immunsystem reagiert darauf aber so ungünstig, dass es den Körper schädigt statt ihn zu schützen. Vor allem ältere Menschen, aber auch Kleinkinder in den ersten Lebensjahren erkranken häufiger an einer Sepsis. 

Fehlfunktion des Immunsystems

Bei einer Sepsis breiten sich Erreger über das Lymph- und Blutgefäßsystem auf andere Organe aus. Das Immunsystem registriert die große Menge an Bakterien im Blut und überschwemmt den Körper mit Botenstoffen zur Immunantwort – es wird überaktiviert. 

Damit werden aber nicht nur die Erreger, sondern auch körpereigene Zellen angegriffen. Wird nun nicht schnell ein passendes Antibiotikum gegeben, stellen die Organe ihre Funktion ein. Es kommt zum septischen Schock, bei dem die Blutversorgung lebenswichtiger Organe ausfällt 

Verschiedene Symptome können auf Sepsis hinweisen

Eine Sepsis ist nicht leicht zu erkennen, da viele Symptome uneindeutig sind. Die Apotheken-Umschau rät, auf folgende Anzeichen zu achten: Etwa darauf, ob es zu einer Bewusstseinsveränderung kommt, bei der Betroffene desorientiert, verwirrt, unruhig oder schläfrig wirken. Weiterhin sollte die Atmung kontrolliert werden: Eine flache und schnelle Atmung mit 22 Atemzüge pro Minute oder mehr ist ein Warnsignal. 

Auch ein niedriger Blutdruck bei dem der systolische Blutdruck (der "obere" oder "erste" Wert bei der Blutdruckmessung) bei 100mmHg oder tiefer liegt, kann auf eine Sepsis hinweisen. Außerdem kann ein beschleunigter Puls mit schnellen Herzschlag ein Indikator sein. Zudem sollten die Körpertemperatur kontrolliert werden: Bei einer Sepsis liegt sie eventuell über 38 Grad Celsius, häufig begleitet von Schüttelfrost. Es kann aber auch eine erniedrigte Temperatur vorkommen mit weniger als 36 Grad Celsius. 

Behandlung auf der Intensivstation

„Das Problem ist, dass vielen das Bewusstsein dafür fehlt, dass sich hinter bestimmten Symptomen eben auch eine Sepsis verbergen kann“, erklärt Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung gegenüber Spiegel online. Er fordert deshalb mehr Aufklärung über das Krankheitsbild. 

Eine Blutvergiftung muss schnell behandelt werden – meistens auf der Intensivstation.  Eine spezifische Therapie gegen die Sepsis gibt es nicht. Ärzte versuchen, Kreislauf und Stoffwechsel mit Infusionen und Medikamenten zu stabilisieren und die Organfunktionen aufrecht zu erhalten. Eine möglichst rasche Therapie mit Antibiotika und eventuell auch chirurgische Maßnahmen helfen, das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Folgeschäden können auftreten

Wenn es gelungen ist, Krankheitserreger und den Infektionsort zu bestimmen, wird die Infektion entfernt. Dabei kommen auch chirurgische Maßnahmen zum Einsatz. Es werden zum Beispiel Wunden geöffnet und entzündete oder abgestorbenes Gewebe entfernt. 

Patienten, die eine Sepsis überstanden haben, kämpfen unter Umständen noch Wochen oder Monate mit möglichen Folgen – zum Beispiel mit Muskelschwäche, Bewegungsstörungen oder Nervenschäden. Bestimmte alltägliche Fähigkeiten, wie Gehen oder Sprechen, müssen in manchen Fällen wieder neu erlernt werden.

Info: 
https://www.sepsis-stiftung.eu