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07-8-2006 - Karsten Pagel

Kommentar:

Leserbrief Karsten Pagel

Ich wollte mir Luft machen und das Erlebte verarbeiten. In der aktuellen Situation hätte ich niemals mit dem Schreiben eines Tagebuches beginnen können. Ich war weder nervlich noch körperlich in der Lage und innerlich nicht bereit, mich mit der Situation in der ganzen Dramatik auseinander zu setzen. Das ging im Rückblick viel besser, obwohl es keinerlei Aufzeichnungen gibt und ich alles aus dem Gedächtnis aufschreibe. Das Schreiben fällt mir zwar schwer, aber eine Bewältigung fällt mir so vielleicht leichter. Ich habe mich zu dieser zeitaufwändigen Aufgabe entschlossen, weil das Gefühl habe, nur dann mit dem Kapitel irgendwann abschließen zu können, wenn ich es aufgeschrieben habe. Ich möchte meiner Frau, meinem Sohn, meiner Familie nicht immer mit derselben Geschichte, die ich zum tausendsten Mal irgendwem erzähle, auf die Nerven gehen.

 

Außerdem haben mir so viele Leute immer wieder gesagt, sie könnten sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe oder fühle. Ich bin jedoch der Meinung, dass nur jemand, der Ähnliches erlebt hat, sich das auch vorstellen kann. Keinem ist zu wünschen, dass er Vergleichbares in seinem Leben aushalten muss.

 

Die Sätze "Ich kann es mir vorstellen", "Es wird schon wieder", "Wie geht es denn?" und das Wort "Geduld" kann ich wirklich nicht mehr hören.

 

Selbst das teilnehmende "Wie geht¹s?" geht einem irgendwann auf die Nerven. Besonders wenn man einfach keine Lust hat, mit "schlecht" zu antworten und auf die zwangsläufige Nachfrage "Warum das denn?" eine lange Begründung zu liefern, die einen ohnehin nur zum Heulen bringt. Antwortet man sofort mit "Danke, gut.", ist das meist gelogen, denn wem geht es schon ernsthaft gut, wenn er überall Schmerzen hat und seit Monaten nicht in der Lage ist, vernünftig zu laufen, vernünftig zu sitzen, sportlichen oder sonstigen Interessen nachzugehen?

 

Diese Frustration kann man eigentlich nur schwer in Worte fassen. Ein guter Therapeut erkennt all das ohne Worte, denn zum Glück sind die meisten von ihnen mit einem ausgesprochen großen Einfühlungsvermögen gesegnet. Auch meine Frau erkennt solche Momente und hat es sich zur Aufgabe gemacht, mich dann einfach "in Ruhe" zu lassen.

 

Eines der Hauptprobleme nach meinem Unfall ist wohl, dass die Genesung so lange dauert bzw. unmöglich ist. Wenn einem selbst schon längst die Geduld ausgegangen ist, muss man sich auch noch die Frage stellen lassen, warum man eigentlich nach so langer Zeit noch nicht wieder fit ist.

 

Bis heute reut mich jede Stunde, die ich im Rehazentrum verbracht habe oder noch verbringen muss, weil ich das weder freiwillig, noch begeistert getan habe. Es ist ein Muss und eine Notwendigkeit; im Leben wäre ich niemals freiwillig in ein Fitnessstudio gegangen, um dort Krafttraining zu machen; es hat mich nicht im Mindesten interessiert.

 

Meine Bewegungsbegeisterung richtete sich immer mehr in die schwimmerische Richtung und wenn ich mich schon bewege, dann eigentlich am liebsten an der frischen Luft und nicht in einem Gebäude. So würde ich also immer noch widerwillig dorthin gehen. Schade um die vielen Stunden meiner Lebenszeit, die ich dort schon verbracht habe und die ich ganz bestimmt ganz anders hätte nutzen können und wollen, wenn ich eben gesund geblieben wäre. Hätte, wäre, wenn? Will mir da vielleicht wieder jemand sagen, ich soll nicht hadern? Das ist wirklich schwer.

 

Aber ich will die Geschichte nicht in der Mitte, sondern am Anfang beginnen lassen.

 

Am 02. September 2003 bin ich mit dem Auto auf dem Weg nach Hause gewesen, als ich an einem Stau-Ende anhalten musste. Das nachfolgende Fahrzeug stand schon vorher an einer Ampel hinter mir. Offenbar hat der Fahrer des Fahrzeugs das Umschalten auf grün verpasst und als er seinen Fehler bemerkt hat \\\\\\\\\\\\\\\"so richtig Gas gegeben\\\\\\\\\\\\\\\". Jedenfalls war das Stau-Ende nicht weiter als ca. 50m von der Ampel entfernt. Mein Fahrzeug stand schon, als das nachfolgende Fahrzeug mit ungefähr 40-50 km/h aufprallte. Durch die große Aufprallkraft wurde mein Auto auf das vor mir und das wiederum auf das davor stehende Auto geschoben. Der Fahrersitz ist - vermutlich durch die starke Aufprallkraft - gebrochen.

