Personalsorgen in der Pflege

Fehlende Fachkräfte und schlechte Arbeitsbedingungen verschärfen Pflegenotstand

Der Bedarf an Personal ist riesig: Bundesweit gibt es etwa in der Altenpflege fünfmal so viele Stellen wie Bewerber. Hier wie auch in den Kliniken ist die Arbeitsbelastung angesichts fehlender Kollegen zusätzlich gestiegen. Mit verschiedenen Maßnahmen will das Bundesgesundheitsministerium daher den Pflegeberuf attraktiver machen und vor allem neue Stellen schaffen.

Mit dem „Pflegepersonal-Stärkungsgesetz“ will das Gesundheitsministerium die Arbeitsbedingungen in der Kranken- und Altenpflege verbessern und zusätzliche Stellen schaffen, um dadurch eine bessere Betreuung zu ermöglichen. In stationären Einrichtungen der Altenpflege wird etwa die Finanzierung von bis zu 13 000 neue Stellen bereitgestellt.

Pflegeberuf aufwerten

Der SoVD begrüßt die Absicht des Gesetzgebers als grundsätzlich richtig. Die Ausstattung an Personal sollte sich dabei jedoch an dem tatsächlichen Bedarf orientieren. Da vorhandene Stellen schon jetzt nicht besetzt werden können, müsse vor allem die Ausbildung von Pflegepersonal vorangetrieben und der Beruf insgesamt attraktiver werden.

Bezahlung nach Tarif

Leider bleiben die Maßnahmen des Gesetzes auf den stationären Bereich beschränkt. Die vorgesehene Bezahlung ambulanter Pflegekräfte nach Tariflohn sowie die geplante Finanzierung von Tarifsteigerungen für Pflegepersonal im Krankenhaus finden dagegen die Zustimmung des SoVD. Kritisch sieht der Verband jedoch die sogenannten Untergrenzen beim Pflegepersonal in ihrer derzeitigen Form.

Pflegenotstand bleibt akut

Ab 2019 müssen Krankenhäuser in einzelnen Bereichen eine Mindestausstattung an Personal gewährleisten. Dadurch will man Beschäftigte entlasten und Patienten besser versorgen. Klingt gut; die Realität sieht leider anders aus. Denn in die Berechnung des Personalbedarfs fließen nur Vollzeitstellen ein – bezogen auf das gesamte Krankenhaus. Eine möglicherweise unzureichende Versorgung auf einzelnen Stationen bleibt dadurch unentdeckt. Der Pflegenotstand wird letztlich zu einem Richtwert für angestrebte Maßnahmen.

Im Gesetzestext heißt es, man wolle eine „nicht patientengefährdende Versorgung“ gewährleisten. Das lässt weder auf bedarfsgerechte Pflege, noch auf Verbesserungen im Sinne der Patienten oder des Pflegepersonals schließen.

Info

Mit dem Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals will das Bundesgesundheitsministerium Verbesserungen im Alltag der Pflegekräfte durchsetzen. Angestrebt sind mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sicherte unter anderem bis zu 13 000 zusätzliche Stellen in stationären Pflegeeinrichtungen zu – finanziert durch die Krankenversicherung.

Spahn will außerdem Anreize zur Ausbildung von Fachkräften schaffen. Per Verordnung legte er zudem Untergrenzen für den Einsatz von Pflegepersonal fest. Der letzte Punkt stößt beim SoVD auf deutliche Kritik, weil sich die Regelung an dem „Ist-Wert“ eines bereits spürbaren Pflegenotstandes orientiert. Der „Soll-Wert“ einer am wirklichen Bedarf der Patienten ausgerichteten Pflege wäre dagegen deutlich höher.