Sozialverband Deutschland e.V. > SoVD-Zeitung > Neues aus der SoVD-Zeitung > Inklusion beginnt mit den Jüngsten


Inklusion beginnt mit den Jüngsten

24 Jahre Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Der 5. Mai ist längst nicht mehr nur für sozialpolitisch engagierte Personen und Organisationen ein fester Termin im Kalender. Auch in der Öffentlichkeit wird der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung immer stärker wahrgenommen. Vor 24 Jahren ins Leben gerufen, verfolgt er das Ziel, auf die Situation der in Deutschland lebenden Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass alle gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können.

Entstanden ist der europaweite Protesttag 1992; in Deutschland auf Initiative des Vereins „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e. V.“ (ISL), einer Selbstvertretungsorganisation von behinderten Menschen. Die Aktion Mensch bündelt seit vielen Jahren das Engagement rund um den 5. Mai. Ausgehend von der sozialpolitischen Lage wird Jahr für Jahr ein übergreifendes Motto entwickelt. Unter dieses können die Organisationen und Verbände ihre Veranstaltungen stellen. Wie groß und wachsend das Interesse ist, belegen auch Zahlen: Als die Organisation den Aktionstag 1998 zum ersten Mal unterstützte, gab es rund 100 Veranstaltungen. 2014 waren es bereits 750, Tendenz weiter steigend. Auch der SoVD war als einer der größten und bedeutensten Interessenverbände für Menschen mit Behinderungen bereits mit zahlreichen Aktionen dabei.

SoVD-Jugend nimmt an Demo in Berlin teil

In diesem Jahr steht der Aktionstag unter dem Motto
„#MissionInklusion“. Die SoVD-Jugend hat sich organisiert und nimmt an einer Demonstration in Berlin teil.

„#MissionInklusion – die Zukunft beginnt mit dir“ ist der Aufruf, die inklusive Gestaltung der Gesellschaft und Lebenswelt aktiv in die Hand zu nehmen. Dies beginnt schon bei den Jüngsten. Denn wenn Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung, aus unterschiedlichen Herkunftsländern oder mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen gemeinsam groß werden, wird Vielfalt für sie alltäglich. Viele Barrieren entstehen so erst gar nicht erst. Andere Hindernisse können von Anfang an abgebaut werden.

Widerstände bei Inklusion und Barrierefreiheit

2019 unterstreicht außerdem ein besonderer Jahrestag, wie wichtig es ist, sich für Ziele wie die vollständige Inklusion einzusetzen. Denn zehn Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention durch die Bundesrepublik Deutschland sind zwar Fortschritte für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu verzeichnen.Doch die Konvention ist alles andere als ein Selbstläufer.

„Auch heute müssen Inklusion und Barrierefreiheit gegen massive Widerstände erstritten werden“, macht SoVD-Präsident Adolf Bauer deutlich. Fest stehe, so der SoVD-Präsident, dass weiterhin Druck auf die Politik ausgeübt werden müsse, um bei der Inklusion bessere Ergebnisse zu erreichen.

Betreute Menschen dürfen an Europawahl teilnehmen

Als großen Fortschritt wertet es der SoVD, dass die Bundesregierung endlich das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) umsetzt und den Wahlrechtsausschluss behinderter Menschen aufhebt. Zur Erinnerung: Im Januar hatte das Bundesverfassungsgericht den Wahlrechtsausschluss von betreuten Menschen abgeschafft. Ein neues, inklusives Wahlrecht sollte jedoch erst ab dem 1. Juli gelten. Das Gericht hat jetzt Möglichkeiten eröffnet, wie betreute Menschen trotzdem schon bei der Europawahl im Mai ihre Stimme abgeben können.

Inklusionsdebatte geht an Sonderschulen vorbei

Scharfe Kritik übt der SoVD-Präsident an der unzureichenden Umsetzung der Konvention vor allem in Bildungseinrichtungen und am Arbeitsmarkt. „Die Inklusionsdebatte geht an den Sonderschulen weitgehend vorbei. Und auf dem Arbeitsmarkt liegt die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen weiter deutlich höher. Das zeigt die anhaltende Benachteiligung behinderter Menschen in unserer Gesellschaft.“

Die UN-Behindertenrechts-konvention zielt auf Selbstbestimmung und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Sie sieht vor, dass der Staat ihre Ziele bekannt macht und die Umsetzung gewährleistet. Ein zentrales Ziel ist es, das Behindertengleichstellungsgesetz zu stärken.

Der SoVD begleitet die Umsetzung der Konvention kritisch und mahnt seit Langem mehr spürbare Bemühungen um die Inklusion an.