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Trickbetrüger machen gerne Hausbesuche

Beschummelt wird man meist dann, wenn man gar nicht damit rechnet. Genau auf diese Unachtsamkeit ihrer Opfer spekulieren viele Gauner und Ganoven. In den auf dieser Seite geschilderten Fällen entpuppt sich der vermeintliche neue Nachbar ebenso als Betrüger wie die junge Frau, der man aus einer Notlage helfen wollte. Kriminalrat a.?D. Lothar Schirmer warnt in der SoVD-Zeitung vor allem davor, die Überzeugungskraft und die Redegewandtheit von Trickbetrügern zu unterschätzen.

Gleich der erste Fall, den Lothar Schirmer schildert, ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell man von einem Betrüger überrumpelt werden kann. Der Täter suchte sich mit Vorliebe mehrgeschossige Mietshäuser aus, in denen Wohnungen leer standen. Er beobachtete die Bewohner und klingelte schließlich an deren Tür.

Die Masche des charmanten, neuen Nachbarn

Wortgewandt und mit ausgesprochener Höflichkeit stellte er sich als neuer Nachbar vor und wurde in die Wohnung gelassen. Nachdem er verkündet hatte, dass der Umzug gerade „anrolle“, zog er meist sein Handy, um angeblich seine Frau zu fragen, wann genau denn der Lkw da sein würde. Bei diesem fingierten Telefongespräch täuschte er Schwierigkeiten vor und sprach in etwa folgenden Satz ins Telefon: „Wie soll ich das machen? Du hast doch mein Portemonnaie mit meiner EC-Karte in deiner Tasche!“. Auf diese Weise vermittelte er geschickt den Eindruck, er stecke kurzzeitig in finanziellen Schwierigkeiten.

Seine Rechnung ging auf. Auf eine gute Nachbarschaft bedacht, gab es viele Mieter, die gegen eine Unterschrift auf einem Zettel bis zu 800 Euro herausrückten, damit der „neue Nachbar“ die Speditionsfirma bezahlen könnte. Und schlimmer noch, in zwei Fällen bekam er sogar die EC-Karte nebst Geheimzahl. Damit räumte er mal eben ganze 2000 Euro ab.

Die Tricks der Überredungskünstlerin

Wenn die junge Frau in unserem zweiten Fall bei einer Versicherung arbeiten würde, dann hätte sie mit Abstand die höchste Quote an abgeschlossenen Verträgen. Aber was macht sie stattdessen mit ihrer Gabe? Sie begibt sich auf die schiefe Bahn und betrügt ohne Ende.

Ihr Einzugsgebiet geht quer durch Deutschland, die Opfer sind gestandene Leute mittleren Alters ebenso wie Rentner. Auf der Straße, in Einkaufszentren, Restaurants und Cafés spricht sie Personen an, spielt ihnen eine akute Notlage vor und bittet sie um eine finanzielle Unterstützung. Da ist entweder von Mietschulden die Rede und von der Drohung, sie würde mit ihren drei Kindern auf die Straße gesetzt werden. Oder sie berichtet von einem Pfändungsbescheid durch ihren geschiedenen Mann, der sie nun vor die Alternativen stelle, zu bezahlen oder ins Gefängnis zu wandern. Auch eine dringende Operation ihres Kindes führt sie gegebenenfalls als Begründung für ihre Geldnot an.

Bei einigen ihrer Opfer dauerte der Kontakt über mehrere Tage, bis sie endlich das bekam, was sie erhoffte, nämlich bares Geld. Zwischenzeitlich wurde sie verhaftet und sitzt jetzt im Gefängnis. Ob aber die vielen Betrogenen die insgesamt fast 100?000 ergaunerten Euros wiedersehen, ist eher fraglich.

Trickbetrüger verstehen mit Worten umzugehen

Trickbetrüger machen gerne Hausbesuche und kennen viele Wege, um Ihr Mitleid oder Ihr Vertrauen zu erschleichen. Sie gehen dabei keinesfalls mit Gewalt vor, ihre Waffe ist das Wort. Sie verstehen es, ihre Opfer einzuwickeln und so an das Geld zu kommen.

