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2-10-2004 - Margitta Szatkowski

Bericht einer an "Chronic Fatique Syndrom" (CFS) erkrankten Frau

Leserbrief Margitta Szatkowski

Wollte dieses neue Angebot sofort einmal ausprobieren und es funktioniert nicht. Daher probiere ich es mit dieser Variante!

 

Sehr geehrte Mitarbeiter der Redaktion sowie Vorstandsmitglieder vom SoVD,

 

dies ist mein letzter Versuch auf mich aufmerksam zu machen. Es wird in dieser Ausgabe von uns Mitgliedern gewünscht, unsere Meinung zu schreiben und Ihnen Themen zu benennen, die uns am Herzen liegen.

 

Ich bin erst 47 Jahre alt, allein erziehende Mutter von zwei Töchtern, die in beruflicher Ausbildung sind. Ich bin noch im Arbeitsprozess integriert. Ich habe das sehr große Glück, im öffentlichen Dienst beschäftigt zu sein, daher wurde ich noch nicht gekündigt. Seit 8. Oktober 2001 wurde bei mir nach unsachgemäßer Amalgansanierung von sechs Backenzähnen die Erkrankung Chronic Fatigue Syndrom oder postvirales Erschöpfungssyndrom diagnostiziert. Wie jeder in Deutschland kannte auch ich diese Erkrankung nicht. Nun kenne ich sie und bin aus dieser sozialen, freien und demokratischen Leistungsgesellschaft ausgegliedert worden.

 

Ich wurde nach 78 Wochen Arbeitsunfähigkeit aus der Leistungspflicht der Krankenkasse ausgesteuert. Mein Rentenantrag auf EU-Rente wurde abgelehnt, Klage beim Sozialgericht wird wegen Überlastung seit einem Jahr nicht bearbeitet.

 

Das so genannte Übergangsgeld vom Arbeitsamt wurde nach vier Monaten Bewilligung wieder eingestellt, da der Gutachter diese Erkrankung nicht kennt und mich arbeitsfähig geschrieben hat. Wurde dadurch Sozialhilfeempfängerin. Dies hätte für mich Obdachlosigkeit bedeutet, da die Miete nie ausgereicht hätte. Der Antrag auf SB-Ausweis wird seit zwei Jahren bearbeitet. Die Zuzahlungsbefreiung von Medikamenten wird mit 2 % berechnet, da es keine chronische Erkrankung sein soll. Eine jetzt durchgeführte stationäre Behandlung zeigte kurzfristige Besserung der vielen schweren Symptome, muss ambulant Supplements und Infusionen weiter erhalten. Durch Gesundheitsreform sind diese gestrichen, eine Selbstzahlung meinerseits kostet monatlich 227 EUR. Ich kann jedoch nur unter großer Kraftanstrengung noch vier Stunden arbeiten, die Lohnfortzahlung bei gleicher Krankheit wurde zum 7.10.04 beendet. Kasse zahlt nicht seit 6.4.03. Ich kann unter aller Sparsamkeit die 227 EUR nicht aufbringen. Nun kommen die schweren Symptome wieder zurück und ich kann kaum noch arbeiten. Werde dadurch ins soziale Aus gedrückt. SoVD Dresden hat im Mai für mich schon ein Artikel verfasst, dieser ist bis heute nicht in der Zeitung erschienen. Dies zur Meinungsfreiheit! Ich kann diesen Artikel nicht kürzer fassen, da es noch mehr zu berichten gäbe.

 

Die Zukunft sieht nicht nur für die ältere Generation schlecht aus. Kranke die eine Krankheit bekommen, die in Deutschland nicht erforscht wird, können sich nicht mal als Behinderte sehen, da ja keine Anerkennung erfolgt. Wer sind wir dann? Es gibt in Deutschland über 250 000 CFS-Erkrankte mit gleichem Schicksal wie ich.

 

Es ist also kein Einzelfall, der bedauerlicherweise keine Rücksicht finden kann im großen Solidarpaket, da das Geld ja nicht für alle reichen kann. Nun höre ich auf, sonst wird auch dieser Artikel nicht veröffentlicht oder sollte ich mich hier einmal echt täuschen?

 

Es grüßt eine kranke Frau, die nicht aufhören will zu kämpfen, aber manchmal keine Kraft mehr dazu findet!

 

Margitta Szatkowski.

 

Red.: Wir werden der Angelegenheit nachgehen.