 

Als ich mich einigermaßen \\\\\\\\\\\\\\\"berappelt\\\\\\\\\\\\\\\" hatte, hatte ich den Eindruck, dass das Auto hinter mir brennt. Ich hab also alle Kraft zusammengenommen und bin ausgestiegen um den Insassen zu helfen. Als ich auf das Auto zuging bemerkte ich, dass es sich lediglich um \\\\\\\\\\\\\\\"Qualm\\\\\\\\\\\\\\\" handelte. Vermutlich hatte das Airbag-Puder diese \\\\\\\\\\\\\\\"Staubwolke\\\\\\\\\\\\\\\" verursacht. Als nun dieser Schreck etwas abgeklungen war, habe ich extreme Rückenschmerzen bemerkt. Ich hab noch versucht, mich (gestützt auf mein Autodach) zu strecken um der Schmerzen \\\\\\\\\\\\\\\"Herr zu werden\\\\\\\\\\\\\\\". Als das nur noch mehr Schmerzen verursacht hat, habe ich mich am Straßenrand hingelegt.

 

Eine Frau kam angelaufen und wollte wissen, wie sie mir helfen kann. Ich hab sie gebeten meine Frau (damals noch Verlobte) anzurufen und natürlich einen Rettungswagen. Weitere eingetroffene Helfer wollten mich in die \\\\\\\\\\\\\\\"stabile Seitenlage\\\\\\\\\\\\\\\" bringen. Gegen diese Idee habe ich mich wegen der Gefahr einer Querschnittlähmung gewehrt. Ich weiß nicht, wie lange der Rettungswagen gebraucht hat um die Unfallstelle zu erreichen. Ich war aber heilfroh in den Rettungswagen zu kommen um in ein Krankenhaus gebracht zu werden.

 

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich "ausgeladen³ und mit dieser rollbaren Trage über Kopfsteinpflaster in die Notaufnahme geschoben. Jetzt muss ich mal sarkastisch werden. Ich danke den Krankenhausplanern für diese Glanzleistung. Kopfsteinpflaster ist für jeden Verletzten wirklich das Beste, was man im Eingangsbereich und vor der Notaufnahme als Bodenbelag verbauen kann. Die Schmerzen muss einfach jeder Verletzte mal erlebt haben.

 

Wenn ich könnte, würde ich den Architekten dieses Krankenhauses jeden einzelnen Stein gegen den Rücken schlagen, um ihnen zu verdeutlichen, was ich meine.

 

In der Notaufnahme angekommen wurde ich erstmal zu meinen Personalien befragt. Nachdem die Zettel fertig ausgefüllt waren, "fingerte" eine Krankenschwester an meinem Arm rum. Ich weiß nicht ob sie mir ein Schmerzmittel gespritzt hat oder ob sie den "Zugang" entfernt hat, der mir an der Unfallstelle "gelegt" worden war. Was ich aber noch erinnere ist, dass ich anschließend in einer ziemlichen Blutlache gelegen habe, da wohl irgendwie "etwas" Blut aus diesem Zugang gelaufen war. Ich hab mich jedenfalls ziemlich erschrocken. Ich dachte, ich hätte die ganze Zeit eine Armverletzung oder ähnliches "übersehen". Nachdem sie dann schnell das Blut weggewischt hatte erschien auch wieder ein "Transporteur" und schob mich in den Röntgenraum. Ich wurde von einigen Schwestern und Pflegern auf den Röntgentisch umgelagert und hätte schon da (mal wieder) vor Schmerzen schreien können. Ich habe mich aber bestmöglich zusammengerissen, um nicht als "Memme" dazustehen bzw. dazuliegen. Nun wurde ich geröntgt. Ergebnis war ein Röntgenarzt, der in Zivilkleidung hereinkam und meinte er würde 2 Wirbelbrüche sehen und fragte, ob ich denn früher schon mal einen Wirbelbruch hatte, weil der eine Bruch etwas älter aussähe. Ich sagte ihm, dass der 10. Brustwirbel gebrochen war, als ich 16 war. Es war ein Unfall beim Schulsport. Daraufhin griff er mir mit einer Hand in den Nacken, hob mich in eine sitzende Position und hämmerte mit seiner anderen Hand gegen meine Wirbelsäule. Als ich aufschrie legte er mich wieder hin und fragte, ob ich mir ganz sicher sei mit dem 10. Wirbel. Ich hätte ihn auch gern so behandelt, aber ich konnte mich ja nicht wehren. Seine Diagnose: BWK11-Fraktur. Dann ging er wieder und meinte (schon abgewandt) ich müsse im Krankenhaus bleiben.

 

Soweit ich informiert bin wurde ich dann auf die chirurgische Abteilung gebracht. Ich vermute mal, die Notaufnahme hat mir irgendein Mittel zur Schmerzlinderung gegeben, denn ich weiß ab da eigentlich nicht mehr viel.

