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Auch Studierende leiden unter knappem Wohnraum

In diesen Tagen beginnt an vielen Universitäten das Wintersemester. Doch wer für das Studium in eine neue Stadt zieht, hat oft Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden und zu bezahlen. Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigen, wie teuer Wohnungen in Universitätsstädten geworden sind. Der SoVD sieht den fehlenden Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen als großes Problem.

Studieren ist teuer und in manchen Städten ohne Job oder Unterstützung der Eltern inzwischen kaum noch zu bezahlen. Besonders schwierig ist die Lage in Großstädten, zeigt der aktuelle IW-Studentenwohnpreisindex: Demnach kostete eine 30-Quadratmeter-Wohnung mit durchschnittlicher Ausstattung und guter Anbindung zur Universität in München im ersten Halbjahr dieses Jahres rund 635 Euro, etwa 25 Euro mehr als noch im Jahr zuvor. 

In Berlin kostet eine vergleichbare Wohnung etwa 250 Euro weniger. Die Studie basiert auf Inseraten der Kooperationspartner ImmobilienScout24 und wg-suche.de.

Miete in Berlin zwei Drittel teurer als 2010

Die Preise haben sich in den letzten Jahren stark erhöht. Am deutlichsten ist der Anstieg in Berlin, wo die Mieten für Studierende seit 2010 um 67 Prozent teurer geworden sind. Günstigen Wohnraum für Studierende bieten die Studierendenwerke an.

Doch diese haben nicht ausreichend Kapazitäten. In der Hauptstadt stehen Suchende mindestens ein Jahr auf der Warteliste, bevor sie dort ein Zimmer beziehen können.

Gerade in großen Städten finden nicht alle Neuankömmlinge rechtzeitig eine Bleibe und erleben den Semesterstart  ohne Wohnung oder Zimmer in Notunterkünften. 

Zu wenig Wohnraum

Für die schwierige studentische Wohnungsmarktlage gibt es mehrere Gründe. So schreiben sich immer mehr Abiturienten an deutschen Hochschulen ein. In den Universitätsstädten konkurrieren sie mit Senioren, Berufseinsteigern und Pendlern. Auf der anderen Seite bauen die Städte längst nicht genug studententaugliche Wohnungen. 

„Nur der Bau neuer Wohnungen entspannt die Lage an den Hochschulstandorten“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. „Hier hinken die Städte allerdings dem Einwohnerzuwachs immer noch hinterher, vor allem, weil zu wenig Bauflächen ausgewiesen werden.“ Zudem sollten die Städte konsequent nachverdichten, um innenstadtnahe, bezahlbare Wohnungen zu schaffen.

Miete verschlingt Einkommen

Viele Studierende suchen allerdings nicht nach einer eigenen Wohnung, sondern nach einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft. In den letzten Jahren sind die Mieten dafür ähnlich stark gestiegen, wie der Preis für Wohnungen. Studierende müssen deshalb mittlerweile bis zu zwei Drittel ihres verfügbaren Einkommens für die Miete ausgeben. 

Der Sozialverband Deutschland sieht die Wohnungsnot als ein großes Problem an. Deshalb stellte er seinen Parlamentarischen Abend am 25. September unter das Motto „Gutes Wohnen – überall, für alle!“. Der Verband warnt davor, dass Menschen mit niedrigem Einkommen, wie Arbeitssuchende, Rentnerinnen und Rentner oder eben auch Studierende, um den wenigen bezahlbaren Wohnraum konkurrieren. 

Der Verband hat ein Gutachten zur Wohnsituation in Deutschland in Auftrag gegeben, das er im Oktober auf einer Pressekonferenz vorstellt. Die Studie des deutschen Instituts für Wirtschaft ist hier zu finden.