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Land in Sicht - Ärzte leider nicht

Gesetzentwurf soll schnellere und bessere medizinische Versorgung erreichen

Auf einen Termin beim Arzt müssen gesetzlich Versicherte meist lange warten. Noch schlimmer trifft es die Bewohner ländlicher oder strukturschwacher Regionen – sie finden häufig gar keine offene Arztpraxis mehr. Besserung verspricht jetzt das Terminservice- und Versorgungsgesetz, mit dem das Bundesgesundheitsministerium diese und andere Probleme angeht.

Ein Schwerpunkt der geplanten Maßnahmen liegt auf der flächendeckenden haus- und fachärztlichen Versorgung im ambulanten Bereich. Um hier unangemessen lange Wartezeiten auf Behandlungstermine zu vermeiden, sollen  Ärzte ihre Sprechstunden um fünf Stunden pro Woche ausweiten.

Behandlung möglichst nach individuellem Bedarf

Ob die gesetzlich Versicherten von der Erhöhung dieser Mindestsprechstunden jedoch tatsächlich in dem gewünschten Maß profitieren, bleibt abzuwarten. Nach Auffassung des SoVD zumindest ist eine Stundenvorgabe für Sprechstunden nicht entscheidend für eine umfassende gesundheitliche Versorgung. Das eigentliche Ziel muss vielmehr eine medizinische Behandlung sein, die sich am individuellen Bedarf orientiert.

Zugang zu haus- und fachärztlicher Versorgung

Unter bestimmten Voraussetzungen sollen offene Sprechstunden künftig gesondert vergütet werden. Bedauerlich findet der SoVD, dass es offensichtlich weiterer finanzieller Anreize bedarf, um den Zugang der gesetzlich Versicherten zur ärztlichen Versorgung sicherzustellen. Zusätzlich befürchtet der Verband eine Zunahme des bürokratischen Aufwandes.

Strukturfonds für unterversorgte Gebiete

Das neue Gesetz unterstützt gezielt Ärztinnen und Ärzte in unterversorgten Gebieten. Aus einem Strukturfonds erhalten diese Zuschläge, um so die flächendeckende ambulante Versorgung sicherzustellen. Diesen Fonds finanzieren Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen gemeinsam.

Der SoVD bewertet den Ansatz als sinnvoll. Gleichzeitig weist der Verband aber auch darauf hin, dass eine Unterversorgung die gesamte Bevölkerung betrifft und somit nicht allein ein Problem der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Lösungsansätze sollten entsprechend anteilig aus Steuermitteln finanziert werden.

Eröffnung neuer Arztpraxen geplant

Rheumatologen, Psychiatern und Kinderärzten soll für eine Übergangszeit eine Neuzulassung ermöglicht werden. Angesichts der bereits erwähnten Unterversorgung in einigen Regionen erscheint der Wegfall bestehender Zulassungssperren als sinnvoll.

Der SoVD gibt allerdings zu bedenken, dass eine Begrenzung etwa auf ländliche Regionen gar nicht vorgesehen ist. Und ohne eine solche Steuerung bleibt zu befürchten, dass sich Ärzte – anders als vom Gesetzgeber beabsichtigt – auch in bereits gut versorgten Ballungszentren ansiedeln könnten.

Verbesserungen in der Palliativversorgung

Verbesserungen sind darüber hinaus bei den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), bei Festzuschüssen zum Zahnersatz sowie in der Spezialambulanten Palliativversorgung (SAPV) geplant. Das erweiterte Angebot der SAPV ist aus Sicht des SoVD zu begrüßen, weil es all jenen Menschen zugute kommt, die bis zum Ende ihres Lebens lieber zu Hause als etwa in einem Hospiz oder in einem Krankenhaus versorgt werden möchten.

Die gesamte Stellungnahme des SoVD finden Sie hier.

Info

Termin dank Servicestelle

Seit zwei Jahren vermitteln Terminservicestellen Termine bei Fachärzten und Psychotherapeuten. Künftig soll diese Leistung auf Haus- und Kinderärzte ausgeweitet werden. Über die kurzfristige Terminvergabe hinaus geht es dann auch um die Vermittlung in eine dauerhafte Behandlung.

Zudem soll die Servicestelle künftig 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche erreichbar sein. Hierfür ist bundesweit die einheitliche Rufnummer 116 117 geschaltet.

Entgegen begründeter Forderungen durch den SoVD fällt der Bereich der zahnärztlichen und kieferorthopädischen Behandlung bisher leider nicht in das Aufgabengebiet der Servicestellen.