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Gute Gründe für einen höheren Mindestlohn

Als Deutschland 2015 Mindestlohn einführte, lag er bei 8,50 Euro. Mittlerweile müssen Unternehmen mindestens 9,19 Euro zahlen. Im westeuropäischen Vergleich ist das aber immer noch recht wenig und bietet keinen ausreichenden Schutz vor Armut. Das geht aus dem aktuellen Internationalen Mindestlohnbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. 

2019 stieg der Mindestlohn in Deutschland auf 9,19 Euro. Damit gehört er nach wie vor zu den niedrigsten Lohnuntergrenzen in Westeuropa. In Belgien, Irland und den Niederlanden liegt er bei über 9,50 Euro pro Stunde, in Frankreich beträgt er über 10 Euro, in Luxemburg sogar 11,97 Euro. Das berichtet das WSI in seinem aktuellen Mindestlohnbericht

Mindestlohnempfänger in Deutschland profitieren dabei zwar etwas vom im westeuropäischen Vergleich niedrigeren Preisniveau. Allerdings bleibt ihre Kaufkraft trotzdem hinter der von Mindestlohnempfängern in Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden zurück

Mindestlohn laut Armutsforschern zu niedrig

In Großbritannien, wo derzeit ein Mindestlohn von umgerechnet 8,85 Euro gezahlt wird, hat die Regierung das Ziel ausgegeben, bis 2020 die Lohnuntergrenze auf 60 Prozent des mittleren Lohns zu erhöhen. 

Dieses Niveau gilt nach Ansicht von Armutsforschern als erstrebenswert, weil Alleinstehende dann in der Regel ohne Sozialtransfers von ihrer Arbeit leben können. Davon ist der deutsche Mindestlohn bisher noch weit entfernt. Nach Angaben der Forscher erreicht er derzeit nicht einmal die Hälfte des Medianlohns, während er in Frankreich bei 61,8 Prozent des Medians liegt.

Um auch in Deutschland den angestrebten Verdienst von 60 Prozent des mittleren Lohns zu gewährleisten, müsste der Mindestlohn auf zwölf Euro steigen.

SoVD für Erhöhung und jährliche Anpassung

Der SoVD hat mehrfach darauf hingewiesen, dass der Mindestlohn in seiner derzeitigen Form nicht ausreichend vor Armut – und insbesondere Altersarmut - schützt und setzt sich für eine spürbare Erhöhung ein. 

Der Verband fordert außerdem, dass der Mindestlohn jährlich steigt. Nachdem es bisher alle zwei Jahre zu einer Anpassung kam, wird er 2020 erstmals im zweiten Jahr hintereinander erhöht. Statt 9,19 Euro beträgt die Lohnuntergrenze dann 9,35 Euro. Auch das ist aber noch weit vom 60-Prozent-Ziel entfernt.