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Altersarmut bei Rentnern höher als bisher bekannt

Die Armutsgefährdung im Alter wird mit 16 Prozent angegeben. Damit liegt sie im bundesdeutschen Durchschnitt. Doch neue Zahlen zeigen, wie groß die Unterschiede zwischen Rentnern und Pensionären sind. Eine Erwerbstätigenversicherung könnte dafür sorgen, dass alle in Würde den Ruhestand genießen können.

Als armutsgefährdet gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verdient. Insgesamt liegt die Armutsgefährdungsquote bei 15,8 Prozent. Besonders stark von Armut bedroht sind Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern und Menschen ohne Arbeit. 

Im Jahr 2017 wies die Statistik für die Gruppe „Rentner und Pensionäre“ eine Armutsgefährdungsquote von 16 Prozent aus. Damit lag sie nahm am Durchschnittswert. 

Jeder fünfte Rentner armutsgefährdet

Doch neue Zahlen werfen jetzt ein anderes Licht auf die Statistik. Matthias Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linkspartei, beantragte eine Auflistung, die Rentner und Pensionäre getrennt betrachtet. 

Dabei wird deutlich, wie sehr sich die finanzielle Situation dieser Gruppen voneinander unterscheidet. 19,5 Prozent der reinen Rentnerhaushalte sind armutsgefährdet. Das ist fast jeder fünfte und damit deutlich über dem Durchschnitt. 

Pensionäre stehen deutlich besser da

Pensionäre, also ehemalige Beamte, müssen dagegen kaum befürchten, nicht über die Runden zu kommen. Nicht einmal ein Prozent der Personen in einem Pensionärshaushalt ist von Armut bedroht. 

Dass Beamte im Alter deutlich besser dastehen als Rentenversicherte, ist kein Geheimnis. Die neuen Zahlen sind dennoch eine Aufforderung, über die Altersvorsorge nachzudenken. Matthias Birkwald plädiert für eine Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen. 

Forderung nach Erwerbstätigenversicherung

Auch der SoVD macht sich für dieses Konzept stark. In seinem Papier zur Bekämpfung von Altersarmut fordert der Verband die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung. Eine Versicherungspflicht sei „für alle sonstigen Erwerbstätigen geboten, insbesondere für politische Mandatsträgerinnen und träger, Beamtinnen und Beamte sowie Erwerbstätige in den freien Berufen unter Wahrung verfassungsrechtlicher Vorgaben.“

Dieses Modell könnte gewährleisten, dass die Bezüge von Pensionären und Rentnern auf dem gleichen Niveau wären.