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Von der Pflege in die Armut

Pflegebedürftige und Angehörige sind finanziell immer stärker überfordert

Wer auf Pflege angewiesen ist, muss immer mehr selbst bezahlen – trotz  Pflegeversicherung. Denn diese zahlt nur einen festgelegten Betrag, der längst nicht mehr ausreicht. Für Leistungsverbesserungen kommen also allein Pflegebedürftige und Angehörige auf. Zu deren Entlastung fordert der SoVD daher eine Reform, welche die Pflegekosten solidarisch verteilt und eine bedarfsgerechte Versorgung sicherstellt.

In Deutschland sind über drei Millionen Menschen pflegebedürftig. Der überwiegende Teil von ihnen wird zu Hause betreut, etwa jeder Vierte lebt in einer stationären Einrichtung. Die Betroffenen und ihre Angehörigen sind immer häufiger körperlich, seelisch und vor allem finanziell überfordert. An dem letzten Punkt sollte eigentlich die 1995 eingeführte Pflegeversicherung etwas ändern. Diese deckt jedoch nicht alle im Pflegefall tatsächlich anfallenden Kosten ab. Und genau das wird immer mehr zum Problem.

Pflegebedürftige werden zur Kasse gebeten

Je nach Hilfebedarf und Pflegegrad stellt die Pflegeversicherung finanzielle Mittel bereit. Diese reichen für den tatsächlichen Bedarf jedoch oft nicht aus. Die Differenz muss der Pflegebedürftige ausgleichen. Heimbewohner bezahlen obendrein für Unterbringung und Verpflegung sowie eine zusätzliche Umlage für Investitionen der Heimträger. Im Durchschnitt fallen so jeden Monat fast 2.000 Euro zusätzliche Kosten an.

Doch nicht allein die Pflegebedürftigen selbst sind auf diese Weise schnell von Armut bedroht. Wer sich etwa rund um die Uhr um einen Angehörigen kümmert, kann „nebenher“ kaum noch einer bezahlten Beschäftigung nachgehen.

Es sind weiterhin vor allem Frauen, die pflegerische Aufgaben innerhalb der Familie übernehmen und somit alltäglich einer doppelten Belastung ausgesetzt sind. In ihrer Not wenden sie sich verstärkt auch an die Beratungsstellen des SoVD. Das dabei immer wieder zutage tretende Dilemma bringt Verbandspräsident Adolf Bauer auf den Punkt: „Die finanzielle Überforderung treibt insbesondere pflegende Frauen in die Armut.“

Um anhand detaillierter Fakten Abhilfe schaffen zu können, gab der SoVD ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse demnächst vorgestellt werden sollen.

SoVD: Pflegerisiko solidarisch absichern!

Positiv bewertete der SoVD zuletzt das Angehörigen-Entlastungsgesetz, wonach  Kinder und Eltern pflegebedürftiger Familienmitglieder sich künftig erst ab einem Bruttojahreseinkommen von 100.000 Euro an den Pflegekosten beteiligen müssen. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Pflege in Deutschland nur unzureichend abgesichert ist. Schon heute ist jeder dritte Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen. Eine tragfähige und vor allem gerechte Finanzierung sieht anders aus.

Der SoVD spricht sich dafür aus, die Systeme der sozialen und privaten Pflegeversicherung zu einem solidarischen Umlagesystem zusammenzuführen. Mit einer solchen Bürgerversicherung würden finanzielle Mittel freigesetzt, durch die Leistungen nach dem tatsächlichen Bedarf gewährt werden könnten. Ein solches Prinzip, in dem Nichtbedürftige für Bedürftige eintreten, käme ohne Zuzahlungen und Eigenanteile aus.

Die SoVD-Broschüre zu einer „Solidarischen Pflege-Bürgerversicherung“ finden Sie online unter www.sovd.de. („Publikationen“ / „Broschüren und Ratgeber“).

Das fordert der SoVD

Auf der 21. Bundesverbandstagung des SoVD stimmen die Delegierten auch über einen Antrag zur Pflegeversicherung ab. Darin wird die Bundesregierung dazu aufgefordert, die Pflegeversicherung zu einer solidarischen Vollversicherung mit Sachleistungscharakter weiterzuentwickeln, um künftig eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung zu ermöglichen.