 

Nach Erzählungen bin ich dann am 4. Tag in die Abteilung für Naturheilverfahren verlegt worden. Auch von der Verlegung hab ich offenbar nichts mitbekommen. Erinnern kann ich mich zumindest nicht. Auf dieser Station angekommen muss die Stationsärztin das Fehlen einer CT[i]-Untersuchung bemerkt und das CT angeordnet haben. Jedenfalls wurde noch an dem Tag ein CT gemacht. Diagnose: Ein Stück aus der Wirbelhinterkante ist heraus gebrochen und ragt in den Spinalkanal[ii]. Das das nicht gerade zu meiner Beruhigung beigetragen hat, kann wohl jeder nachvollziehen. Jedenfalls hieß die Therapie dann liegen, liegen, liegen. Warum nicht über eine Operation mit mir gesprochen wurde, ist mir bis heute noch nicht klar. Es gibt doch verschiedene Möglichkeiten. Z.B. den Fixateur[iii] externe bzw. interne, es gibt die Möglichkeit einen Plastikwirbel oder einen Drahtkorb zur Stabilisierung einzusetzen und auch eine Möglichkeit den Wirbel zu zementieren soll es geben. Ob diese Möglichkeiten für mich in Frage gekommen wären, kann ich nicht beurteilen, da ich nicht über diese Möglichkeiten informiert wurde und zu dem Zeitpunkt auch selbst noch nichts von diesen Möglichkeiten wusste. Aber über die Jahre lernt man vieles dazu. Nicht nur die lateinischen Fachausdrücke.

 

Ich weiß nicht, wie lange ich dort gelegen habe bis die Therapie mit einer Duftlampe (Aromatherapie[iv]) begonnen wurde. Ich glaube aber, dass ein Duftöl nicht wirklich in der Lage ist einen kaputten Knochen zu "flicken".

 

Nachdem ich da nun so wehrlos herumliege und darauf angewiesen bin, dass mir Essen gebracht wird, dass man mir das Steckbecken[v] bringt, mir anschließend eine Reinigung zukommen lässt usw. wurde ich natürlich etwas ungehalten, als ich feststellen musste, dass eben diese Pflichten etwas vernachlässigt wurden. Das am Abend noch immer das Geschirr vom Mittag auf meinem Schränkchen stand war dabei das kleinste aller Übel. Das die Urinflasche fast überlief, meine Frau feststellen musste, dass ich nicht ordentlich sauber gemacht wurde etc. ist dabei alles viel schlimmer. Die entwürdigende Tatsache, sich selbst nicht den Po abwischen zu können, möchte ich dabei auch noch extra erwähnen. Wer wünscht sich schon, dass ihm fremde Menschen bei solchen Dingen behilflich sind oder sie gar gänzlich ausführen müssen. Aber das zu ertragen und dann festzustellen, es wurde so gemacht, dass man auch ganz darauf hätte verzichten können, ist wirklich schlimm.

 

Ich möchte aber gerade den Lernschwestern auf der Station meinen ganz großen Dank aussprechen. Schließlich waren es diese Lernschwestern, die mich mit dem gesamten Bett aus dem Gebäude geschoben haben, damit ich mal an die frische Luft komme und evtl. eine Zigarette rauchen kann. Es war zwar aus Dienstgründen nur selten möglich, aber dafür habe ich vollstes Verständnis. Es waren in den Wochen, die ich dort verbracht habe, die einzigen Momente in denen ich mich fast schon als Mensch und nicht nur als ein Stück nummeriertes Fleisch in einer Aufbewahrungsstation gefühlt habe.

 

Nach ca. drei Wochen Liegezeit wurde mir gesagt, dass ich vermutlich entlassen würde. Man müsste nur noch ein "Kontroll-CT³ machen und sehen, ob der Wirbel soweit ausgeheilt ist, dass eine Verschiebung etc. ausgeschlossen werden kann. Am nächsten Tag wurde der erste Patient aus unserem 3-Bett-Zimmer entlassen.

 

Einen weiteren Tag später rief meine Frau mich an und war völlig aufgeregt. Der Sanitätsdienst hat sich bei ihr telefonisch gemeldet. Sie war wie jeden Werktag zur Arbeit gegangen und daher nicht zu Hause. Der Sanitätsdienst stand wohl mit einem georderten Pflegebett vor der Tür. Ein Pflegebett? Ich dachte, ich soll entlassen werden. Ich verstand die Welt nicht mehr. Also habe ich die Stationsärztin kommen lassen und sie gefragt, was denn los ist und was das alles bedeuten soll. Sie meinte nur lapidar, dass alles wäre doch selbstverständlich. Bei einer "Hinterkantenbeteiligung³ müsste ich auf jeden Fall 6 Wochen liegen und nicht nur drei. Aber die letzten drei Wochen könne ich auch zu Hause liegen, das würde ja nicht mehr schaden. Man hab ich mich gefreut. Nach Hause. Zwar weiterhin liegen, aber doch immerhin nach Hause. Als sie gerade das Zimmer verlassen wollte, teilte mein letzter verbliebener Zimmergenosse ihr mit, dass er sich entschieden hat seinen Bandscheibenvorfall operativ behandeln zu lassen. Dass das eine Verlegung auf eine andere Station zur Folge hat und dass diese Verlegung auch für mich Folgen haben würde, war mir natürlich nicht klar. Wer würde auch damit rechnen, dass die Operation eines anderen Menschen Einfluss auf die eigene Person hat.

