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31-8-2004 - Gerd Isemann

zu den Reformen der Bundesregierung

Leserbrief Gerd Isemann

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ermattet nach einem anstrengenden Tag des Nichtstuns als Vorruheständler, legte ich mein Haupt zur Nacht. Doch die erhoffte Nachtruhe wurde gestört durch folgenden Alptraum:

Verordnung der Bundesministerien für Gesundheit und Soziales, Arbeit und Wirtschaft, und Finanzen an alle Rentner/-innen, Sozialhilfeempfänger/-innen, Heimbewohner/-innen, Langzeitarbeitslose, Witwen und Witwer:

Da Sie aufgrund Ihres Alters, Gebrechens und Faulheit nur noch der Allgemeinheit zur Last fallen, haben wir Ihren Tod beschlossen und sind bemüht, Sie ins Jenseits zu befördern. Sie haben sich deshalb bis zum Jahresende 2004 in Ihrer Gemeinde beim noch aufzubauenden Amt für Personenentsorgung (scherzhaft auch Euthanasie-Amt genannt) zu melden. Dort erhalten Sie die Pille für 12 Euro (bitte passend mitbringen), die Ihnen schnell und bequem hilft, abzuleben.

Selbstverständlich steht Ihnen frei, vorab Ihren individuellen Suizid durchzuführen. Gleiches ist in beiden Fällen mit Ihrem/Ihrer Lebenspartner/-in zu geschehen. Daduch werden gleichzeitig die Auswüchse des Witwen- bzw. Witwertums beseitigt.

Für alle älteren Arbeitslosen, die ihren Arbeitsplatz für einen jüngeren freigemacht oder erhalten haben, haben wir ein besonderes Bonbon: Sie können sich bei der gleichen Behörde eine entsprechende Urkunde für lumpige 70 Euro erstellen lassen, die Sie in den Status eines Märtyrers stellt. Diese Urkunde wird dann bei der Bestattung mit in den Sarg gelegt.

Bestehende Vermögen oder Auszahlungen von Lebensversicherungen sind unverzüglich vor Ihrem Tod in den Fond für Abgeordnete zu übereignen.

Mit diese Reform erreichen wir, dass die Arbeitgeber keine Beiträge mehr für die Rentenversicherung zahlen müssen, für die Arbeitslosen- und Krankenversicherung nur noch einen geringen Bruchteil. Dadurch wird außerdem erreicht, dass die Praxen der Mediziner nicht mehr so voll sind, die Krankenhäuser sind leer und die Seniorenheime können zu Kinderhorten umgebaut werden.

Auch für den Handel wird sich dann die Lage verbessern, sind dann doch die Schlangen vor den Kassen nicht mehr so lang.

Große Vorteile haben auch die Vermieter, sie können die freigewordenen Wohnungen zu größeren Einheiten zusammenlegen.

Als ich dann schweißgebadet erwachte, fühlte ich Made mich in dem mich umgebenden Speck nicht mehr wohl, mir fiel ein, das war schon...

 

Gerd Isemann