Chatten mit dem Arzt

Ärztinnen und Ärzte dürfen ihre Patientinnen und Patienten künftig auch per Chat oder Anruf erstbehandeln, wenn dies ärztlich vertretbar ist. Mit dieser Entscheidung lockerte der Deutsche Ärztetag jetzt das Verbot von Fernbehandlungen ohne jegliche vorherige persönliche Visite.

Künftig sollen solche Fernbehandlungen „im Einzelfall“ erlaubt sein, wenn sie ärztlich vertretbar erscheinen, die ärztliche Sorgfalt gewahrt und die Patientin oder der Patient zuvor über die Besonderheiten dieser Beratungsform aufgeklärt wird.

Die Neuregelung muss aber noch in die Berufsordnungen der Landesärztekammern übernommen werden. Behandlungen auf digitalem Kommunikationsweg sind in der Schweiz und dem EU-Mitglied Schweden bereits erlaubt.

Runder Tisch zur praktischen Umsetzung

In Deutschland sind Sprechstunden per Anruf, Chat oder SMS bislang nur möglich, wenn sich Arzt und Patient mindestens einmal persönlich kennengelernt haben. Der Auge-in-Auge-Kontakt soll jedoch weiterhin der bestmögliche Standard bleiben. Digitale Techniken dürften nicht die notwendige ärztliche Zuwendung ersetzen, so die Medizinerinnen und Mediziner des Ärztetages. Gesundheitsminister Jens Spahn will nun einen Runden Tisch mit Vertretern der Ärzteorganisationen, ihrer Selbstverwaltung sowie des Deutschen Pflegerates einberufen, um über die praktische Umsetzung zu beraten.