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21-6-2006 - Hans-Joachim Lenz

Protest - Anmerkung zu einem Leserbrief

Leserbrief Hans-Joachim Lenz

Den Unmut in dem Leserbrief vom 21.05.06 (K.-P. Sandmann) kann ich nur unterstützen. Alte Reformen haben noch gar keine Chan-ce gehabt zu wirken, da wird erneut reformiert. Mal abgesehen von dem üblichen Ärger - Kostensteigerung, Leistungseinschrän-kung - ist folgender Trend kritisch zu sehen:

In der Auseinandersetzung mit den Reformen vermisse ich einen Protest gegen die zunehmende Bürokratisierung im Gesundheits-wesen.

 

Beispiel 1: Antrag auf Befreiung - Diagnosen müssen offen ge-legt werden, die Entscheidung über das Vorliegen einer chroni-schen Erkrankung trifft die GKV. Wer stellt die Diagnosen künftig: mein betreuender Arzt oder ein Sachbearbeiter der GKV? Hier wird ärztliche Entscheidungskompetenz abgegeben.

 

Beispiel 2: Einführung der elektronischen Gesundheitskarte: von einem selbstbestimmtem Umgang mit den eigenen Daten kann künftig nur noch geträumt werden, wenn alles erfasst, gespei-chert wird. Wie soll man die Möglichkeit haben, eine unvorein-genommene zweite Meinung einzuholen? Und: mit weiterer Trans-parenz kann der Rotstift noch leichter gezückt werden.

Welche Richtung eingeschlagen wird, kann man an den Entschei-dungen z. B. über die (Nicht-)Verschreibbarkeit von bestimmten Insulinpräparaten sehen - obwohl medizinisch nicht begründ-bar, erfolgt die Kürzung allein aus "Kostengründen". Hier ent-scheiden Bürokraten über unsere Gesundheit, nicht die Ärzte. Wo bleibt der offene Protest aller Betroffenen? Was lassen wir uns noch alles bieten?

 

Hans-Joachim Lenz