 

Am nächsten Tag war ich schon völlig gespannt, wann denn endlich der Transport nach Hause beginnen würde. Aber es tat sich überhaupt nichts. Ich habe natürlich nachgefragt, warum ich denn nun nicht endlich abgeholt werde. Die Antwort kam prompt. "Sie müssen hier mindestens sechs Wochen im Krankenhaus bleiben. Das haben wir Ihnen doch schon gesagt."

 

Ich weiß bis heute nicht, wem die Ärzte das gesagt haben wollen. Mir jedenfalls nicht. Auch meine Frau wusste nichts davon und wartete zu Hause auf die erneute Anlieferung des Pflegebetts. Aber da tat sich auch nichts.

 

Nun wurde ich doch etwas ungehalten. Wer 1 und 1 zusammenzählt, dem wird ganz schnell folgendes klar: besser ein Patient in einem 3-Bett-Zimmer, als kein Patient in einem Zimmer. Auf der Abrechnung bzw. in der Bilanz der Station sieht das bestimmt viel schöner aus. Spontan wurde mir klar, wie verheerend die Pro-Operations-Entscheidung meines Bettnachbarn für mich war.

 

Da ich mir den ungenügenden Pflegezustand, das Entlassungshickhack und die Ärztin, die ausschließlich mit Unverständnis auf meinen Frust reagierte nicht länger gefallen lassen wollte, habe ich die Fäden telefonisch in die Hand genommen. Ich habe mit der Berufsgenossenschaft telefoniert und mir eine Kostenfreigabe für das Pflegebett und den Krankentransport geholt. Anschließend noch dafür gesorgt, dass die BG das Pflegebett auch gleich in Auftrag gibt und zu Hause anliefern lässt usw.

 

Als alles erledigt war (Bett geliefert und aufgebaut etc.), habe ich mich gegen "ärztlichen Rat" aus dem Krankenhaus abtransportieren lassen. Gegen den "ärztlichen Rat" müsste eigentlich richtiger "gegen ärztlichen Unsinn" heißen.

 

Zu Hause angekommen, konnte ich dann - endlich und das erste Mal - den von meiner Frau angelegten Garten bewundern. Das ist so Besonders, weil wir erst einen Monat vor meinem Unfall in das neue Haus eingezogen sind. Eigentlich wollte ich sehr viel in Eigenleistung erbringen. Vieles davon werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr schaffen, da ich dazu körperlich gar nicht mehr in der Lage bin. Aber darüber habe ich mir zu dem Zeitpunkt noch gar keine Gedanken gemacht. Ich war einfach nur glücklich, dass ich endlich zu Hause war.

 

Endlich konnte ich wenn auch nur im Pflegebett liegend wieder am Familienleben teilnehmen. Das war für mich nach den Wochen im Krankenhaus wirklich das größte.

 

Um ein medizinisches Risiko weitestgehend auszuschließen hatten wir einen Pflegedienst beauftragt zumindest einmal täglich nach mir zu sehen. Wir haben dafür die Mittagszeit ausgesucht, da morgens und abends meine Frau (eigentlich waren wir ja nur verlobt) die Pflege übernommen hat und ja schließlich "nebenbei" noch einen 8-Stunden-Tag zu arbeiten hatte. Wir wollten aber sicher gehen, dass nichts schief geht und regelmäßig ein Fachmann die ganze Geschichte begutachtet und somit überwacht. So konnte ich dann auch mittags mal "auf Toilette", da mir der Pflegedienst dann das Steckbecken gebracht und die anschließende Körperhygiene übernommen hat. Ich war zwar vormittags allein, aber nachmittags kam dann "unser" Sohn aus der Schule und so hatte ich immer etwas Bewegung im Haus und die Abwechslung, die mir im Krankenhaus total gefehlt hat.

 

Nach weiteren dreieinhalb Wochen (also nach 6,5 Wochen liegend) war es dann endlich soweit. Ich wurde von einem KTW[vi] abgeholt und in das Allgemeine Krankenhaus Pinneberg gebracht. Hier wurde mittels Röntgen und MRT[vii] festgestellt, dass der Wirbel soweit "ausgeheilt³ ist, dass ich mit Hilfe einer Orthese[viii] das Pflegebett verlassen darf. Die Rehamaßnahmen sollten nach Aussage des D-Arztes[ix]schnellstmöglich beginnen, um die vollkommen geschwächten Muskeln wieder "auf Trab³ zu bringen. Klar. Nach 6,5 Wochen Liegezeit hatte ich keine Beine mehr, sondern nur noch "Zahnstocher".

