Gut versorgt im Krankenhaus?

Wie lässt sich die Versorgung im Krankenhaus verbessern? Mit dieser Frage haben sich Vertreter der Großen Koalition und der Bundesländer in den letzten Monaten befasst. Sie legten jetzt die Eckpunkte für eine Krankenhausreform vor, die bereits 2016 in Kraft treten soll. Durch Umstrukturierungen sowie durch finanzielle Anreize soll die stationäre Versorgung verbessert werden. Kliniken mit einer nachgewiesen schlechten Qualität werden dagegen mit Abschlägen bestraft. Im Rahmen der Reform will die Politik zudem den Mangel an Pflegepersonal beseitigen. Zu diesem Zweck sollen zusätzlich 6000 neue Stellen für Krankenschwestern und -pfleger geschaffen werden.

Wer heute wegen einer Operation ins Krankenhaus muss, hat zuvor kaum eine Möglichkeit, zu überprüfen, wie gut die Versorgung in der jeweiligen Klinik ist. Verständliche Informationen darüber, inwieweit dort Standards zur Hygiene eingehalten werden oder wie gut man bei eventuell auftretenden Komplikationen versorgt wird, gibt es kaum. Gleichzeitig müssen Patienten heute befürchten, dass sie nicht allein aus medizinischen Gründen auf dem Operationstisch landen. Denn die Zahl der Eingriffe ist in unserem Land so stark gestiegen, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sogar zu dem Schluss kommt, Deutschland sei „Weltmeister im Operieren“.

Wer nicht operiert, verdient auch nichts

Die Zunahme an Operationen ist dabei nicht allein mit der Alterung der Bevölkerung oder mit dem medizinischen Fortschritt zu erklären. Experten äußern längst den Verdacht, dass hierbei wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle spielen. Denn die Behandlungen in deutschen Kliniken werden nach sogenannten Fallpauschalen bezahlt. Diese sind maßgeblich dafür, was letztlich als erbrachte Leistung mit den Krankenkassen abgerechnet werden darf. Einen finanziellen Anreiz, Patienten eine nicht dringend erforderliche Operation zu ersparen, gibt es nicht. Im Gegenteil: Wer nicht operiert, erhält natürlich auch kein Geld.

Fast jede zweite Klinik schreibt rote Zahlen

Niemand will den Ärzten unterstellen, diese würden wahllos an ihren Patienten herumoperieren. Fakt ist jedoch, dass es in Deutschland insgesamt über 2000 Krankenhäuser gibt,die sich längst gegenseitig Konkurrenz machen. Diese belebt zweifelsfrei das Geschäft. Dennoch verzeichnet fast die Hälfte aller Krankenhäuser Verluste. Um sich dennoch am Markt zu halten, wurde in den letzten Jahren verstärkt Personal abgebaut. Heute fehlt es oftmals an Schwestern und Pflegern bzw. müssen die noch vorhandenen immer mehr Patienten allein versorgen. Ein Wettbewerb, der zu mehr Operationen und weniger Pflegepersonal führt, gefährdet somit im Ergebnis die Sicherheit der Patienten.

Qualität in der Versorgung soll künftig belohnt werden

Mit eben diesem Problem hat sich seit Mitte vergangenen Jahres eine Kommission von Experten aus Bund und Ländern beschäftigt. Sie legte jetzt die Eckpunkte für eine Reform vor, deren wichtigstes Ziel eine bessere Versorgung im Krankenhaus ist. Stationäre Einrichtungen sollen dementsprechend stärker nach der Qualität ihrer Leistung bewertet werden. Führt beispielsweise eine Klinik bestimmte Operationen besser aus als andere Krankenhäuser, dann soll sie dafür belohnt werden. Ein solcher Anreiz könnte gerade für die Patienten von Vorteil sein.

Nicht jede Klinik soll alles machen

Die Reform will die Kliniklandschaft umstrukturieren: Krankenhäuser würden dann nicht mehr jede Art von Eingriff anbieten, sondern sich stattdessen auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren. Für einzelne Krankenhäuser stünde ein Umbau oder gar eine Schließung an. Ausgenommen hiervon sollen Kliniken auf dem Land sein, die für die Notfallversorgung dringend benötigt werden. Für planbare Operationen müssten Patienten allerdings in Zukunft längere Wege in Kauf nehmen. Dafür hätten sie jedoch die Gewähr, dass sie in einem Haus operiert werden, das sich auf den jeweiligen Eingriff spezialisiert hat.

Qualität bedeutet auch genug Pflegepersonal

Um diesen Prozess zu finanzieren, soll ein Strukturfonds in Höhe von einer Milliarde Euro geschaffen werden. Die Gelder stammen jeweils zur Hälfte aus der Reserve des Gesundheitsfonds sowie aus Mitteln der Bundesländer. Der Fonds soll die Umwandlung einzelner Krankenhäuser in Behandlungszentren oder in Pflegeeinrichtungen fördern.

Maßgeblich für die Qualität eines Krankenhauses wird aber nicht allein die medizinische Versorgung sein. Kliniken werden künftig auch danach bewertet, wie gut die Betreuung der Patienten auf den einzelnen Stationen ist. Hierfür wird vor allem qualifiziertes Pflegepersonal benötigt. Mit der Reform will die Bundesregierung daher die Einstellung von Krankenschwestern und -pflegern finanziell fördern. In den nächsten Jahren sollen bis zu 6000 neue Stellen geschaffen werden.

Ziele der Reform im Sinne der Patienten

Für die Krankenhausreform liegen bisher nur Eckpunkte vor. Die geplanten Verbesserungen in der medizinischen und pflegerischen Versorgung müssen nun von der Bundesregierung umgesetzt werden. Diesen Prozess wird der SoVD im Sinne seiner Mitglieder auch weiterhin begleiten. Das Erreichen einer höheren Qualität ist dabei ebenso im Interesse der Patienten wie das Vermeiden unnötiger Operationen.

Hintergrundinformationen zum Titelthema: Zahlen, Daten, Fakten

Für die Umstrukturierung im Bereich der Krankenhäuser und die Schaffung neuer Pflegestellen sollen bis 2018 rund 1,7 Milliarden Euro ausgegeben werden. Einige weitere Zahlen und Hintergrundinformationen haben wir hier zusammengetragen.

 

  • Die Finanzierung der Krankenhäuser teilen sich die Bundesländer und die gesetzlichen Krankenkassen. Die Länder sind für den Bau und Erhalt von Gebäuden zuständig, die Kassen bezahlen die Behandlungen der Versicherten.
  • In Deutschland gibt es 2000 Krankenhäuser, an denen pro Jahr rund 1,9 Millionen Operationen durchgeführt werden.
  • Die Gesamtausgaben für die Behandlungen in Krankenhäusern erhöhten sich von 52,7 Milliarden Euro (2008) auf 64,8 Milliarden Euro (2013). Das entspricht einem Anstieg von über 20 Prozent.
  • Insgesamt fließt heute mehr als jeder dritte Euro, der innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung zur Verfügung steht, in den stationären Bereich.
  • Im Jahr 2012 wurden insgesamt 18 Millionen Menschen vollstationär behandelt. Für ihre Versorgung stehen an deutschen Kliniken etwa 1,1 Millionen Beschäftigte zur Verfügung.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Zur Ausgabe Januar 2015 der SoVD-Zeitung