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Würdigung der herausragenden Verdienste Norbert Blüms für den Sozialstaat

Im Alter von 84 Jahren ist am Freitag der CDU-Politiker und frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm verstorben. 

Anlässlich seines Todes erklärt SoVD Präsident Adolf Bauer: 

„Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm war einer der führenden Politiker der Nachkriegszeit. Er hat die Sozialpolitik in Deutschland über Jahrzehnte hinweg geprägt – auch lange noch nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik. Norbert Blüm setzte sich mit großer Menschlichkeit, Humor und Klarheit für die sozial Benachteiligten in unserer Gesellschaft ein. Über alle Parteigrenzen hinweg erwarb er sich hierfür höchsten Respekt und Anerkennung. Der Sozialverband Deutschland trauert mit seinen Angehörigen und wird den herausragenden Verdiensten Norbert Blüms ein ehrendes Andenken bewahren.“

Norbert Blüm gehörte dem Bundestag mit einer kurzen Unterbrechung von 1972 bis 2002 (in den Jahren 1972 bis 1981 sowie 1983 bis 2002) an. Von 1982 bis 1998 – 16 Jahre lang – führte er das Amt des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung. In seiner Zeit als Bundesminister trat Norbert Blüm als überzeugter Christdemokrat mit Nachdruck dafür ein, den Sozialstaat weiterzuentwickeln und zu stärken. Bereits in den 90-er Jahren bewies er dabei große Weitsicht: Früher als andere erkannte Blüm die gesellschaftspolitischen Folgen demographischer Veränderungen und machte sich dafür stark, dass Menschen im Alter und im Pflegefall gut versorgt werden. Die Einführung der Pflegeversicherung geht auf seine persönliche Initiative zurück. 

Sein Name bleibt darüber hinaus verbunden mit seinem außerordentlichen Engagement in der Rentenpolitik. 1986 erregte Norbert Blüm große öffentliche Aufmerksamkeit, als er sich im Rahmen einer Plakataktion vor einer Litfaßsäule mit dem Slogan abbilden ließ: „Denn eins ist sicher - die Rente.“ Der viel zitierte Spruch „Die Rente ist sicher“ ist seitdem untrennbar mit ihm verknüpft.

Norbert Blüm war seinerzeit der einzige Bundesminister, der gleichzeitig auch Gewerkschaftsmitglied (der IG Metall) war.  Als Arbeitersohn in Rüsselsheim geboren, hatte er zuvor 1952 in der Autofabrik Opel eine Ausbildung zum Werkzeugmacher abgeschlossen und dort bis 1957 gearbeitet. Auf dem zweiten Bildungsweg machte Blüm anschließend sein Abitur und studierte später in Bonn Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie. In seinen - teilweise streitbaren politischen Entscheidungen - war Blüm sowohl durch seine Herkunft als auch seine feste Verankerung im katholischen Glauben geprägt.

Blüm galt als leidenschaftlich, menschennah, humorvoll und lebensfroh. Gerechtigkeit für die Schwächsten und Verlässlichkeit waren für ihn keine leeren Hülsen, sondern Motor seines politischen Handelns. Für seine Überzeugungen fand er stets klare und einfache Worte. Das gilt auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. So bleibt sein Auftreten als Bundesminister in Chile, der gegenüber dem Diktator Pinochet die dort praktizierte Folter offen kritisierte, vielen Menschen in bleibender Erinnerung.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik engagierte sich Blüm weiterhin sozial, veröffentlichte mehrere Bücher und vertrat als gern gesehener und ebenso schlagfertiger Talkshowgast seine politischen und menschlichen Auffassungen. Norbert Blüm hinterlässt seine Frau Marita, mit der er seit 1964 verheiratet war, und drei erwachsene Kinder.