 

Der Arzt hat mir gesagt, ich dürfe mich nur "isometrisch" bewegen. Das sollte heißen, dass ich keine Drehung oder Beugung in die Wirbelsäule bringen darf, um die Wirbelheilung nicht zu beeinflussen. Da ich das schon von meinem ersten Wirbelbruch vor 20 Jahren kannte, hatte ich damit auch überhaupt keine Probleme. Ärgerlich daran ist aber, dass die Rückenmuskulatur eine so starre Haltung annehmen muss, dass daraus wieder Verspannungen resultieren können, die ebenfalls recht schmerzhaft sind.

 

Für den Anfang hat er mir therapeutische Übungen verordnet, die dem Muskelaufbau dienen sollten. Also Spannungsübungen mit einem therapeutischen Gummiband und solche Dinge.

 

Später kam dann eine Bewegungstherapie im Wasser dazu. Im Wasser ist das Eigengewicht des Körpers nicht so hoch und dadurch die Belastung für den gebrochenen Wirbel reduziert. Das war die Voraussetzung dafür, dass ich zumindest für diese Übungen die Orthese abnehmen durfte, solange ich stehen musste. Sonst durfte ich sie nur abnehmen, wenn ich mich abends ins Bett gelegt habe. Zeitweise hatte ich im Wasser "Schwindelanfälle³, die ich immer auf die lange Liegezeit und die daraus resultierende Entkräftung geschoben habe. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wann ich dieses "mobile Gefängnis" gänzlich ablegen durfte.

 

Im Januar 2004 war dann die "große Stunde". Mein D-Arzt hatte entschieden, dass es Zeit wäre, eine Arbeits-Belastungserprobung nach dem "Hamburger Modell"[x] durchzuführen. Ich sollte in der ersten Woche jeweils zwei Stunden, dann eine Woche jeweils drei Stunden, dann eine Woche jeweils fünf und danach wieder Vollzeit arbeiten gehen. Die Berufsgenossenschaft, mein Arbeitgeber und ich hatten zugestimmt und so ging es los.

 

In der dritten Woche angekommen, sollte ich nun fünf Stunden täglich arbeiten. Schon bei den täglich drei Stunden hatte ich aber Schwierigkeiten. So habe ich mich entschlossen, die Dosis der Schmerzmittel (Ibu) zu erhöhen, um die fünf Stunden auch durchzustehen. Ich dachte das wird schon werden und ich müsse mich an die Belastung nur gewöhnen. Leider hat dieser Plan überhaupt nicht geklappt. Die Schmerzen waren trotz der hohen Dosis

unerträglich. Also bin ich wieder zum D-Arzt und habe ihm die Situation geschildert. Er hat beschlossen, die Erprobung für eine Woche zu unterbrechen. In dieser Woche habe ich erneut Reha-Anwendungen erhalten. In der ersten Februarwoche ging es dann erneut mit fünf Stunden täglich in den Arbeitsversuch. Gleich am ersten Tag musste ich aber feststellen, dass sich nichts geändert hatte. Trotz relativ hoher Dosierung der Schmerzmittel war der Tag kaum zu überstehen.

 

Den Abend habe ich dann mit meiner Frau zu hause verbracht. Sie hatte sich eine Pizza gemacht und ich lag auf dem Sofa. Sie wollte etwas essen weil sie den ganzen Tag überhaupt keine Zeit zum Essen gehabt hat und zusammen wollten wir Fernsehen gucken. Plötzlich hatte ich das Gefühl mein Herz würde im Hals und nicht mehr in der Brust schlagen. Dazu kam der Eindruck, dass einige Herzschläge einfach fehlten. Ich hab also meine Frau gebeten, meinen Puls zu fühlen. Sie meinte zwar sie hätte keine Ahnung davon, konnte aber die "fehlenden" Schläge ebenfalls spüren. Da hab ich Angst bekommen und sie gebeten, bitte den Notdienst anzurufen und zu uns zu bestellen. Der später eingetroffene Rettungsdienst machte ein kurzes EKG[xi] und sah sich gezwungen einen Notarzt dazuzubestellen. Da ich als ehemaliger Rettungsschwimmer wusste, wann ein Sanitäter einen Notarzt rufen muss, wusste ich sofort, dass mit meinem Herzen wirklich etwas nicht in Ordnung war.

 

Der Notarzt war ziemlich schnell nach der Alarmierung vor Ort. Nun standen 2 Autos mit eingeschaltetem Blaulicht vor unserer Haustür. Ich kann nicht sagen warum, aber irgendwie war mir das peinlich. So viel "Rummel". Nur um mich. Jedenfalls hat mir der Notarzt erklärt, dass ich Extrasystolen[xii] habe und die hätten ganz viele Menschen. Ich solle mir keine Sorgen machen und eine Einweisung ins Krankenhaus würde nichts bringen. Die würden mir das Gleiche erzählen und mich wieder nach Hause schicken.

