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Immer mehr Menschen erhalten befristete Arbeitsverträge

In Deutschland erhalten immer mehr Beschäftigte nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Bei jeder zweiten Befristung wird nicht einmal ein Grund angegeben. Betroffen hiervon sind vor allem junge Menschen.

Eine gesicherte Beschäftigung gibt es für immer weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Insgesamt 3,15 Millionen Menschen in Deutschland haben derzeit nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Betroffen ist damit bereits jeder Zwölfte der rund 38 Millionen Beschäftigten. Diese Zahlen veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Zahlreiche Lehrkräfte ebenfalls betroffen

Entsprechende Verträge sind manchmal schwer nachzuvollziehen. So werden etwa in Hamburg mit Beginn der Sommerferien Hunderte befristet angestellte Lehrkräfte arbeitslos. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden die meisten der Betroffenen zum neuen Schuljahr erneut eine befristete Anstellung erhalten .

Bundesregierung plant eine Reform

Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, die Zahl befristeter Arbeitsverträge zu verringern. Eine Befristung ohne sachlichen Grund soll künftig höchstens 18 statt 24 Monate dauern dürfen. Zudem soll ein solcher Vertrag höchstens einmal verlängert werden dürfen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Reform nach eigener Aussage innerhalb eines Jahres anpacken.

Drohender Verlust von Arbeitsplätzen

Kritik an einer Begrenzung befristeter Verträge kommt von Arbeitgeberseite. Hier sieht man Zeitverträge als ein wichtiges Mittel der Personalpolitik. Auch das IAB warnt in seiner Studie davor, befristete Beschäftigungsverhältnisse aufs Spiel zu setzen. Im ungünstigsten Fall hätten Betroffene am Ende gar keinen Arbeitsvertrag.

SoVD spricht sich für weniger Befristungen aus

Wirksame Arbeitnehmerschutzrechte fordert dagegen der SoVD. Seit Langem schon spricht sich der Verband dafür aus, befristete Beschäftigung – ebenso wie Leiharbeit und Werkverträge – stark einzugrenzen.