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Wirtschaftliche Spaltung wächst

Dass der Aufschwung „bei den Menschen ankommt“, ist ein Wunsch, der in der Politik oft geäußert wird. Doch die Zahlen zeigen leider etwas anderes. Zwei Untersuchungen belegen, dass die Unterschiede bei Einkommen und Vermögen in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind.

Gleich zwei Studien haben sich aktuell mit der Vermögensverteilung in Deutschland beschäftigt. Beide kommen zu dem Fazit: Die Ungleichheit ist stark ausgeprägt und hat in den letzten Jahren zugenommen.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat die Einkommensentwicklung in den letzten Jahren untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schere zwischen den verfügbaren Einkommen sich immer weiter öffnet und 2016 – im letzten Jahr der Untersuchung – einen neuen Höchststand erreichte. Die Autorinnen Dorothee Spannagel und Katharina Molitor führen das darauf zurück, dass hohe Einkommensgruppen von den steigenden Kapital- und Unternehmenseinkommen profitiert haben.

Die unteren 40 Prozent haben dagegen deutlich geringere Zuwächse erzielt. Die ärmsten zehn Prozent hatten Ende 2016 real sogar weniger Einkommen zur Verfügung als 2010.

Arme Haushalte immer weiter abgehängt

Das Institut warnt vor einer zunehmenden wirtschaftlichen Polarisierung der Gesellschaft. Denn während die Einkommen im oberen Bereich und auch in der Mitte wuchsen, sind ärmere Schichten noch weiter abgehängt. Die sogenannte „Armutslücke“, die anzeigt, wie viel Geld einem durchschnittlichen armen Haushalt fehlt, um nicht mehr als armutsgefährdet zu gelten, ist um fast ein Drittel auf 3.452 Euro im Jahr gestiegen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat dagegen untersucht, wie das Vermögen in Deutschland verteilt ist. Die Bevölkerung ab 17 Jahren verfügte danach im Jahr 2017 über durchschnittlich knapp 103.000 Euro. Das ist ein Fünftel mehr als noch vor fünf Jahren. Was sich nach sehr viel Reichtum anhört, ist bei einem genaueren Blick allerdings problematisch.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Wert, der die reichere von der ärmeren Hälfte trennt, bei 26.000 Euro liegt. Damit ist er weit unter dem Durchschnittswert. Dies ist Zeichen einer ungleichen Vermögensverteilung.

Die reichsten zehn Prozent besitzen den aktuellen Zahlen zufolge mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung nur 1,3 Prozent des Gesamtvermögens hält. Das oberste eine Prozent besitzt dabei 18 Prozent des Gesamtnettovermögens – so viel wie die unteren drei Viertel zusammen. Immerhin 15 Prozent verfügen über gar kein Vermögen.

Wie kann die Gesellschaft gerechter werden?

Auch die Untersuchung des DIW kommt zu dem Ergebnis, dass das Vermögen der obersten zehn Prozent in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Der Studienautor Markus Grapka führt das ebenfalls auf den Wertgewinn von Immobilien und Betriebsvermögen zurück.

Beide Institute leiten aus ihren alarmierenden Befunden Konsequenzen ab. Das DIW macht sich für bessere Möglichkeiten zur Vermögensbildung und Förderung von privatem Immobilienbesitz stark. Das WSI fördert dagegen Maßnahmen zur Umverteilung wie die Wiedereinführung der Vermögensteuer, einen höheren Spitzensteuersatz und einen höheren Mindestlohn. Dies sind Vorschläge für eine gerechtere Gesellschaft, die auch der SoVD begrüßt.