 

Irgendwie ist so was ja schon beruhigend. Auch wenn es mir in dem Moment total egal war, ob wenige, einige oder viele andere auch darunter leiden. ICH hatte Angst und MIR ging es gar nicht gut. Das interessiert wiederum aber niemanden anderen (es gibt wenige Ausnahmen) so richtig.

 

Am folgenden Tag ging ich also wieder "zur Arbeit". Fünf Stunden sollten es werden. Ich hatte mich wieder gut mit Schmerzmitteln präpariert aber geholfen hat es nicht. Nach ungefähr drei Stunden war ich am Ende. Mir standen die Tränen in den Augen und ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten, so groß waren die Schmerzen. Ich habe also meinem Chef bescheid gesagt und mich wieder auf den Weg ins Krankenhaus zu meinem D-Arzt gemacht. Er war gar nicht überrascht mich zu sehen und meinte nur, dass damit die Arbeits-Belastungserprobung gescheitert und die Therapie damit abgeschlossen sei.

 

Hallo? Die Therapie abgeschlossen? So schlecht wie es mir geht? Wie geht denn so was?

 

Es gibt offenbar eine ganz einfache Erklärung. Ein D-Arzt darf nur 2 mal versuchen, ob die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt werden kann. Misslingt das, muss er die Behandlung abbrechen und die Verletzung als austherapiert an die Berufsgenossenschaft melden. Das soll nicht heißen, dass nun alles beendet wäre. Es heißt nur, dass eine weitere Behandlung in der bisherigen Form keine Erfolgsaussichten mehr hat und daher eine Entscheidung über eine Berufsunfähigkeitsrente bzw. über eine Arbeitsunfähigkeitsrente erfolgen muss.

 

Damit waren also per sofort alle Tätigkeiten eingestellt. Von Anfang Februar bis Anfang März tat sich gar nichts mehr. Keine Reha, keine Untersuchungen. Anfang März wurde ich dann in das BG-Unfallkrankenhaus "Boberg" in Hamburg-Bergedorf bestellt. Hier sollte eine stationäre Rehabilitation den gewünschten Erfolg bringen. Ich war zwar wenig begeistert unser "schönes Rohbau-Zuhause" wieder verlassen zu müssen, ging aber mit der Hoffnung, dass dort entsprechende Erfolge und Fortschritte erzielt werden könnten.

 

Am ersten Tag war nur die Aufnahme-Prozedur. Also Formulare über Formulare. Das Krankenhaus ist gut organisiert. So ging das zumindest relativ schnell und reibungslos. Am zweiten Tag bekam ich das "Rezept" von meinem Stationsarzt, mit dem ich dann "loszuckeln" durfte, um mir in den verschiedenen Einrichtungen des Krankenhauses entsprechende Behandlungstermine geben zu lassen. Also zum Schwimmbad, zur Massage, zur Physiotherapie und zur Fango-Abteilung. Alle Termine bekommen. Super dachte ich. Prima Krankenhaus. Warum war ich nicht sofort nach dem Unfall hier? Am dritten Tag ging es dann mit den Anwendungen los. Relativ schnell bemerkte ich jedoch, dass ich irgendwie ein Problem mit meinem Kreislauf habe. Ständig war mir schwindelig und von Zeit zu Zeit sogar übel. Je nach Anstrengung. Als ich das meinem Stationsarzt erzählte, schickte der mich sofort zum hauseigenen Internisten. Der verpasste mir ein mobiles 24-Stunden-EKG und wollte die Ergebnisse am nächsten Tag, also nach! den Anwendungen auswerten.

 

Am nächsten Tag ging ich wieder ganz normal in die Sporthalle, um dort meine Übungen an den verschiedenen Geräten zu absolvieren. Eine Therapeutin war ständig an meiner Seite, da ich noch nicht alle Übungen kannte und somit eine Einweisung brauchte. Als dann eine Übung beendet war (wo man auf dem Rücken liegt, die Füße etwa 30 cm über dem Boden in Schlaufen hängen und man dann so den Po in die Höhe heben soll) und wir zum nächsten Gerät gehen wollten, bekam ich wieder dieses Herzschlagen im Hals, mir wurde schwindelig und ich sackte mitten in der Turnhalle zusammen. Ich war zwar nicht Ohnmächtig, aber der Trubel wurde plötzlich riesengroß. Diverse Ärzte wurden über Notruf dazugeholt, Chirurgen, Internisten, Neurologen. Plötzlich war ich von mindestens 10 Personen "umzingelt³, die sich wirklich alle Mühe gegeben haben, damit es mir schnell etwas besser geht. Ganz eilig wurde ein Rollstuhl geholt, mit dem ich sofort in die Ambulanz geschoben wurde. Hier wurde zusätzlich zum an geschlossenen 24-Stunden-EKG noch ein "normales³ EKG angeschlossen, um sofort sehen zu können, was mit dem Herzen los ist. Das Ergebnis war wohl eine ausgeprägte Extrasystolie. Die Übungen waren jedenfalls für diesen Tag beendet. Am nächsten Tag wurde ich dann zu einem Belastungs-EKG bestellt. Was soll ich großartig schreiben? Nach kurzer Zeit wurde die Belastung abgebrochen, weil sich eine ausgewachsene Tachykardie offenbarte, die schon ins Kammerflimmern[xiii] überzugehen schien. Damit war auch diese Untersuchung ganz spontan beendet.

