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Alzheimer – Schicksal vieler Menschen

Alzheimer ist ein Schicksal, das immer mehr Menschen betrifft. Denn mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln ist Alzheimer bei weitem die häufigste Form der Demenz – eine Erkrankung, die weltweit stark zunimmt. Schon etwa 44 Millionen Menschen sind demenziell erkrankt; in Deutschland sind 1,4 Millionen Menschen davon betroffen, Tendenz steigend: Statistische Berechnungen sagen für das Jahr 2040 zwei Millionen Erkrankte voraus.

Um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen, wird seit nunmehr zwanzig Jahren am 21. September der Welt-Alzheimertag begangen – auch in diesem Jahr finden weltweit vielfältige Aktivitäten statt.

Seit langer Zeit und mit Nachdruck setzt sich auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) für die Verbesserung der Situation an Demenz erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen ein. Eine Forderung des Verbandes ist es dabei u.?a., dass die Pflegeversicherung unter Berücksichtigung eines neuen Pfegebedürftigkeitsbegriffes weiterentwickelt wird.

Pflege demenziell Erkrankter zu Hause

In der überwiegenden Zahl werden demenziell erkrankte Menschen von Angehörigen in häuslicher Umgebung gepflegt. Dabei stehen pflegende Angehörige vor besonderen Herausforderungen: Demenz führt zu starken Störungen des Gedächtnisses und der geistigen Leistungsfähigkeit, dass berufliche oder private Tätigkeiten beeinträchtigt oder unmöglich werden. Demenzkranke werden im fortschreitenden Krankheitsverlauf zum Beispiel oft desorientiert, entwickeln Weglauftendenzen und gefährden zunehmend sich selbst und andere.

So fordert die Pflege von Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, ihren Angehörigen ein besonders hohes Maß an Beaufsichtigung und Betreuung ab, manchmal rund um die Uhr. Dennoch spielt Demenz bei den Leistungen der Pflegekassen immer noch eine nebengeordnete Rolle. Leistungen der Pflegekasse erhält, wer dauerhaft vor allem körperlich stark eingeschränkt ist und darum eine Pflegestufe bekommen hat. Einschränkungen der Alltagskompetenz werden unzureichend berücksichtigt. Viele Menschen mit Demenz erhalten darum keine Pflegestufe und folglich kaum finanzielle Unterstützung von der Pflegekasse.

Überarbeitung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit

Die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, nimmt mit dem Alter stark zu. Während ab dem 50. Lebensjahr vereinzelte Fälle auftreten können, ist bereits etwa jeder 13. Mensch über 65 Jahren betroffen.

Unter den 80- bis 84-Jährigen ist es jeder Siebte. Von den über 90-Jährigen leidet sogar jeder Dritte an Alzheimer. Doch obwohl die demografische Entwicklung die Zahl der demenziell Erkrankten in die Höhe schnellen lässt, gibt es erst seit einigen Jahren zusätzliche Leistungen für Menschen, die wegen eingeschränkter Alltagskompetenz einen erheblichen Bedarf an Beaufsichtigung und Betreuung haben. Dieser Bedarf wird im Rahmen der Pflegebegutachtung vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) festgestellt.

Aus Sicht des SoVD ist es begrüßenswert, dass die Leistungen der Pflegekasse in den letzten Jahren erweitert wurden. Jedoch werden Menschen mit Demenz in der Pflegeversicherung immer noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Um die Situation für Demenzkranke und ihre Angehörigen zu verbessern, ist es deshalb nach Überzeugung des Verbandes dringend erforderlich, die Definition von Pflegebedürftigkeit zu überarbeiten. Der besondere Bedarf demenziell Erkrankter muss künftig bei den Leistungen der Pflegekassen umfassend berücksichtigt werden. Der SoVD wird diese Forderung mit Nachdruck in die bevorstehende Pflegereformdiskussion einbringen.

Zur Ausgabe September 2014 der SoVD-Zeitung