Da tauchen Leute auf, die wollen Ihren Zähler ablesen, Leitungen überprüfen oder Rentenbescheide kontrollieren. Manche benutzen auch die Mitleidsmasche, täuschen Ohnmacht, Übelkeit oder Schwangerschaft vor. Andere geben vor, Umfragen durchzuführen oder Blumen für die Nachbarn abzugeben. Aber alle wollen in Wirklichkeit nur eines: in Ihre Wohnung und an Ihr Geld. Wie Sie sich vor diesen Gaunern schützen können, erfahren Sie in unserer Rubrik.

Wie kann man sich im Alltag vor Betrügern schützen?

Eine gute Nachbarschaft ist nicht zu unterschätzen. Was kann man also tun, wenn man den künftigen Nachbarn nicht gleich bei der ersten Begegnung verprellen will? Die Antwort ist ganz einfach. Treten Sie höflich auf, lassen Sie aber trotzdem eine gesunde Portion Misstrauen dem Fremden gegenüber walten. Im konkreten Fall mit dem vermeintlich neuen Nachbarn hätte man sagen können, dass er sich noch einmal melden solle, wenn das Umzugsunternehmen die erwarteten Möbel angeliefert hat. Schon wäre sein Plan ins Wasser gefallen.

Was diesen Überredungskünstlern, wie im zweiten Fall geschildert, so alles gelingt, ist nicht fassbar. Wer sich auf ihre Lügengeschichten einlässt, hat meist schlechte Karten. Das Geld ist in der Regel weg.

Ist es erst einmal passiert, sollte man auf alle Fälle eine Anzeige erstatten. Werden die Täter ermittelt oder sind sie von vornherein bekannt, dann wird mit dem Strafverfahren nicht automatisch festgelegt, wie viel Geld an wen zurückgezahlt werden muss. Dazu muss ein Zivilverfahren die Schadensregulierung klären. Ist der Täter mittellos, gibt es die Möglichkeit, bei Gericht einen Schuldtitel zu erwirken. Dieser gilt 30 Jahre. Da kann man dann immer wieder einmal „anklopfen“ und nach dem Geld fragen.

Das sollten Sie wissen

Höflich auftreten, aber trotzdem eine gesunde Portion Misstrauen dem Fremden gegenüber walten lassen.

Niemanden in die Wohnung lassen, wenn Sie allein sind.

Wenn möglich, eine zweite Person hinzuziehen.

Sollte ich denn überhaupt Geld an einen Fremden verborgen?

Zu verstehen geben, dass man bereit ist, zu helfen, aber auch Bedenken anmelden, weil man sich ja nicht kenne.

Wenn Telefonnummer bekannt ist, kurzes Telefonat mit dem Vermieter.

Wenn der Kontakt an der Haustür stattfindet, dann:

Vergewissern Sie sich vor dem Öffnen, wer zu Ihnen will – schauen Sie durch den Türspion oder benutzen Sie die Türsprechanlage! Öffnen Sie die Tür nur mit vorgelegter Sperrkette und lassen Sie keine Fremden in die Wohnung.

Nur wenn Sie alleine sind, haben Trickbetrüger und auch Trickdiebe ein leichtes Spiel mit Ihnen. Versuchen Sie deshalb, einen Nachbarn hinzuzubitten, oder vereinbaren Sie mit dem Besucher einen späteren Termin.

Scheuen Sie sich nicht, laut um Hilfe zu rufen, wenn Sie sich bedrängt fühlen.

Auf Geschichten, wie sie sich in unserem 2. Fall auf der Straße, im Café oder in einem Einkaufszentrum angebahnt haben, sollten Sie sich überhaupt nicht einlassen. Anhören, amüsieren oder Mitgefühl bekunden, aber klar sagen, dass es kein Geld gibt.

Viele schämen sich und behalten diese Peinlichkeit für sich: Das ist falsch! Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! Manchmal ist der Betrüger bekannt und Sie können vielleicht verhindern, dass noch andere betrogen werden. Unterstützen Sie daher die Arbeit der Polizei!

Zur Ausgabe Juni 2015 der SoVD-Zeitung