 

Am nächsten Tag wurde mir vom Stationsarzt mitgeteilt, dass das Krankenhaus mich entlässt, damit von einem Kardiologen der genaue Ursprung bzw. die genaue Ursache dieser Herzrhythmusstörungen ermittelt werden kann. Eine weitere Therapie wäre ohne diese Untersuchung einfach zu gefährlich und ggf. lebensbedrohlich.

 

Ich ließ mich also von meiner Frau wieder aus dem Krankenhaus abholen und versuchte einen Kardiologen zu finden, der bereit und in der Lage war mich umgehend zu untersuchen. Wie ich schnell merken musste, sind Wartezeiten (auf einen Termin) von sechs und mehr Wochen keine Seltenheit. Direkt an meinem Wohnort habe ich dann einen gefunden, der mich schon nach zwei Tagen untersuchen wollte. Die Untersuchung zeigte wieder die Extrasystolen und sie zeigte auch die Tachykardie. Also auch hier wieder ein plötzlicher Abbruch der Untersuchung. Das letzte, was ich von ihm hörte war, dass er das Ergebnis umgehend / schnellstmöglich an das BG-Krankenhaus schickt, damit dort die weitere Vorgehensweise besprochen werden kann.

 

Als nach ca. vier Wochen noch immer kein Bericht vom Kardiologen vorlag, wurde ich einfach wieder zur stationären Therapie bestellt. Grundsätzlich war es das gleiche Prozedere, wie schon beim ersten Mal. Erst die Formulare, dann das Gespräch mit dem Stationsarzt wegen dem "Rezept". Diesmal bekam ich aber weder Fango, noch Massage. Die wärme wäre für mein schwaches Herz zu gefährlich und sollte daher vermieden werden. Also nur Sporthalle, Bewegungsbad und Physiotherapie beim Therapeuten. Wieder loslaufen und die Termine holen. Am nächsten Tag war gleich die erste Anwendung. Ich stand mit einem Therapeuten zusammen, der schon bei meinem Zusammenbruch dabei war und er erklärte mir eine Hantelübung zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Ich hatte von ihm schon die leichtesten Hanteln bekommen die vorhanden waren (1kg je Hantel war es glaube ich) und trotzdem sollte ich nach nur zwei Übungen aufhören. "Du wirst so blass. Hör mal lieber auf." war sein Kommentar. Nachdem er den Stationsarzt telefonisch über seine Beobachtung unterrichtet hatte bekam ich die prompte Quittung. Sofortiger Abbruch der Therapie. Die Ärzte wollten erstmal diskutieren, wie es weitergehen kann.

 

Am nächsten Tag bekam ich die Entscheidung. Abbruch der gesamten Maßnahme und sofortige Entlassung aus dem Krankenhaus. "Na toll³ hab ich noch gedacht. Das scheint ja doch nicht so ungefährlich zu sein, wie mir der Notarzt im Februar glauben machen wollte.

 

Von diesem Zeitpunkt an begann die Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft, die bis dahin fast schon freundschaftlich war und super gut funktionierte, etwas nervig und stressig zu werden. Die Berufsgenossenschaft wollte ein Gutachten über den Zusammenhang von Unfall und Herzrhythmusstörungen erstellen lassen. Die Aussage: "Das hängt nicht zusammen und daher sind wir nicht haftbar³ sollte bestätigt werden. Schließlich war ich nicht therapierbar und arbeitsfähig war ich so auch nicht. Das hätte also einen Rentenanspruch von 100% bedeutet und der wäre vermutlich sehr teuer geworden. Plötzlich wurde die freundliche BG zur knallhart kalkulierenden Institution, der die Gesundheit eines Menschen und die Existenz seiner Familie vollkommen egal zu sein scheint.

 

Ich wurde von einem Spezialisten zum nächsten geschickt. Ultraschall-Untersuchung des Herzens, Myokardzintigraphie und Herzkatheteruntersuchung brachten aber keine Ursachenklärung. Ursache unbekannt war die Aussage aller Ärzte. Daraus folgerten alle Ärzte dann, dass ein Zusammenhang mit dem Unfall zu 100% ausgeschlossen ist. Es handele sich um einen Zufall.

