Nr. 1 / Januar 2004

Nr. 1 - Die Rentenbesteuerung - Teil 1

Was sich ab 2005 ändern soll.

Im März 2003 hatte das Bundesverfassungsgericht die unterschiedliche Besteuerung von Renten und Pensionen für "unvereinbar mit dem Grundgesetz" erklärt und den Gesetzgeber aufgefordert, bis 2005 eine Neuregelung zu schaffen. Vor diesem Hindergrund hat die Bundesregierung am 3. Dezember 2003 den Entwurf für ein Alterseinkünftegesetz vorgelegt, der für Renten und Rentenversicherungsbeiträge den schrittweisen Übergang zur nachgelagerten Besteuerung vorsieht. Der Entwurf enthält auch für andere Altersvorsorgeaufwendungen und Alterseinkünfte einkommensteuerrechtliche Neuregelungen. Der Gesetzentwurf soll noch im Jahr 2004 im Bundestag verabschiedet werden.

 

Was versteht man unter nachgelagerter Besteuerung?

 

Derzeit gilt für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung die so genannte Ertragsanteilsbesteuerung. Weil die Beschäftigten ihre Rentenbeiträge in der Erwerbsphase zum Teil aus versteuertem Einkommen zahlen, müssen sie ihre Renten später auch nur zum Teil versteuern. Die in den Renten enthaltenen Beitragsrückzahlungen sind einkommensteuerfrei, so dass nur die Zinsen ("Ertragsanteil") versteuert werden müssen.

 

Bei der nachgelagerten Besteuerung bleiben die Rentenbeiträge steuerfrei. Dafür müssen die durch steuerfreie Beiträge erworbene Renten in vollem Umfang versteuert werden. Für Beschäftigte bedeutet dies, dass sie in der Erwerbsphase weniger Steuern zahlen müssen, ihre spätere Rente aber in vollem Umfang der Besteuerung unterliegt.

 

Wie soll der schrittweise Übergang zur nachgelagerten Besteuerung aussehen?

 

Da der sofortige Systemwechsel Steuerausfälle in Milliardenhöhe zur Folge hätte, soll der Übergang zur nachgelagerten Besteuerung schrittweise erfolgen. Ab dem Jahr 2005 wird der Besteuerungsanteil für bisherige und neue Rentnerinnen und Rentner einheitlich auf 50 % angehoben, d.h. sie müssen 50 % ihrer Rente versteuern (nicht 50 % Steuern zahlen!). Dieser Besteuerungsanteil wird für jeden neuen Rentenjahrgang um 2 % und ab 2020 um 1 % erhöht. Für die Rentenjahrgänge ab 2040 sind schließlich 100 % ihrer Rente steuerpflichtig (siehe Tabelle).

 

Die Beschäftigten können ab dem Jahr 2005 60 % des gesamten Rentenversicherungsbeitrages (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) von der Steuer absetzen. Dieser Prozentsatz wird jedes Jahr um 2 % erhöht, so dass im Jahr 2025 100 % des gesamten Rentenversicherungsbeitrages steuerlich absetzbar sein werden (siehe Tabelle).

 

 

 

 

 

 

Was soll sich noch ändern?

 

Die wichtigsten weiteren Änderungen des Gesetzentwurfs sind:

 

  • Das Steuerprivileg für Kapitallebensversicherungen soll für Neuverträge ab 1. Januar 2005 abgeschafft werden.
  • Die Riester-Rente soll vereinfacht werden.
  • Für alle Formen der betrieblichen Altersversorgung soll grundsätzlich die nachgelagerte Besteuerung gelten. Ausgenommen hiervon sind insbesondere umlagefinanzierte betriebliche Altersversorgungssysteme (z.B. VBL).

 

 

 

Und Beamte?

 

Pensionen werden anders als Renten voll besteuert. Daher erhalten Beamte den Versorgungsfreibetrag, der die Besteuerung vermindert. Dieser Versorgungsfreibetrag wird bis 2040 schrittweise abgeschmolzen. Die Werbungskostenpauschale von 1.044 ? wird für Pensionäre schrittweise auf 102 ? reduziert.

 

 

 

SoVD-Präsident Adolf Bauer:

Heutige Durchschnittsrentner mit rund 1.000 ? ohne weitere Einkünfte werden wohl auch in den kommenden Jahren keine Einkommensteuer zahlen müssen. Wer allerdings zusätzliche Einkünfte zur Rente hat, der muss unter Umständen schon ab 2005 mehr Steuern zahlen als heute.Beschäftigte werden ab 2005 wegen der steigenden steuerlichen Abzugsfähigkeit von Rentenbeiträgen weniger Steuern zahlen. Hiervon werden sie allerdings jeden Euro wegen des sinkenden Rentenniveaus in eine zusätzliche Altersvorsorge zahlen müssen.

 

 

 

Fortsetzung Sozial-Info Nr. 02 01/2004 Die Rentenbesteuerung - Teil 2 Was sich für Rentnerinnen und Rentner ändern soll.

 

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