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Stundenvorgaben nicht entscheidend für gute ärztliche Versorgung

Gesundheitsminister Jens Spahn hat einen Gesetzentwurf vorgelegt. Danach sollen niedergelassene Ärzte Kassenpatienten zukünftig 25 statt bisher 20 Stunden pro Woche Sprechstunden anbieten. Der SoVD begrüßt das Ziel, Wartezeiten zu reduzieren. Aus Sicht des Verbandes kommt es jedoch vor allem auf eine bedarfsorientierte Behandlung und Beratung an. 

Zur aktuellen Forderung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), niedergelassene Ärzte zu mehr Sprechstunden für Kassenpatienten zu verpflichten, sagt SoVD-Präsident Adolf Bauer in einer Pressemitteilung:

„Die gute und umfassende medizinische Versorgung aller Patientinnen und Patienten ist eine zentrale Forderung des SoVD und eine Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigung. Dazu gehört auch die Bereitstellung zeitnaher und qualitativ hochwertiger ambulanter Leistungen. Wochenlange Wartezeiten für gesetzlich Krankenversicherte, die eine ärztliche Behandlung dringend benötigen, sind beschämend für die Betroffenen.

Am Bedarf orientierte Beratung statt Vorgaben

Der SoVD unterstützt das Ziel, Wartezeiten zu verringern. Es erscheint dem Verband jedoch fraglich, ob verordnete Mindestsprechzeiten dazu der richtige Weg sind. Aus seiner Sicht müsse vor allem darum gehen, eine am individuellen Bedarf orientierte medizinische Behandlung und Beratung zu gewährleisten. Dieser Bedarf ist von individuellen Faktoren wie dem Alter abhängig. Eine Stundenvorgabe für Sprechstunden ist somit nicht entscheidend für die umfassende Versorgung aller Patientinnen und Patienten.

In einer älter werdenden Gesellschaft ist es außerdem wichtig, die aufsuchende Versorgung zu stärken. 

SoVD legt Stellungnahme vor

Mit dem neuen Gesetz soll auch die Terminvermittlung verbessert werden. Der SoVD betrachtet es als sinnvollen Schritt, die einheitliche Notdienstrufnummer 116117 auszubauen und diese langfristig in ein System gemeinsamer Notfallleistungen zu integrieren.

Das Ministerium plant für das für die zusätzlichen Sprechstunden mit Kosten zwischen 500 und 600 Millionen Euro, gesetzlich Versicherte sollen jedoch keine höheren Beiträge zahlen müssen. Die Regelungen sollen am 1. April 2019 in Kraft treten.

Der SoVD wird den Prozess kritisch beobachten und eine Stellungnahme zum entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.