 

Ich kann bis heute nicht begreifen, wie man so dreist sein kann. Wenn ich den Grund für etwas nicht kenne, es aber durchaus einen möglichen Grund gibt den ich heute nur nicht mehr nachweisen kann, dann kann ich doch nicht behaupten, dass der mögliche Grund auf gar keinen Fall die Ursache sein kann.

 

Ärzte können das aber. Ich frage mich, ob das etwas damit zu tun hat, wer den Auftrag für die Untersuchung erteilt und damit die Rechnung bezahlt hat. Zu gut deutsch: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Oder noch deutlicher: Erstellt der Arzt bewusst diese Art von Gutachten, um die Berufsgenossenschaft als Auftraggeber für andere/weitere Gutachten nicht zu verlieren?

 

Da das schriftliche Gutachten aber wieder auf sich warten lies, bestellte mich die BG ein drittes Mal in das Unfallkrankenhaus zur Rehabilitation. Der Chefarzt der Ambulanz, welcher die Aufnahme durchführen sollte, schämte sich nicht mal in Gegenwart meiner Frau mich als Simulanten zu bezeichnen und zu behaupten, dass - wenn ich entlassen würde ich gesund das Krankenhaus verlasse. Die Aufnahmeuntersuchungen und Beschimpfungen durch den Arzt dauerten ungefähr 30 Minuten. Als er damit soweit fertig war, wurden wir (meine Frau und ich) aufgefordert, auf dem Flur zu warten. Er wollte mit der mittlerweile eingetroffenen Berufshelferin der Berufsgenossenschaft unter "vier Augen" sprechen.

 

Nach weiteren 60 Minuten wurden wir wieder hineingerufen. Der Tonfall des Arztes hatte sich merklich verändert. So freundlich hatte ich ihn noch nie gesehen. Warum das so war? Wir sollten es nur wenige Sekunden später erfahren. Die Berufshelferin hatte das schriftliche Gutachten mitgebracht, das inzwischen bei der BG eingetroffen war. Aus diesem Gutachten ging wohl für den Arzt ganz deutlich hervor, dass ich kein Simulant bin, sondern ernsthaft krank. "Eine Aufnahme erfolgt aus Gründen der Sicherheit für Ihr Leben nicht." Waren seine Worte, die mir noch heute im Ohr klingen, als wäre es eben gerade erst gewesen. Nach nur drei Stunden konnte/musste ich das Krankenhaus wieder verlassen. Gesund so wie der Arzt es rausposaunt hatte war ich aber durch diese drei Stunden nicht geworden.

 

Da die BG nun keine Möglichkeit mehr hatte, sich um eine Rente zu "drücken", indem man mich einfach therapiert und dadurch gesund macht, wurde mir eine Erwerbsminderungs-Rente in Höhe von 20% bis zum Ende des Jahres bewilligt und der Fall für die BG zu den Akten gelegt. Nur 20%. Ja. Mehr sollen meine Rückenschäden nicht ausmachen und den Zusammenhang der Herzschädigung mit dem Unfall bestreitet man noch heute, ist also dafür nicht haftbar. Dass ich allein wegen der Rückenschmerzen maximal zwei bis drei Stunden täglich arbeiten kann wird ebenfalls bestritten. Es gibt Tabellen, in denen ganz klar steht, dass ein Brustwirbelbruch nach ca. sechs Wochen verheilt ist und nach spätestens sechs Monaten keine Probleme mehr verursacht. Ich kann mich ja bei der BG dafür entschuldigen, dass ich ein Mensch bin. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Angaben in der Tabelle bei mir nicht stimmen. Scheint ja meine Schuld zu sein. Ansonsten wäre nicht ich dafür verantwortlich, dass ich nicht arbeiten kann, sondern die BG. Und wenn die verantwortlich wäre, würde ich entweder therapiert oder würde eine entsprechende Rente bekommen. Mir wäre die Wiederherstellung meiner Gesundheit übrigens viel lieber, als eine Rente. Denn mit (heute) 39 Jahren fühle ich mich nicht als Rentner.

 

Die Berufshelferin hat mir dann noch den Tipp gegeben, auch bei der BfA eine Rente wegen Arbeitsunfähigkeit zu beantragen. Was ich dann auch im September 2004, also ein Jahr nach dem Unfall, getan habe.

 

Nun habe ich also drei Gegner, gegen die ich kämpfen darf. An erster Stelle ist die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers, an zweiter Stelle die Berufsgenossenschaft und an dritter Stelle die Bundesversicherungsanstalt. Die drei bestreiten Zusammenhänge, Auswirkungen, Nachteile, Schmerzen etc. Ich muss beweisen, dass ich Schmerzen habe. Ich muss beweisen, dass meine Herzprobleme mit dem Unfall zusammenhängen etc. Aber wer hat schon einen Kardiologen dabei, der während des Unfalls Messungen vornimmt und damit feststellen kann, was genau in der Sekunde mit dem Herz passiert ist. Was definitiv feststeht ist, dass ich vor dem Unfall keine Probleme mit meinem Herz hatte.

 

Fortsetzung folgt?