Sozialverband Deutschland e.V. > Informieren > SoVD-Zeitung > Neues aus der SoVD-Zeitung > Elektroautos – die "leise Gefahr"


Elektroautos – die "leise Gefahr"

SoVD fordert Einbau eines Warngeräusches zum Schutz von Fußgängern

Saubere Luft, weniger Lärm: Das klingt verlockend. Doch blinde oder sehbehinderte Menschen nehmen lautlose Elektroautos im Straßenverkehr nicht rechtzeitig wahr. Gefährdet sind ebenso Kinder, ältere und weniger aufmerksame Verkehrsteilnehmer. Der SoVD fordert daher gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) den Einbau von Warngeräuschen in Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren vor allem dadurch, dass sie keine Abgase produzieren. Wohl auch deshalb kommen gerade in großen Städten immer mehr Elektrofahrzeuge zum Einsatz. Statt Benzin oder Diesel benötigen sie Strom, um sich durch den meist dichten Verkehr zu bewegen. Von herkömmlichen PKW grenzen sie sich jedoch in einem weiteren Punkt ab, der immer häufiger zu einer Gefahr wird: Durch ihre lautlosen Motoren bemerken Fußgänger oder Radfahrer die sich ihnen nähernden Elektroautos erst spät – manchmal zu spät.

Mehr Unfälle mit E-Autos

Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb bewegen sich bis zu einem Tempo von etwa 30 km/h nahezu geräuschlos. Bei höherer Geschwindigkeit sind sie durch die Abrollgeräusche der Reifen dagegen ähnlich laut wie herkömmliche Autos.

In den USA kennt man das Problem schon länger. Eine Studie der amerikanischen Verkehrsbehörde ergab ein deutlich höheres Unfallrisiko für Fußgänger im Vergleich zu Diesel- oder Benzinautos.

Die Europäische Union (EU) hat beschlossen, dass alle neuen Typen elektrisch angetriebener Kraftfahrzeuge ab Juli 2019 verpflichtend mit einem künstlichen Geräuschgenerator ausgestattet sein müssen. Dieser ahmt bei niedrigen Geschwindigkeiten den Klang eines herkömmlichen Motors nach. Ab Juli 2021 müssen dann alle in der EU erstmals zugelassenen Elektrofahrzeuge, also auch die älteren Automodelle, Warngeräusche abgeben.

Warnsysteme erforderlich

Lautlose Autos stellen jedoch nicht erst in zwei Jahren eine Gefahr dar. Unabhängig von den gesetzlichen Regelungen appelliert der SoVD daher gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) an die Autobesitzer, ihre Fahrzeuge mit einem Warnsystem nachzurüsten. Auch beim Neukauf sollte auf eine entsprechende Ausstattung geachtet werden. Dadurch würde eine gravierende Sicherheitslücke geschlossen, was letztlich im Interesse aller Verkehrsteilnehmenden wäre.

Gefahren auf Gehwegen

Längst sind Fußgänger nicht allein beim Überqueren der Straßen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Auch auf Gehwegen lauern zunehmend Gefahren. Das zeigte sich erst kürzlich angesichts der Überlegungen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Elektrorollern das Befahren von Gehwegen grundsätzlich zu gestatten.

Dagegen regte sich jedoch in zahlreichen Bundesländern Widerstand. Der Gedanke lautlos über den Bürgersteig huschender E-Roller, welche die langsameren Fußgänger umkurven, behagte vielen Landespolitikern überhaupt nicht. In letzter Minute stimmten sie daher im Bundesrat gegen Scheuers Pläne.

Mangelndes Problembewusstsein

Die Mitglieder des Bundesrates haben beschlossen, dass elektrische Tretroller ausschließlich für Radwege oder Radfahrstreifen zugelassen werden. Für die Umsetzung dieser Vorgaben ist nun die Bundesregierung zuständig.

Auch ohne E-Roller bleiben die Fußwege umkämpft: Verkehrswidrig geparkte Autos, sperrig abgestellte Fahrräder, Werbetafeln sowie Tische und Stühle von Straßencafés erschweren häufig das Weiterkommen zu Fuß. Hier, wie auch bei den durch lautlose Elektrofahrzeuge verursachten Gefahren, mangelt es oftmals an einem Problembewusstsein. Als Gegenmittel sei an die oberste Regel im Straßenverkehr erinnert, an die gegenseitige Rücksichtnahme.