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Mit Respekt und Vertrauen zum Ziel

Auftrag des Gesellschafters voll erfüllt: Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes Stendal geht in Rente

24 Jahre hat er die Geschicke des Berufsbildungswerkes Stendal entscheidend mitbestimmt; die ersten Jahre als Verwaltungsleiter, dann als Geschäftsführer. Er hat den Betrieb aufgebaut, ein Leitbild geschaffen, das BBW wachsen lassen und auch durch schwierige Zeiten geführt. Mehrmals bat ihn der Gesellschafter, noch länger an Bord zu bleiben – er blieb. Wenn Gunter Wittig jetzt in den Ruhestand geht, hinterlässt der heute 66-Jährige dem SoVD und der nachfolgenden Geschäftsführung einen sanierten, modernen Betrieb mit stabilem Kerngeschäft und zahlreichen laufenden und zukunftsgerichteten Projekten.

„Mein Start war abenteuerlich“, blickt Gunter Wittig zurück. „Aus der kommunalen Verwaltung kommend hatte ich eine Ausschreibung gelesen, in der verschiedene Qualifikationen angegeben waren. Durch mein Studium der Staatswissenschaften hatte ich von allem ein bisschen, aber nicht das, was explizit  gefordert war.“ Dennoch habe das Vorstellungsgespräch im Landesarbeitsamt Halle die Juroren überzeugt, schmunzelt Wittig. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das BBW in seinen Anfängen. 1991 hatte man zunächst in angemieteten Räumen mit der Aufbauarbeit begonnen.

Das heutige Areal an der Werner-Seelenbinder-Straße entstand im laufenden Geschäftsbetrieb, beginnend ab 1996 bis Dezember 1999. „Ich hatte neben dem damaligen Geschäftsführer, Jürgen Hoffmann, sehr gestandene und versierte Leute an meiner Seite, sodass ich recht schnell in alle Prozesse einsteigen und gemeinsame Akzente setzen konnte“, erzählt Wittig.

Interdisziplinäre Teams mit gleichrangigen Kompetenzen

Mit dem 1. Januar 2000 wurde aus dem ehemaligen Verwaltungsleiter Wittig der neue Geschäftsführer, dessen Arbeitsbereiche sich fortan auf alle Prozesse und Abläufe des BBW erstreckten.

Unter seiner Führung schuf ein interdisziplinär aufgestelltes Reha-Team ein Arbeitskonzept. In diesem sind bis heute alle Kompetenzen gleichrangig vertreten. Zusammen mit den Abteilungsleitungen analysierte Wittig die Entwicklungen, um daraus zukunftsfähige Arbeitskonzepte abzuleiten, die für Teilhabe von jungen Menschen mit Behinderung wichtig sind.

Bedeutsam war hierbei, mit  Partnern und Auftraggebern eng zusammenzuarbeiten. „Über einen intensiven Dialog aller am Reha-Prozess Beteiligten und vernetzt mit Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik ist es immer wieder gelungen, eine hohe Arbeitsmarktorientierung herzustellen“, erklärt Wittig. Elementar ist für Wittig rückblickend der Kontakt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Einrichtung. Ein offenes und respektvolles Miteinander sowie Vertrauen in der Zusammenarbeit lagen ihm am Herzen – auch in inzwischen überstandenen Krisenzeiten, als die Belegungszahlen 2013 unter anderem durch die Zuweisungspolitik der Bundesagentur für Arbeit dramatisch zurückgingen: „Es wurde offen informiert. Wir mussten uns gemeinsam bewegen und um unsere Existenz kämpfen. Und jeder hat an seinem Ort mitgezogen.“

Zu den bittersten Erfahrungen aus dieser Zeit gehöre, so der erfahrene Leiter, „wenn man junge, entwicklungsfähige Leute am Tisch sitzen hat und sie ziehen lassen muss“.

Dankbar spricht Wittig über die Rolle, die der SoVD als Gesellschafter in all den Jahren einnahm: „Der Gesellschafter hat sich immer für die Belange des BBW interessiert, die Entwicklung befürwortet und akzeptiert, solange sie positiv war, uns jede erdenkliche Unterstützung gegeben, als es darum ging, wieder auf Kurs zu kommen.“

Weil das BBW an einem Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales teilnimmt, „Anfänge, Übergänge, Anschlüsse gestalten“, laufen aktuell vier Projekte mit dem Jobcenter Stendal und dem Landkreis Stendal. Gemeinsam mit den Jobcentern Stendal und Salzwedel ist ein großes Projekt im Frühjahr 2019 in Planung.

Wachstum im Kerngeschäft und zusätzliche Projekte

Mit der positiven und stabilen Lage im Kerngeschäft und der im Zuge der Projekte gestiegenen Mitarbeiterzahl von 99 auf 119 in den vergangenen zwei Jahren sind alle Weichen dafür gestellt, dass das BBW auch künftig  den Auftrag seines Gesellschafters erfüllen kann: Teilhabe von Jugendlichen mit Behinderung am Arbeitsleben und in der Gesellschaft.

Teilhabe als Reha-Ziel

Das BBW Stendal, eine Tochtergesellschaft des Sozialverband Deutschland, ist eine Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind psychisch und mehrfach behinderte, lernbehinderte sowie mittelschwer körperbehinderte Jugendliche und junge Erwachsene. Eine erfolgreiche Ausbildung soll ihnen die berufliche und soziale Integration in das Arbeitsleben ermöglichen. Dabei geht es im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes auch um die umfassende Unterstützung bei der Persönlichkeitsentwicklung. Im BBW befinden sich Ausbildungswerkstätten, begleitende Fachdienste und Internat unter einem Dach. Herausragend sind die niedrige Abbrecherquote von 18 Prozent sowie die hohe Integrationsquote in den ersten Arbeitsmarkt von aktuell 67 Prozent.